«Tatort» im Faktencheck

28. August 2017 11:36; Akt: 28.08.2017 11:36 Print

Kann Ebola tatsächlich zur Bio-Waffe werden?

Im «Tatort» plante ein Arzt aus Afrika, das Ebola-Virus nach Europa zu bringen und eine Epidemie auszulösen. Ein realistisches Szenario?

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Die Obduktion der ersten Tatort-Leiche der Saison zeigt: Der Tote hat Ebola. Später wird klar: Er hat den Erreger absichtlich nach Europa gebracht – mit dem Ziel, möglichst viele Menschen anzustecken, um den Westen dazu zu bringen, die Arbeit an Medikamenten und Impfstoffen voranzutreiben. (Szene aus «Tatort») Einen Ebola-Patienten als Biowaffe einzusetzen, ist möglich. Dass der Betroffene aber tausende Menschen infiziert, ist eher unwahrscheinlich, denn stark infektiös sind Ebola-Patienten erst dann, wenn sie kaum mehr bewegungsfähig sind. Auch im «Tatort» konnte der Todgeweihte nur eine andere Person anstecken. (Szene aus «Tatort») Die Ansteckung erfolgt in der Regel durch Körperflüssigkeiten, Blut oder Gewebe. Das zeigte auch die letzte grosse Ebola-Epidemie 2014/15 in Westafrika. Dort hatte sich das Virus jeweils sprunghaft ausbreiten können, nachdem Angehörige den Verstorbenen bei Trauerritualen zu nahe gekommen waren. Damals drohte die Situation ausser Kontrolle zu geraten: Innerhalb von 21 Tagen infizierten sich so viele Menschen wie im halben Jahr zuvor, hiess es im Die Behörde stufte die Epidemie als internationalen Gesundheitsnotfall ein. Sie rechnete mit über 20'000 Ebolafällen, ein US-Experte sogar mit Hunderttausenden in den nächsten 12 bis 18 Monaten. Tatsächlich infizierten sich mehr als 28'000 Menschen, mehr als 11'000 starben. Trotzdem schätzte das BAG die Gefahr für die Schweiz als gering ein: «Es handelt sich bis jetzt nach wie vor nicht um ein Problem ausserhalb der betroffenen Region.» Deshalb gab es trotz der prekären Situation in Westafrika lange keine Reisewarnungen. Auch die WHO empfahl keine Einschränkungen im Reiseverkehr oder Handel, ausser für infizierte Personen. Ebola-Patienten in Westafrika durften nicht ausreisen, Menschen ohne Symptome hingegen schon. Bevor sie das Land verliessen, mussten sie jedoch ein medizinisches Exit-Screening über sich ergehen lassen. Dabei wurde – wie bei diesen Hafenarbeitern in Liberia – die Körpertemperatur mit einem pistolen-ähnlichen Gerät gemessen. Zusätzlich mussten sie einen Fragebogen zu ihrem Gesundheitszustand ausfüllen. Versucht eine Person mit Verdacht auf eine Ebola-Erkrankung einzureisen, müssen Grenzbeamte dies dem BAG melden.

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Im ersten «Tatort» nach der Sommerpause ging im österreichischen Pöllau die Ebola-Angst um: Das Virus wurde bei einem toten Afrikaner nachgewiesen, der das Virus nicht aus Versehen, sondern ganz bewusst nach Europa gebracht hatte – mit dem Ziel, möglichst viele Menschen in Europa mit Ebola zu infizieren. Nur so, glaubte er, würde die Krankheit endlich die Aufmerksamkeit erfahren, die sie verdient.

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Doch taugt Ebola wirklich als Bio-Waffe? Ein Faktencheck:

Können Ebola-Infizierte in Europa eine Epidemie auslösen?
Von der Hand zu weisen ist das nicht. Allerdings müsste der Betroffene möglichst rasch nach der Ansteckung aus dem Ursprungsland in unsere Breitengrade reisen. Nur dann ist die Krankheit noch nicht als Ebola erkennbar.

Die Inkubationszeit beträgt 2 bis 21 Tage. Bricht Ebola aus, sieht es zunächst nach einer Erkältung aus. Deshalb ist die erste Diagnose schwierig. Eine Einreise wäre bei diesen ersten Symptomen wohl problemlos möglich.

Erst wenn auf Fieber, Kopf-, Hals- und Muskelschmerzen Übelkeit und – nach fünf bis sieben Tagen – schwere Blutungen im Magen-Darm-Trakt sowie im Genitalbereich folgen, zeichnet sich ab, dass es sich um Ebola handeln könnte. Eine Einreise dürfte bei diesen Symptomen verweigert werden.

Sind Neuinfizierte ansteckend?

Grundsätzlich schon. Doch stark infektiös sind Ebola-Patienten erst dann, wenn sie schon sehr krank und darum kaum mehr bewegungsfähig sind. Anders gesagt: Sind die Betroffenen noch agil, sind sie in der Regel noch nicht besonders ansteckend – so wie auch der todgeweihte Arzt im «Tatort». Er konnte nur eine andere Person infizieren. Dass ein Erkrankter einen Ausbruch mit Tausenden Infizierten auslöst, ist damit sehr unwahrscheinlich.

Wie viele Menschen könnte ein Betroffener mit Ebola infizieren?
Wenn er es darauf anlegt und das richtige Zeitfenster abpasst: einige. Die Viren können nämlich einige Zeit auf Oberflächen überleben: Hat ein Infizierter beispielsweise eine Türklinke oder eine Haltestange im Bus angefasst, könnte von diesen Gegenständen auch Stunden später noch eine Gefahr ausgehen.

Grundsätzlich ist es aber so, dass die Viren in der Regel durch Körperflüssigkeiten, Blut oder Gewebe von Mensch zu Mensch übertragen werden. Das zeigte auch die letzte grosse Ebola-Epidemie in Westafrika. Dort hatte sich das Virus jeweils sprunghaft ausbreiten können, nachdem Angehörige und Freunde den Verstorbenen im Rahmen von Trauerritualen zu nahe gekommen waren.

Grassiert das Ebola-Virus derzeit irgendwo?
Aktuell ist kein Ebola-Ausbruch bekannt. Guinea, der Staat, aus dem der Arzt im «Tatort» das Virus mitgebracht hat, gilt seit dem 1. Juni 2016 als ebolafrei. Es kann jedoch jederzeit zu einem erneuten Ausbruch kommen, denn infizierte Wildtiere – zum Beispiel Flughunde – können das Virus jederzeit wieder auf Menschen übertragen.

Gibt es mittlerweile einen Impfstoff?
Wie im «Tatort» erwähnt, gibt es tatsächlich noch immer keinen Impfstoff. Allerdings wurde die Erforschung eines solchen durch die Ebola-Epidemie 2014/2015 vorangetrieben. Mittlerweile gibt es zwei Kandidaten, die sich in Studien bereits als wirksam erwiesen haben. Die Wissenschaftler hoffen, sie in Zukunft zur Eindämmung und bestenfalls Verhinderung von Ausbrüchen einzusetzen.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Keke am 28.08.2017 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Hat es nicht schon genug Leute mit schlimmen Ideen? Muss man das noch auf einem Plateau servieren? Es hat schon genügend Verrückte denke ich.

  • Scientist am 28.08.2017 11:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine Panik

    Ebola ist eine schreckliche Krankheit, aber eine Epidemie ist nicht zu erwarten. Wir haben die Technischen Möglichkeiten betroffene Schnell und sicher zu isolieren. Der Impfstoff ist momentan in Afrika im Einsatz mit guten Resultaten, ja die Epidemie ist noch nicht vorbei auch wenn nichts mehr in den Zeitungen steht.

  • Markus Mathys am 28.08.2017 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das gibt es schon bei Krebs

    Es gibt Menschen mit Krebs die wechseln den Wohn und Arbeitsort nach Deutschland. Da fallen keine Folgekosten der Krankheit an. Das ist Realität und nicht Fiktion.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Steff am 29.08.2017 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Funktioniert nicht!

    Das würde in Europa gar nicht funktionieren! Ebola kann sich nur verbreiten, wenn ungebildete Menschen auf Hygiene verzichten und entgegen allen Empfehlungen aus Tradition die Verstrobenen umarmen, küssen und noch wochenlang aufbewahren.

  • Mike Gerber am 29.08.2017 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Da gibt's weitaus geeignetere Bio-Waffen

    Anthrax oder ein modifizierter Pockenvirus sind um Welten besser geeignet.

  • Tommy am 28.08.2017 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Hört endlich auf

    mit diesem medizinischen Theater! 'Die gefährlichsten Massenvernichtungswaffen sind die Massenmedien. Denn sie zerstören den Geist, die Kreativität und den Mut der Menschen, und ersetzen diese mit Angst, Misstrauen, Schuld und Selbstzweifel.' - Das Medienmonopol von M.A.Verick

    • Roger am 29.08.2017 11:47 Report Diesen Beitrag melden

      Iss oder stirb

      Leider ist ein solches Szenario möglich. Siehe IS. Siehe Vergangenheit (Sarin/Orange/Pestizide/etc.) Ich bin der Meinung, dass Gifte nur unter strengster Kontrolle abgegeben wird und deren Nebenwirkungen geprüft, verboten werden. Nur so lässt sich ein solches Szenario abfedern. Ich habe am meisten Angst vor solchen Vorstellungen.

    • Anonymous am 29.08.2017 16:30 Report Diesen Beitrag melden

      Ja klar

      Und dennoch schaltest du heut Abend den Fernseher ein, gell

    einklappen einklappen
  • Apop85 am 28.08.2017 17:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie absolut perfekt

    Für die nächste angstschürende Story...

  • fridolin am 28.08.2017 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tatort

    selten so ein schlechter tatort gesehen, dass man soetwa dem Fernsehbublikum versetzt ist eine Frechheit.