Schweizer Erfindung

12. April 2018 20:34; Akt: 12.04.2018 20:34 Print

Ist das die Lösung gegen Plastik im Meer?

Müll in den Weltmeeren wird zu einem immer grösseren Problem. Der Schweizer Yvan Bourgnon will es lösen – mithilfe seines riesigen Quadrimarans Manta.

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Der Quadrimaran Manta: Mit seiner Hilfe sollen pro Törn jeweils 600 Kubikmeter Plastikmüll aus dem Meer gefischt werden. Entworfen und entwickelt hat es der gebürtige Schweizer Yvan Bourgnon. Auslöser waren Beobachtungen während seiner Weltumrundung mit dem Sportkatamaran. Damals konnte er das Ausmass der Ozeanverschmutzung mit eigenen Augen sehen. (Symbolbild: Meeresboden vor Sizilien, 2017) Noch gibt es die Manta erst als Modell. 2020 soll dann mit dem Bau des Quadrimarans begonnen werden. Laut Bourgnon wird er 70 Meter lang, 49 Meter breit, 61 Meter hoch und 2500 Tonnen schwer sein. Wind und Strom aus erneuerbaren Quellen sollen ihn antreiben. An Bord des Schiffs ... (Im Bild: Grafik aus dem Jahr 2016) ... befindet sich ein Sortierwerk. Die mit Förderbändern aus dem Wasser geholten Abfälle werden an Bord verdichtet. Über 250 Tonnen Plastik kann das Schiff aufnehmen, bis seine Ladung in einem Hafen gelöscht werden muss. An Land sollen die Abfälle fachgerecht wiederverwertet werden. Ziel des Projekts «The Sea Cleaners» ist es, Plastik aus dem Meer zu holen, bevor es sich in Nanopartikel zersetzt und von lebenden Organismen aufgenommen wird. Diese sind sowohl an Land zu finden, wie diese in Brasilien an den Strand gespülte und in Plastik gewickelte Schildkröte zeigt, ... ... als auch im Wasser. Das Problem: Kunststoffteile zu fressen, ist für Meerestiere ungesund und zum Teil sogar tödlich – trotzdem machen sie es immerzu. Den Grund dafür haben Forscher der University of California Davis 2017 herausgefunden: Sie werden vom Duft der umhertreibenden Plastikteile, genauer vom Geruch von darauf wachsenden Organismen angelockt. In der Studie reagierten die Versuchstiere auf eine nach den Algen riechende Lösung ähnlich wie auf echtes Futter: Sie rückten zusammen und orientierten sich plötzlich nicht mehr an der Strömung, sondern an dem Duft. (Im Bild: Die Reaktion der Fische auf die Geruchslösung) Fügten die Forscher dem Wasser eine andere Lösung zu, die nur nach Plastik, nicht aber nach Algen roch, zeigten die Fische keine Reaktion. (Im Bild: Die Reaktion der Fische auf die Geruchslösung) Daraus folgern die Wissenschaftler, dass der für die Fische so verlockende Geruch nicht vom Plastik selbst, sondern von den darauf wachsenden Algen stammt. All das zeigt: Es ist höchste Zeit, etwas gegen die Unmengen Kunststoff in Meeren, Stränden, aber auch in Flüssen zu unternehmen. Deshalb hat es beispielsweise an vielen deutschen Nordseestränden sogenannte Strand-Müll-Boxen. Diese wurden speziell für den Müll aus dem Meer aufgestellt und werden rege genutzt. (Im Bild: Box am Strand der Insel Juist) Weil die rege Nutzung angesichts der gigantischen Menschen Plastikmüll in Meeren und an Stränden noch nicht ausreicht, werden Einheimische und Touristen nun auch auf Social Media zum Mithelfen aufgerufen. Doch nicht nur Normalbürger, ... ... sondern auch Popstars setzen sich für weniger Plastik im Meer ein: Pharrell Williams beispielsweise investierte in das Biotech-Start-up Bionic Yarn, das Kunststoffe aus dem Meer zu Garn verarbeitet. Dieses wurde unter anderem in der «Raw for the Oceans»-Kollektion von G-Star verwendet. Der niederländische Luft- und Raumfahrttechnik-Student Boyan Slat dagegen wurde erst aufgrund seines Einsatzes für saubere Ozeane bekannt. Er hat nämlich vor, die Meere mit riesigen schwimmenden Filtern vom Plastikmüll befreien, ohne dass dabei die Tiere im Wasser gestört werden. Einen anderen Weg haben die Personen hinter der «Fishing for Litter»-Initiative eingeschlagen. Sie verteilten kostenlose Industriemüllsäcke an Fischer, in welche diese all den Müll füllen können, der ihnen bei der Arbeit begegnet. An vielen europäischen Häfen wurden zudem Müllcontainer aufgestellt, in denen der eingesammelte Abfall kostenlos entsorgt werden kann. An manchen Orten bekommen die Arbeiter sogar Geld für ihren Plastikfang. Und auch ein ganz junger Schweizer setzt sich für die Rettung der Ozeane ein: Bereits im Alter von 13 Jahren hat Aidan Klammer zusammen mit seinen Eltern die App «Clean Ocean» entwickelt. Wer sie nutzt, soll dort künftig Fotos verschmutzter Strände hochladen und lokalisieren. Anderen Usern wird der Eintrag angezeigt. Den Grund, warum sich so viele Menschen für saubere Meere einsetzen, fasst Kapitän Paul Watson perfekt zusammen: «Wenn die Ozeane sterben, sterben wir.»

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Die Meere von Kunststoffmüll befreien. Das ist das erklärte Ziel des Schweizers Yvan Bourgnon. Schaffen will er das mithilfe eines riesigen Quadrimarans namens Manta. Dieser ist derzeit an der Erfinder-Messe in Genf als Modell im Massstab 1:80 zu sehen (siehe Bildstrecke).

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3000 Forschungsstunden von sechs Unternehmen stecken darin. Das Boot müsse zwei Auflagen erfüllen, führte Bourgnon am Mittwoch in Genf vor Medienvertretern aus: Plastikabfälle aus dem Meer fischen und ökologisch sein.

Klimaneutral und effizient

Die fertige Manta, die im Rahmen des Projekts «The Sea Cleaners» entsteht, wird 70 Meter lang, 49 Meter breit, 61 Meter hoch und 2500 Tonnen schwer sein. Wind sowie Strom aus erneuerbaren Quellen – Windräder und Solarpanels – sollen den Quadrimaran vorwärts bewegen.

An Bord des Schiffs befindet sich ein Sortierwerk. Die mit Förderbändern aus dem Wasser geholten Abfälle werden an Bord verdichtet. Über 250 Tonnen Plastik kann das Schiff aufnehmen, bis seine Ladung in einem Hafen gelöscht werden muss. An Land sollen die Abfälle fachgerecht wiederverwertet werden.

Ziel des Projekts «The Sea Cleaners» ist es, Plastik aus dem Meer zu holen, bevor es sich in Nanopartikel zersetzt und von lebenden Organismen aufgenommen wird. Zonen mit Meeresverschmutzungen gibt es vorwiegend in Asien, Afrika und Südamerika.

Müllberge gesehen, Lösung überlegt

Lanciert wurde das Projekt 2016. «Auf meiner Weltumrundung mit dem Sportkatamaran, in dem ich über 200 Tage auf dem Wasser war, habe ich diese Ozeanverschmutzung feststellen müssen. Die Entscheidung war klar: Ich muss etwas tun», begründete Bourgnon sein Vorhaben auf Wemakeit.com.


2020 soll mit dem Bau der Manta begonnen werden, zwei Jahre soll es dauern, bis das Schiff auslaufen kann. Es soll 30 Millionen Franken kosten und eine Lebensdauer von 30 Jahren haben. Die Betriebskosten belaufen sich laut Schätzungen auf eine Million Franken pro Jahr.

Die Initiatoren des Projekts rechnen damit, dass es zehn bis 15 Jahre dauert, um die Wirksamkeit des Bootes zu belegen. Dieses soll auch zur Sensibilisierung eingesetzt werden, um den Konsum und die Verschwendung von Plastik zu verringern. Zudem soll zum Bau von Recylingwerken ermutigt werden.


So soll Yvan Bourgnons Manta einmal die Meere reinigen. (Video: Youtube/The Sea Cleaners)

(fee/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Babs am 12.04.2018 20:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genial

    Geniales Projekt. Ich hoffe sehr, dass es zu Fliegen kommt und sich genügend Sponsoren finden.

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  • Reto am 12.04.2018 20:45 Report Diesen Beitrag melden

    Top!

    Auch wenns nichts werden sollte, danke für den guten Willen. Ist heute nicht mehr selbstverständlich!

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  • Heidi Heidnisch am 12.04.2018 20:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chapeau

    Ein Hoch auf die Tüftler; möge der Erfolg sie weit, weit über die Ozeane tragen. Und nochmals: PLASTIK IST VIEL ZU BILLIG. Müssten die Kosten für die Entsorgung/Recycling mit einberechnet werden, würde dies den Plastikabfall auf dem Planeten massiv reduzieren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Walter Hubschmid am 25.04.2018 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ing.

    Ist ser spannend, aber wirklich eliminieren kann die Abfallschwärme damit nicht, es sei denn es würden tausende solcher sea-cleaner eingestzt. Die Wirkungsvollste Methode wäre wohl, wenn man das Übel an der Quelle anpackt und die Menschen und auch Industriebetriebe dazu bringt alles ordentlich eizusammeln und der Widerverwertung oder Stromproduktion zuzuführen durch saubere Verbrennung. Wenn ich mich an meiner China- und Vietnamreise orientire liegen hier millionen von tonnen an Plasicabfall entlang der Strassen und ufern der Gewässer

  • M.N. am 14.04.2018 22:18 Report Diesen Beitrag melden

    12 Monkeys

    Man könnte auch einfach Plastik verbieten. Aber der Mensch des 21. Jahrhunderts bekämpft grundsätzlich die Symptome und nicht die Ursache, allen voran die Überbevölkerung unseres Planeten. Vielleicht braucht es wirklich mal einen Forscher wie in 12 Monkeys, der wieder Platz auf dem Planeten schafft.

  • Zürcher Ex-Pat am 13.04.2018 23:22 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder kann was tun

    Wenn ich verreise habe ich immer einen Sack mit, in dem ich meinen Abfall sammle und mit nach Hause nehme und dann sorgfältig sortiere. Wenn ich Einkaufen gehe, nehme ich immer einen Sack von Zuhause mit. Meine Papiertüten für die Früchte, verwende ich im Schnitt 4-5 Mal bis sie kaputt sind und ich sie entsorge. Ich habe seit etwa 2-3 Jahren keinen Plastiksack mehr verwendet. Wenn Jeder, dass gleich machen würde wäre die Plage von Plastiksäcken schnell gelöst, aber eben, Plasticksäcke sind so was von praktisch.

  • Reto Kieser am 13.04.2018 21:09 Report Diesen Beitrag melden

    Praxistauglich...

    ... Coole Idee: aber ein 61m hohes Boot wird beim ersten Sturm in die Einzelteile zerlegt. Die Säuberungsmechanik gehört windgeschützt unter die Wasseroberfläche. Die Mantaform macht da Sinn. Über dem Wasser ist nur die Photovoltaik zu platzieren. Bei Sturm taucht auch diese.

  • Roman am 13.04.2018 20:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Präventionskampagnen wären noch notwendiger

    Super Idee. Zufünftig sollte der Müll erst gar nicht im Meer landen.