Sprachgeschichte

13. Oktober 2014 14:11; Akt: 13.10.2014 14:14 Print

Kriege befeuern den Wortschatz

Sprache ist lebendig: Immer wieder tauchen neue Wörter auf, andere verschwinden. Besonders Kriege und Revolutionen fördern die Entstehung neuer Begriffe.

Jede Zeit hat ihre Wörter – der Dudenverlag zeigt ein Best-of der Wörter, die von den 1950er- bis zu den 1990er-Jahren in den Duden aufgenommen wurden. (Video: Youtube/Dudenverlag)
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Geil! Wer dieses Wort vor 25 Jahren aussprach, wurde dafür oft von den Erwachsenen gerügt. Denn während die Jüngeren damit einfach nur Begeisterung ausdrücken wollten, verstanden die Älteren darunter «sexuell erregt» oder «gierig nach geschlechtlicher Befriedigung». Und damit etwas prinzipiell Anstössiges, das sich für den Nachwuchs überhaupt nicht ziemte.

Heute ist der Umgang mit den vier Buchstaben deutlich entspannter. Mittlerweile hat «geil» sogar im Mainstream Platz gefunden:


Geil als Werbebotschaft (Video: Youtube/schultedoeinghaus)

Wie und wann neue Wörter in unserer Sprache aufgenommen werden und wann sie wieder verschwinden, haben Forscher vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (MPG) in Leipzig und der Kasaner Universität in Russland untersucht. Dafür ermittelten sie mithilfe des Google-Programms Ngram Viewer (siehe Box) die Entwicklung des englischen Wortschatzes im Vergleich zum russischen, deutschen, französischen, spanischen und italienischen während fünf Jahrhunderten.

Dabei konzentrierte sich das Team um Søren Wichmann vom MPG auf einzelne Wörter – so genannte 1.grams – aus den sechs Sprachen und darauf, wie oft diese Jahr für Jahr verwendet wurden.

Bewegte Zeiten, bewegtes Vokabular

Die Analyse zeigte, dass gravierende Veränderungen in der Sprache mit historischen Ereignissen zusammenhängen, schreiben die Forscher im «Journal of the Royal Society Interface». So hätten etwa die beiden Weltkriege und die Oktober-Revolution in Russland zu einer veränderten Wortschatz-Verwendung geführt. «Wenn ein Krieg ausbricht oder eine Revolution stattfindet, werden der Sprache neue Wörter hinzugefügt, die die Veränderungen widerspiegeln, denen die Menschen in ihrem Lebensraum ausgesetzt sind», sagt Wichmann in einer Mitteilung seines Instituts.

In Zeiten der Stabilität, wie etwa im Viktorianischen Zeitalter in Grossbritannien, blieb auch der Wortschatz relativ konstant.

Kernwortschatz ist beständig

Besonderes Augenmerk lenkten die Wissenschaftler zudem auf die Unterschiede im britischen und amerikanischen Englisch.
Diese beiden Dialekte hatten sich laut Wichmann und seinen Kollegen seit den 1850er-Jahren immer weiter auseinanderentwickelt, nähern sich aber seit den 1950er-Jahren wieder einander an. Dies möglicherweise aufgrund des Einflusses der Massenmedien, so die Forscher.

Insgesamt halten sie fest, dass die am häufigsten gebrauchten Wörter einer Sprache wie Artikel, Präpositionen und Konjunktionen sich über längere Zeit hinweg kaum verändern. Auch der Kernwortschatz, der 75 Prozent der geschriebenen Sprache ausmacht, verändert sich weniger häufig. Selten verwendete Wörter verändern sich hingegen häufiger.

Welche Wörter haben Sie schon lange nicht mehr gehört? Welche sollten wir wieder in unser Vokabular aufnehmen? Teilen Sie es uns in den Kommentaren mit.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • 1981 am 13.10.2014 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Kind der 80er

    Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich immer Ärger für das Wort "geil" bekommen habe - und ich dachte schon, ich wäre allein damit gewesen ;)

Die neusten Leser-Kommentare

  • 1981 am 13.10.2014 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Kind der 80er

    Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich immer Ärger für das Wort "geil" bekommen habe - und ich dachte schon, ich wäre allein damit gewesen ;)