Weniger Eis, weitere Strecken

04. Februar 2018 13:06; Akt: 04.02.2018 13:06 Print

So sieht Verhungern aus Sicht der Eisbären aus

US-Forscher bestätigen, wovor Naturschützer schon lange warnen: Viele Eisbären finden nicht mehr genügend Beute, um satt zu werden.

Zehn Eisbären sind mit einer Kamera um den Hals auf die Jagd gegangen. (Video: USGS)
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Altersschwach oder ausgehungert? Diese Frage taucht jedes Mal auf, wenn Bilder von völlig entkräfteten Eisbären um die Welt gehen – auch bei den 20-Minuten-Lesern. Eine Antwort liefern nun Forscher um Anthony Pagano vom Alaska Science Center in Anchorage im Fachjournal «Science».

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Das Team hatte zwischen 2014 und 2016 jeweils neun Weibchen in der kanadischen Polarmeerregion Beaufort Sea gefangen, untersucht, mit GPS-Kameras ausgestattet und wieder freigelassen.

Nach rund anderthalb Wochen fingen sie die Tiere wieder ein, um ihnen die Technik abzunehmen, sie erneut zu wiegen und die Daten auszulesen. So konnten die Forscher sehen, was und wie viel die Eisbärinnen in der Zwischenzeit gegessen hatten.

Wie ein immer schneller werdendes Laufband

Aus den gesammelten Daten berechneten Pagano und seine Kollegen dann den Energieverbrauch der Eisbären. Dabei zeigte sich, dass dieser im Untersuchungszeitraum 1,6-mal höher war als noch in den 1990er-Jahren.

Verantwortlich dafür könnte laut den Forschern das Schwinden des Packeises sein, das sich gemäss Wissenschaftlern der University of Colorado jährlich um 14 Prozent zurückzieht. George Durner vom Geologischen Dienst der USA verglich die Lage im Juni 2017 mit einem immer schneller werdenden Laufband:

Für den Eisbär wird es richtig, richtig eng

Chronisch unterernährt

Die Eisbären müssten deswegen grössere Strecken überwinden, um Beute zu finden, so das Team um Pagano. Um den Energiebedarf zu decken, müsste ein Eisbärweibchen alle zehn bis zwölf Tage eine erwachsene Robbe oder 19 Robbenbabys fressen.

Doch offensichtlich ist das leichter gesagt als getan. Von den jeweils neun untersuchten Tieren schafften das im Schnitt nur vier. Vier weitere verloren im Beobachtungszeitraum rund zehn Prozent ihres Körpergewichts. Und das, obwohl die Untersuchung zu einer Zeit stattfand, in der die Tiere die Mehrheit ihres Körperfetts ansetzen sollten.

Das alles verheisst nichts Gutes, wie es in der Studie heisst: «Mehr Bewegung, verursacht durch den Verlust an Meereis, wird sich wahrscheinlich negativ auf den Fortpflanzungserfolg der Eisbären auswirken, und letztendlich auch auf ihren Bestand.»


Im Dezember 2017 ging dieses Video aus der Arktis um die Welt. Es zeigt drastisch die Folgen des Klimawandels für Eisbären. (Video: Tamedia/Paul Nicklen)

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Waterpolo1s am 04.02.2018 13:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    .... traurig ...

    Dieser Bericht stimmt mich sehr traurig :-((

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  • Tobias N. am 04.02.2018 13:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Die Welt geht vor die Hunde und wir feiern mit tosendem Applaus!

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  • Jamaika Jamal am 04.02.2018 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lars der Eisbär

    Verhungernde Eisbären sind wahrlich kein schöner Anblick. Tun mir sehr leid die Tiere.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • J. Lehmann am 04.02.2018 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    der Planet wird benutzt

    Wir Menschen haben bisher ca 1/3 der Tierarten ausgerottet... rund 2/3 des Bestandes an Wald abgeholzt - (unsere Urwälder von vor 400 Jahren auch mit eingerechnet) ... und in den Meeren gibt es ca 500 Todeszonen, in denen alles Leben abstirbt... aber schon schlimm, das mit den Eisbären... eventuell hilft es ja an anschaulichen Beispielen, dass man langsam checkt, dass eventuell es besser wäre, sich nicht wie ein Virus zu vermehren... aber das müssten alle mal wahr haben wollen.

  • Schlussfolgerer am 04.02.2018 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    Robben-Babies

    Traurig, dass so ein Eisbär pro Tag im Schnitt mehr als 1 unschuldiges Robben-Baby frisst. Vermutlich bei lebendigem Leibe. Grausam !

  • Mike Zac am 04.02.2018 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wir Menschen werden auch verhungern

    wenn die Rohstoffe knapp werden dann beginnt der Kampf ums Überleben. Das wird schon sehr bald sein.

  • Jürg am 04.02.2018 17:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ist schon richtig und was falsch ?

    Den Menschen bräuchte es gar nicht aber wofür sind Eisbären gut ? Wer schützt die Robben vor den Eisbären? Probleme über Probleme, was machen ? Man kann nichts machen, schon gar nicht die Kassen irgend welcher Organisationen die auch eh nichts bringen, füllen. Lasst dem Leben den freien Lauf.

  • Mario am 04.02.2018 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Bei sich selber beginnen

    Interessant, wie viele Kommentarschreiber die Schuld den Reichen, den Amerikanern, Trump oder allgemein den Menschen zuschieben. Dürfte man bei all diesen Schreibern mal einen kritischen Blick in ihr Leben werfen (Anzahl Flüge, Grösse des Autos und der Wohnung, Einkaufsverhalten usw.)? Man kann nur sich selber ändern, doch es ist eben einfacher, auf andere zu zeigen und von denen Änderungen zu erwarten.