Neuropsychologie

19. November 2012 23:15; Akt: 19.11.2012 23:52 Print

Je schwerer das Baby, desto grösser das Gehirn

Zuerst die schlechte Nachricht: Wer bei der Geburt wenig wiegt, hat später ein kleineres Gehirn. Die gute Nachricht: Auf die geistige Leistungsfähigkeit hat dies keinen Einfluss.

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Der Zusammenhang zwischen geistigen Eigenschaften und der Entwicklung im Mutterleib hält die Wissenschaftler seit Langem auf Trab. Über die Beziehung zwischen dem Geburtsgewicht von Säuglingen und der Gehirnentwicklung in späteren Lebensphasen war bisher aber nur wenig bekannt.

Nun hat sich ein internationales Team um die norwegische Neuropsychologin Kristine Walhovd der Sache angenommen, berichtet ein im US-Journal «Proceedings of the National Academy of Sciences» (PNAS). Die forscher verglichen in einer Studie das Geburtsgewicht von 628 gesunden amerikanischen Kindern und Erwachsenen mit Struktur, Umfang und Gewicht ihres Gehirns.

Dabei fanden die Forscher heraus, dass die Probanden, die als Neugeborene schwerer waren, sowohl eine grössere Oberfläche in vielen Hirnregionen als auch insgesamt ein grösseres Gehirnvolumen hatten. Faktoren wie Alter, Geschlecht, Haushaltseinkommen oder genetische Abstammung hatten die Autoren dabei berücksichtigt.

Gehirnleistung bleibt gleich

Um festzulegen, ob das Geburtsgewicht auch die Informationsverarbeitung im Gehirn beeinflusst, testeten die Autoren die kognitiven Fähigkeiten ihrer Probanden. Obwohl der Vergleich eine Verknüpfung zwischen der Hirnfunktion und dem Bereich der für das Denken relevanten Gehirnregion zeigte, fanden die Neuropsychologen keine Verbindung zwischen dem Geburtsgewicht und der Gehirnleistung.

Dennoch sollten die Forschungsergebnisse dazu dienen, frühe Einflüsse auf die Hirnentwicklung genauer zu beobachten, betonen die Wissenschaftler.

Stress bei der Geburt könnte späteres Leben beeinflussen

Dass schon bei der Geburt die Weichen für das spätere Leben gestellt werden, zeigt auch eine Studie der Frauenklinik des Inselspitals Bern sowie der Unispitäler Basel und Zürich. Die Mediziner untersuchten drei Geburtsarten daraufhin, wie viel Schmerz und Stress Neugeborene dabei empfinden.

Die Untersuchung kam zum Schluss, dass Kinder, die mit Unterstützung einer Saugglocke geboren wurden, in den ersten 24 Lebensstunden die stärksten Anzeichen von Schmerzempfinden zeigten. Sie zeigten sich bei 39 Prozent von ihnen, im Vergleich zu 17 Prozent der spontan geborenen Kinder und 20 Prozent der Kinder, die durch einen geplanten Kaiserschnitt zur Welt kamen. Bezüglich Stress wiesen Kinder nach Kaiserschnitt den geringsten Cortisol-Spiegel auf, der das Stressniveau anzeigt. Es folgten vaginal geborene und dann assistiert geborene Säuglinge.

72 Stunden nach der Geburt waren die Unterschiede zwischen den Geburtsarten verschwunden. Kinder aller Gruppen wiesen einen gleich geringen Schmerzausdruck auf und haben sich vom Geburtsstress erholt. Menschen könnten jedoch möglicherweise in ihrem späteren Leben von den Erfahrungen der ersten Stunden geprägt sein. Die höhere biochemische Stressantwort der Säuglinge steigere nämlich potenziell die Wahrscheinlichkeit, später an Bluthochdruck, Diabetes oder Herz- Kreislaufproblemen zu erkranken. Weitere Studien seien jedoch nötig, um die langfristigen Auswirkungen dieser Befunde aufzuzeigen.

(sda)