Der Natur abgeschaut

21. Juli 2016 20:34; Akt: 21.07.2016 20:34 Print

Kokosnüsse sollen Häuser sicherer machen

Ob als Flocken im Müsli, als Saft im Smoothie oder als Öl in der Pfanne: Kokosnüsse sind angesagt. Nun haben sie auch Architekten für sich entdeckt.

Bildstrecke im Grossformat »
Eine Kokosnuss sollte man besser nicht auf den Kopf bekommen. Denn eins ist sicher: Nachgeben wird sie nicht. Tatsächlich kann der Frucht normalerweise noch nicht einmal der Sturz von der Kokospalme etwas anhaben. Wie sie das anstellt, hat ein deutsches Forscherteam untersucht. Dabei zeigte sich, dass das Geheimnis der Palmfrucht in der Aussenschicht (Exokarp) verborgen ist: Die darin sitzenden, verholzten Zellen haben ein spezielles Design, zudem sind die Zellwände auffällig dick. Dadurch ist die Kokosnuss in der Lage, grossen Aufprallkräften zu widerstehen. Hinzu kommt der dreidimensionale und leiterartige Aufbau der Wasserleitgefässe, der ebenfalls seinen Teil dazu beiträgt, dass sich die Stossenergie gut verteilt und die Kokosnusshülle beim Aufprall nicht nachgibt. (Im Bild: die Zellstruktur unter dem Elektronenmikroskop.) Die Forscher können sich vorstellen, dass sich dieser Aufbau auf architektonische Bauten übertragen lässt. Ihre Hoffnung: Eine nach dem Vorbild der Kokosnuss geschaffene Struktur könnte dereinst beispielsweise helfen, Häuser in Erdbebengebieten sicherer zu machen. Auch wenn es bis dahin noch ein wenig dauern dürfte: Profitieren kann der Mensch bereits jetzt von Kokosnussprodukten. Wie, das verraten Ihnen die nächsten Bilder. Die fast klare Flüssigkeit wird direkt aus der noch grünen Frucht gewonnen. Der hohe Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen machen sie zu einem kostbaren Nahrungsmittel. Es enthält fast kein Fett, nur sehr wenige Kalorien und wirkt mit seiner isotonischen Wirkung beim Sport extrem erfrischend. Die Mineralstoffdichte bei Koksnüssen ist übrigens so hoch, da die Palme das Salz aus dem Meer absorbiert und in die Früchte weiterleitet. wird aus dem weissen Fruchtfleisch gewonnen. Das glutenfreie Mehl ist reich an Ballaststoffen und Proteinen. Zudem enthält es alle acht essentiellen Aminosäuren und wertvolle Fettsäuren, die die Aufnahmen von fettlöslichen Vitaminen aus der Nahrung verbessern. Während Kokoswasser direkt aus der Nuss geerntet wird, sind zur Herstellung von zwei Schritte nötig: Zunächst wird das Fruchtfleisch mit Wasser püriert und dann gefiltert. Die Milch ist reich an Kalium, Natrium und Magnesium und wirkt dank mittelkettigen Fettsäuren als schneller Energielieferant. Trotzdem sollten Fett- und Kaloriengehalt nicht unterschätzt werden. Der braune, karamellige stammt aus dem Nektar der Kokosblüten. Im Gegensatz zu Industriezucker enthält er verschiedene Mineralstoffe wie Kalium, Zink und Eisen. Zudem weist er einen niedrigen glykämischen Index auf. Das heisst: Bei der Aufnahme wird weniger Insulin ausgeschüttet, der Zucker gelangt langsamer in den Blutkreislauf und versorgt den Körper länger mit Energie. wird aus der reifen Frucht gewonnen. Der Schmelzpunkt des Öls liegt bei 25 Grad Celsius, daher wird es meist schon bei Zimmertemperatur flüssig. Das weisse Fett ist dank seiner Hitzebeständigkeit sehr gut zum Braten geeignet. Die darin enthaltene Laurinsäure gilt als gesunder Energiespender und kann sich positiv auf den Stoffwechsel auswirken.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Kokosnuss ist wirklich eine harte Nuss. Ihre Robustheit hat jetzt sogar Forscher auf den Plan gerufen, die normalerweise nichts mit Steinfrüchten zu tun haben: Architekten, Bauingenieure und Materialforscher. Ihre Absicht: herausfinden, was die Kokosnuss so stark macht.

Umfrage
Sind bei Ihnen Kokosnüsse Teil der Ernährung?
39 %
14 %
39 %
8 %
Insgesamt 450 Teilnehmer

Das Team um Jan Knippers von der Universität Stuttgart analysierte die Struktur der Kokosnuss mithilfe verschiedener Methoden wie beispielsweise Computertomografie oder Mikroskopie. Ausserdem testeten sie die Fähigkeit der Frucht, Stoss- und Schlagenergie zu absorbieren.

Pfiffige Pflanze

Dabei zeigte sich, dass das Geheimnis der Palmfrucht in der ledrigen Aussenschicht (siehe Box) verborgen liegt. Dass die Kokosnuss Aufprälle so gut übersteht, verdankt sie einerseits dem speziellen Design der verholzten Zellen, andererseits den mehrschichtigen und auffällig grossen Zellwänden, wie es in einer Pressemitteilung heisst.

Doch das ist noch nicht alles. Laut Knippers und seinen Kollegen trägt auch der dreidimensionale Aufbau der Wasserleitgefässe (siehe Bildstrecke) seinen Teil dazu bei, dass sich die Stossenergie gut verteilt und die Kokosnusshülle nicht nachgibt. Denn «je länger ein Riss sich in dieser Struktur bewegen kann, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass seine Energie verbraucht ist, bevor er die innere Oberfläche erreicht hat», sagt Knippers Mitstreiterin Stefanie Schmier von der Universität Freiburg.

Der Kniff der Palmfrucht: Die Bruchlinien eines Schlags werden nicht senkrecht durch die Schale geleitet, sondern parallel umgeleitet.

Mögliche Anwendungen immer im Auge

Die Forscher können sich vorstellen, dass sich dieser Aufbau auf architektonische Bauten übertragen lässt. Ihre Hoffnung: Eine nach dem Vorbild der Kokosnuss geschaffene Struktur könnte dereinst beispielsweise helfen, Häuser in Erdbebengebieten sicherer machen.

«Die Kombination von sehr leichten Strukturen und hoher Absorptionsfähigkeit von Kräften macht die Struktur der Kokosnuss sehr interessant, um Gebäude gegen Erdbeben, Steinschlag oder andere Katastrophen zu schützen», erklärt Schmier. Welches Material sich dafür anbieten würde, sei aber noch offen. Auch unklar sei, ob tatsächlich die Kokosnuss das Rennen macht. Denn die Forscher testen auch noch andere Materialen, aktuell steht beispielsweise die Borke von Mammutbäumen auf dem Prüfstand.

(fee)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Azazel am 22.07.2016 04:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Is Klar

    Nach dem Moto: "Schauen wir es von der Natur ab...aber nutzen wir sie nich".

  • Papa Bär am 22.07.2016 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Kokosnuss

    Ich liebe sie. Mitunter eine sehr gute Zwischenmahlzeit. Erinnere mich an unsere Hochzeitsferien auf den Malediven, als Jerome wie ein Äffchen die Palme hochkletterte, heruntersprang als könnte man sich keine Knochen brechen und diese mit seiner Machete zweiteilte. Idyllisch jedoch bedenklich, wenn durch professionellen Raubbau die Natur ausgerottet wird.

  • Besam am 22.07.2016 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wozu?

    Man kann ja bereits alle Häuser in jedem Erdbebengebiet erdbebensicher machen. Längst stehen Wolkenkratzer auf Stossdämpfern. In Erdbebengebieten fallen nur Häuser um, die bei uns nicht einmal eine Baugenehmigung als Gartenhäuschen bekommen würden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Papa Bär am 22.07.2016 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Kokosnuss

    Ich liebe sie. Mitunter eine sehr gute Zwischenmahlzeit. Erinnere mich an unsere Hochzeitsferien auf den Malediven, als Jerome wie ein Äffchen die Palme hochkletterte, heruntersprang als könnte man sich keine Knochen brechen und diese mit seiner Machete zweiteilte. Idyllisch jedoch bedenklich, wenn durch professionellen Raubbau die Natur ausgerottet wird.

  • Besam am 22.07.2016 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wozu?

    Man kann ja bereits alle Häuser in jedem Erdbebengebiet erdbebensicher machen. Längst stehen Wolkenkratzer auf Stossdämpfern. In Erdbebengebieten fallen nur Häuser um, die bei uns nicht einmal eine Baugenehmigung als Gartenhäuschen bekommen würden.

  • Azazel am 22.07.2016 04:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Is Klar

    Nach dem Moto: "Schauen wir es von der Natur ab...aber nutzen wir sie nich".