Mobbing in der Schule

21. November 2012 07:29; Akt: 21.11.2012 09:57 Print

Lieber dumm als ein Opfer

Ist derjenige Schüler, der zu viel weiss, der Dumme? Eine Studie zeigt, dass sich in Grossbritannien jedes zweite Kind schon mal unter Wert verkauft hat, um Hänseleien zu entgehen.

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Facebook erlaubt nur ein Konto pro Person. Trotzdem haben manche Nutzer über ein Dutzend Profile erstellt, um Andersdenkende anonym anzuschwärzen. Organisierte Massenmeldungen in teils geheimen Gruppen sollen unliebsame Personen zum Schweigen bringen. Ist eine Person zum Abschuss freigegeben, wird sie von den Gruppenmitgliedern im Akkord gemeldet. Für die Fake-Profile werden oft die Namen und Fotos von Film-Stars missbraucht. Desperate-Housewifes-Star Susan Meyers ruft dazu auf, das Konto von CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer zu melden. Mario S. (Name geändert) sieht sich als Held im Kampf gegen den Islam, als christlicher Fundamentalist und moderner Kreuzritter, der die Schweiz gegen den «Abschaum» verteidigt. Der selbsternannte Kreuzritter drohte einer politischen Gegnerin auf Facebook mit dem Tod: «Du bist die erste, die ich zur Strecke bringe.» Mario S. wurde der Drohung schuldig gesprochen und zur Bezahlung einer bedingten Geldstrafe von 7000 Franken verurteilt. Es gilt eine Probezeit von zwei Jahren. Seine CO2-Waffe wurde beschlagnahmt. Der Verurteilte veröffentlichte das Gerichtsurteil auf seiner Facebook-Pinnwand. Zudem prahlte er mit seiner Strafe und kündigte an, sich wieder eine Waffe zu besorgen. In einem Disput auf Facebook offenbart Mario S. sein Gedankengut. «Ich bin ein moderner Crusader, ein Fundamentalist. Ich bekämpfe den Abschaum, das ist eine Heldentat.» Mario S. ist kein Einzelfall. David H. (Name geändert) droht wegen eines Facebook-Streits mit einer politisch Andersdenkenden mit Vergeltung im realen Leben. David H. tut auf Facebook kund, wie seiner Meinung nach mit Muslimen zu verfahren ist. Seine verbalen Entgleisungen seien eine Reaktion auf die Provokationen der Linken. Diese haben ihn etwa als Sodomist oder ... .. Bettnässer und Cyber-Terrorist bezeichnet. Meldeaufrufe gibt es auch von linker Seite. Laut eigenen Angaben hat Facebook bereits 70 Profile von David H. gesperrt. «Alle an die Wand und Bumm!», empfiehlt ein anderer Facebook-Kreuzritter. Auf Facebook zirkulieren in einschlägigen Gruppen primitive Fotomontagen zur Belustigung der Islam-Gegner. Viel Aufwand, um eine unliebsame Person zu beleidigen. Bildmontage mit Fotos von politischen Gegnern. Auch Jung-EDU-Politiker Matthias Teh war anscheinend in diesen Anti-Islam-Gruppen. Im Namen von Jungpolitiker Matthias Teh wurde dazu aufgerufen, die Administratoren des liberalen Club Helvétique bei Facebook zu melden. Ein Anti-Islam-Aktivist erstellt ein Fake-Profil einer jungen Muslimin, um sich beim feindlichen Lager als Spion einzuschleichen. Mit der falschen Identität werden Muslime ausspioniert und Profilfotos erschlichen. David Hs. (Name geändert) Profilbild in einem Internet-Forum.

Die Bildstrecke: Nicht nur in der Schule, auch im Internet wird Mobbing zum Volkssport. Mit Pseudo-Profilen und Fotomontagen werden Andersdenkende beleidigt, belästigt und bedroht.

Zum Thema
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Streber hatten es in der Schule schon immer schwer, doch heute ist der Terror gegen kluge Köpfe messbar. In Grossbritannien haben 90 Prozent der Schüler bereits mitbekommen oder selbst erlebt, wie jemand wegen seiner hohen Intelligenz gemobbt wurde, zeigt eine aktuelle Umfrage der «Anti-Bullying Alliance» (ABA).

Die Folgen für die Kinder sind gravierend: 49,5 Prozent der Befragten zwischen 11 und 16 Jahren haben schon einmal ihr Talent heruntergespielt, um nicht ins Visier von Schlägern zu geraten. Bei Mädchen sind es sogar 53 Prozent. 27,3 Prozent der Schüler haben aus demselben Grund eine Aktivität aufgegeben, die sie gerne gemacht haben.

Mathe, Singen und Tanzen nicht mehr vorzeigbar?

Was bedeutet das konkret? Zwölf Prozent haben sich in Naturwissenschaften schon mal dümmer gestellt, als sie sind. Die Zahlen variieren dabei zwischen den Geschlechtern: Bei Mathematik sind es bei den Jungen 11,4 Prozent, bei den Mädchen dagegen 18,8 Prozent.

Doch es geht nicht nur alleine um schulische Leistungen: Unter den aufgegebenen Aktivitäten sind Tätigkeiten wie das Singen (elf Prozent), Tanzen (neun Prozent) und Theater (acht Prozent). Selbst eine Sportart musste bei acht Prozent der 1042 befragten Kinder daran glauben.

«Es ist inakzeptabel, dass Kinder eher das Gefühl haben, ihr Talent verstecken zu müssen, anstatt sich darüber zu freuen, und bei wichtigen Arbeiten bewusst zu wenig erreichen oder Dinge sein lassen, die sie gerne mögen», sagte ABA-Vorsitzender Ross Hendry bei der Vorstellung der Zahlen.

(phi)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, es stimmt. Und es ist hart zu sehen wenn das Kind nicht sein volles Potenzial ausschöpft, weil es Angst hat als Streber ausgegrenzt zu werden. Da das Mobbing hauptsächlich in einem Umfeld stattfindet (Schule), in dem man keinen direkten Einfluss hat (oder Angst haben muss, dass man es schlimmer macht), steht man der Situation recht hilflos gegenüber. Cyber Mobbing können Eltern entgegentreten, indem sie dem Kind beibringen, dass die Portale kein privater Raum sind und im Zweifelsfall mit den Eltern Rücksprache gehalten werden muss (Freunde, Beiträge etc). – Sabine C

Was hier nur bei Kindern vermutet wird, ist auch bei den Erwachsenen so. Sobald die auf reiner Logik aufgebaute Intelligenz als Bedrohung empfunden wird, setzen die Mechanismen der sozialen oder politischen Intelligenz ein. Dort wird dann via Informationsausschluss, Allianzbildung, Einsatz von Desinformation, Manipulation und List zielorientiert (sprich intelligent) weitergearbeitet. Intelligente Menschen ärgern sich gleich gar nicht mehr drüber, sie nehmens einfach zur Kenntnis von Misanthropen umgeben zu sein. – Helmut Steigele

Das spricht klar dafür, dass Schulklassen nach der Leistung der Schüler gebildet werden sollten. Einheitsklassen können guten Schülern kaum gerecht werden, weil erstens das Lerntempo durch die schwächeren Schüler gebremst wird und zweitens anscheinend auch, weil Schüler wegen Mobbing ihre Leistungen teilweise in so einem Umfeld nicht zeigen können. – Peschä

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Darijo Deliboric am 21.11.2012 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    In der Schweiz auch so

    Das ist in der Schweiz nicht besser. Wenn hier jemand etwas weiss und das auch mitteilen möchte, wird er als Besserwisser, arrogant oder Störenfried bezeichnet. Oder auch: Kaum sitzen mehrere Leute an einem Tisch, so muss das Niveau in der Form sinken, als der Ungebildeste der Runde mithalten kann und sich nicht "diskriminiert" fühlt. Dieses Phänomen sieht man auch bei Massenveranstaltungen wie Fussballspiele: je mehr Leute, desto dümmer die Sprüche.

  • thurgauer am 21.11.2012 07:36 Report Diesen Beitrag melden

    Was heisst hier 'Schule' ?

    Dem ist nicht nur in der Schule so ! Mir ist egal was die Umwelt von mir hält aber es gibt viel mehr Leute denen die Meinung ihres Umfelds sehr wichtig ist. Da würde ich glatt meine Arbeitshose wetten dass sich solche Leute auch als Erwachsene 'verbiegen' nur damit das Bild stimmt ... und ich bin sicher dass ich meine Hose behalten kann !

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  • stupid genius? am 21.11.2012 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist mir auch schon passiert :(

    Ich hatte auch immer sehr gute Noten ohne auch nur ein kleines bisschen zu lernen (ausser vllt. ein paar Franzwörtli (; ). Bei mir hat es (zum Glück) erst etwa in der siebten Klasse angefangen. Viele Leute sagen mir noch heute, dass ich es - wenn ich wie bis dahin weitergemacht hätte - locker in den Gymer geschafft hätte. So aber habe ich nicht mal mehr in der Schule aufgepasst und gab die Tests leer oder mit alles falschen Antworten abgegeben. Ich habe danach zwar noch eine Lehrstelle gefunden aber halt nichts "grosses" (was aber nicht heissen soll, dass es schlecht ist). Dass ich mich so angestellt habe bereue ich heute sehr. An alle Jungen: Macht was aus euren Möglichkeiten, sonst werdet ihr es (meistens) bereuen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Arroganzia am 22.11.2012 15:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlauer als der Rest

    War auch immer "schlauer als der Rest" und hab mich für die Intelligenz entschieden. Denn nur wer sich gegen Mobberei stellt und sich nicht unterkriegen lässt gewinnt. Na und? War ich halt unbeliebt, Aussenseiterin usw. Während jedoch ehemalige beliebte Schüler heute in der Migros die Regale befüllen sitze ich in der Uni und verdiene bald mal gut das dreifache :P an alle Peiniger: wartet nur alles wendet sich noch. Schlimm nur dass ich sogar von den lehrern mit schlechten Betragensnormen bestraft wurde, weil ich mich nicht "integrieren" würde.. Klar ich mache auf freunde und werde geprügelt?!

    • Baspi am 22.11.2012 23:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      sowas

      kenn' ich auch... :-(

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  • Marco Oberli am 22.11.2012 09:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übertrieben

    Man hört das immer so, ich erlebe es ganz anders. In Primarschule, sowie Sek A habe ich immer zu den besten gehört. Jetzt im KV bin ich Klassenbester und hab fast nie Noten unter 5.5. Deswegen wurde ch noch nie "gemobbt", eher benieden oder bewundert. Das ist ja auch klar... Ich glaube wenn jemand gemobbt wird, braucht es schon mehr, als nur gute Noten. Meiner Erfahrung mach finden es immer alle toll, wenn man gute Noten macht.

  • montcervin am 22.11.2012 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    möglichkeit

    mhh ich bin jetzt 18 und mache die matura. ich habe mich eigentlich nie dümmer gestellt. ich wurde am anfang gemobbt bis ich, einem bully den hinter gerettet habe. habe ihm nachhilfe gegeben. ab da war ich unter seinem schutz. abr das geht halt nicht immer.

  • Laura am 22.11.2012 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt

    Ich bin Mutter von 2 Kindern (13, 15) und manchmal merke ich wie sie sich erst zu Hause richtig freuen können wenn sie eine gute Note machen. Deshalb denke ich dass das Denken Jugendlicher noch extremer ist als bei denjenigen Kindern in der Primarschule.

  • Horst B. am 22.11.2012 05:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schule - wahres Leben?

    Für das Leben lernt man, heisst es. In der Schule gelten saufende, und kiffende Faulenzer als "cool" und Streber d.h. Schüler, die sich normal am Unterricht beteiligen, als "uncool". Bei der späteren Job-Suche kann nicht auf eine Kiffervergangenheit gebaut werden. Spannend auch, dass es durchaus Schülergruppen gibt, die einen grossen Ehrgeiz entwickeln, weil sie wissen, woher sie kommen und dass sie sich verbessern wollen und das mit einer guten Ausbildung möglich ist. Vielen Schüler, gerade in der Schweiz, geht es einfach zu gut - verwöhnt, faul und doch überheblich.