Modern Family

16. November 2012 01:11; Akt: 16.11.2012 10:36 Print

Kinder ja, Ehe nein

Wieso denn heiraten? Die Frage stellen sich in Europa immer mehr angehende Eltern und verzichten trotz Nachwuchs auf den Trauschein.

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Eins von beiden dürfte unverheiratete Eltern haben: Neugeborene in Deutschland.

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Seit 1960 ist der Anteil nichtehelicher Geburten überall in Europa sprunghaft gestiegen, wie eine Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock ergab.

Am häufigsten sind nichteheliche Geburten in Island mit einem Anteil von 63,8 Prozent, wie das Institut am Donnerstag mitteilte. Dort hatten aber auch schon 1960 rund 25 Prozent der Kinder bei der Geburt unverheiratete Eltern.

In Frankreich schnellte der Anteil von 6,1 Prozent 1960 auf 50,7 Prozent 2007 hoch, in Norwegen von 3,7 auf 54,5 Prozent, in Grossbritannien von 5,2 auf 44,4 Prozent. Ein Grund ist laut Forscher Sebastian Klüsener vom Max-Plank-Institut, dass Frauen heute stärker am Erwerbsleben teilnehmen und deshalb nicht mehr auf den Ehemann als Versorger angewiesen sind.

Die Griechen sind am traditionellsten

Die Rostocker Forscher verglichen erstmals über einen längeren Zeitraum 497 europäische Regionen. An der Spitze bei den nichtehelichen Geburten liegt demnach die französische Region Aube. Dort haben inzwischen fast drei Viertel der Babys (72,4 Prozent) unverheiratete Eltern. Seit 1960 ist das ein Anstieg um 65,5 Prozentpunkte.

Am traditionellsten verhalten sich die Griechen: In der Region Epirus waren 2007 nur 3 Prozent aller Geburten nichtehelich. Damit hat sich der Anteil seit 1960 aber auch fast verdoppelt. Am unteren Ende der Tabelle stehen vier griechische Regionen.

In Deutschland heiraten Paare vor allem im Osten gar nicht oder erst nach der Geburt der Kinder: In Neubrandenburg werden fast zwei Drittel aller Babys (65 Prozent) nichtehelich geboren. Das ist Platz 17 im europaweiten Regionen-Vergleich. Am traditionellsten in Deutschland ist man in Stuttgart, wo bei lediglich 18,1 Prozent der Geburten die Eltern nicht verheiratet sind.

In der Romandie ist man traditioneller als in Frankreich

«Das Bedürfnis, vor der Geburt der Kinder zu heiraten, hat an Bedeutung verloren», sagte Klüsener. Allerdings gäben sich später dann doch viele Paare das Jawort. Auch das zeigten Untersuchungen. Der Druck, den Vater des Kindes zu heiraten, sei aber nicht mehr da, so Klüsener.

Nationale Grenzen beeinflussten das Verhalten. Trennlinien zwischen Gebieten mit hohen und niedrigen Raten verliefen vor allem entlang von Staatsgrenzen - zum Beispiel zwischen den angrenzenden Regionen in Frankreich, wo vergleichsweise viele uneheliche Kinder geboren werden, und der französischsprachigen Schweiz. In der Schweiz stieg die Rate der nichtehelichen Geburten erst nach 1990 an, bleibt aber mit rund 15 Prozent relativ niedrig.

(bem/sda)