Glaziologie-Experiment

23. Mai 2010 16:32; Akt: 25.05.2010 10:25 Print

Künstlicher Gletscher auf dem Klein Matterhorn

von Jigme Garne - Ein deutscher Wissenschaftler will mit einer speziellen Methode dem Gletscherschwund entgegenwirken. Experten haben Zweifel am Erfolg des Experiments.

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Will auf dem Klein Matterhorn einen Gletscher züchten, um weiterem Gletscherschwund vorzubeugen: Eduard Heindl. (Bild: gletscherprojekt.de)

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Eduard Heindl und die Bergbahnen Zermatt haben Grosses vor: Der promovierte Physiker aus Furtwangen im Schwarzwald und die Bergbahnbetreiber wollen auf dem Klein Matterhorn einen künstlichen Gletscher züchten. Auf der kahlen Stelle mit dem Namen «Trockener Steg» soll im September ein Gletscher mit der Fläche von 30 000 Quadratmetern entstehen. Diese Woche haben sie gemeinsam die Finessen für das Projekt besprochen.

Werkzeug: Rasensprenger

Schon bevor ihm die Idee zu den künstlichen Gletschern kam, züchtete der Professor der Hochschule Furtwangen University (HFU) Eiszapfen in seiner Freizeit. Vor zwei Jahren ist er dann sein erstes Eis-Experiment nahe Furtwangen angegangen. Heindls Prinzip ist überraschend einfach: Er kaufte sich handelsübliche Sprinkler im Baumarkt und sprengte nicht den Rasen, sondern Schnee. Das Resultat waren mehr als zwei Meter hohe Eiszungen. «Und dank dieser simplen Idee wird keine Energie zur Gefrierung benötigt», sagt er erfreut.

Das Projekt könnte für den Schweizer Tourismus von Bedeutung sein. Denn für Experten ist längst Fakt: Die Gletscher schmelzen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich das Volumen der Schweizer Gletscher praktisch halbiert. Sichtbar wird das etwa auf dem Theodulgletscher in den Walliser Alpen, wo man einen jährlichen Rückgang der Gletscherzunge von einem Meter verzeichnet. Die Zermatter Bergbahnen stehen deshalb in Kontakt mit Gletscherzüchter Heindl.

Umstrittenes Projekt

Unklar ist bisher, ob Heindl tatsächlich Gletscher produzieren kann. «Genau genommen, habe ich ja erst Toteis hergestellt», gibt Heindl zu. Denn während Toteis mit überdimensionierten Eiswürfeln zu vergleichen ist, haben Gletscher andere Eigenschaften: Sie wachsen und bewegen sich. Für Heindl stellt dieser Unterschied kein Hindernis dar: «In Furtwangen konnte ich herausfinden, wie und dass das Projekt in einem grösseren Rahmen technisch umsetzbar ist.»

Der ETH-Professor und Glaziologe Martin Funk hält dennoch wenig vom Projekt in den Alpen. «Im Sommer, wenn viel Wasser vorhanden wäre, bringt man das Wasser unter natürlichen Bedingungen nicht zum Gefrieren», sagt er. Und im Winter wiederum gebe es kein Wasser – oder es sei nur schwierig zu erreichen (lesen Sie hier das ganze Interview).

Eduard Heindl indes lässt diese Zweifel nicht gelten. Für seinen künstlichen Gletscher auf dem Klein Matterhorn steht ihm Wasser aus einem nahegelegenen See zur Verfügung. Und er kann sogar zurückgreifen auf vorhandene Wasserleitungen, die eigentlich der künstlichen Schneeproduktion dienen.

Selbst wenn die Gegebenheiten einer Region nicht ganz so ergiebig sind, ist das Projekt in seinen Augen machbar. Müsste das Wasser 500 Meter hoch gepumpt werden, «und das ist schon sehr viel», würde ein Quadratkilometer Gletscher rund 100 000 Euro kosten. «Wenn man vergleicht, was sonst in Anlagen für den Alpinsport investiert wird, ist das realistisch.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Stutz am 25.05.2010 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Ist wieder mal typisch !!!

    Hier geht es nur ums Geld ! Also wie verhindern wir, dass keine Touris mehr kommen ? Ist einfach schizophren, denn das eigentliche Problem, die Erderwärmung, wird da gar nicht berücksichtigt ! Das teure Geld, was für Studien, Planung und Ausführung für den Quatsch ausgegeben wird, könnte man viel besser in die Verminderung der Erderwärmung ausgeben. Aber eben: wir Menschen sind halt alles nur Fehlkonstruktionen, welche nur den Profit vor Augen haben und nicht wie in der Natur verankert, die Hauptsache das Überleben ist !

  • Thomas am 17.08.2010 00:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ein interessanter Lösungsansatz

    Ich denke, man sollte es einmal probieren. Die Chance ist schließlich, dass man Gletscher retten könnte, und das wäre toll, finde ich. Wenn es nicht klappt, kann man es immer noch bleiben lassen und bei Erfolg ist die Freude vieler Menschen über die geretetteten Gletscher bestimmt groß :-).

  • Peter Müller am 25.05.2010 23:41 Report Diesen Beitrag melden

    Finde das eine völlige Schnapsidee.

    Der Mann soll besser irgendwo eine Eisbahn eröffnen! Hoffentlich bekommt der keine Bewilligung für diesen Unfug.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas am 17.08.2010 00:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ein interessanter Lösungsansatz

    Ich denke, man sollte es einmal probieren. Die Chance ist schließlich, dass man Gletscher retten könnte, und das wäre toll, finde ich. Wenn es nicht klappt, kann man es immer noch bleiben lassen und bei Erfolg ist die Freude vieler Menschen über die geretetteten Gletscher bestimmt groß :-).

  • Rolf Hänni am 11.08.2010 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Künstlicher Gletscher

    Das finde ich eine gute Idee. Die Klimaerwärmung ist von uns Menschen erzeugt, warum sollen wir dann nicht versuchen, auch die Gletscher künstlich am Leben erhalten ? Zudem könnte man so im Sommerskigebiet mit den Skiern wieder vom Klein-Matterhorn bis zum Trockenen Steg hinunterfahren und könnte so die Thalfahrt mit der Seilbahn weglassen, was ja auch wieder Energie einsparen würde.

  • Peter Müller am 25.05.2010 23:41 Report Diesen Beitrag melden

    Finde das eine völlige Schnapsidee.

    Der Mann soll besser irgendwo eine Eisbahn eröffnen! Hoffentlich bekommt der keine Bewilligung für diesen Unfug.

  • René Brügger am 25.05.2010 15:29 Report Diesen Beitrag melden

    @Naturfreund

    Kühlaggregate benötigt man bei der Bewässerung des Gletschers in den kalten Monaten nicht, weil das Wasser auf dem Gletscher gefrieren würde. Es wäre wohl die natürlichste Möglichkeit einen Gletscher wachsen zu lassen. Nur ist im Winter leider an den wenigsten Orten flüssiges Wasser vorhanden...

  • Naturfreund am 25.05.2010 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    schon wieder ein unnötiger, blödsinniger Eingriff in die Natur. PS Wasser allein genügt ja nicht es braucht dazu auch Kühlaggregate. Die werden ja wohl von Luft und Liebe angetrieben. Oder braucht es dazu evtl. doch (Atom)Strom?