Urzeitliche Spuren

05. Dezember 2012 23:43; Akt: 05.12.2012 23:43 Print

Magmakanäle in der Mondkruste entdeckt

Auf dem jungen Mond sind während einer Phase der Ausdehung riesige Kanäle entstanden. Mit Magma gefüllt sind sie deutlich dichter als der Reste der erstaunlich porösen Mondkruste.

Überblick über die «Grail-Mission» der Nasa. (Video: YouTube/VideoFromSpace)
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(Video: YouTube/VideoFromSpace)

Seit dem Frühjahr hat die US-Raumfahrtbehörde Nasa die Schwerkraft des Mondes mit den «Grail»-Zwillingssonden untersucht. Dabei stiessen die Forscher auf unterirdische Kanäle voller erstarrter Magma. Die insgesamt mindestens 5300 Kilometer langen erstarrten Einschlüsse seien vermutlich entstanden, als der junge Mond sich ausgedehnt habe, schreiben Forscher um Jeffrey Andrews-Hanna von Colorados Hochschule für Bergbau in Golden (USA) im Fachblatt «Science».

Die unterirdischen Kanäle machten sich in den Messdaten durch ihre grössere Schwerkraft bemerkbar. Die «Grail«-Doppelsonden vermessen seit vergangenem Jahr detailliert die Gravitation des Erdtrabanten.

Entwicklung des jungen Mondes

Die mindestens 22 schnurgeraden Kanäle voll erstarrter Magma haben eine grössere Dichte als der umliegende Mondboden und sorgen damit für eine lokal höhere Schwerkraft. Vermutlich seien die Einschlüsse über vier Milliarden Jahre alt und erlaubten erstmals einen Blick in diese frühe Phase der Mondentwicklung, erläutern die Forscher.

Die kilometertiefen Formationen seien der erste Beleg für die Theorie, dass der Radius des jungen Mondes sich zunächst thermisch ausgedehnt habe, bevor er sich später moderat zusammenzog. Die Spuren der Entwicklung des jungen Mondes wurden von ungezählten kosmischen Einschlägen von der Oberfläche gewischt, daher war diese Phase bislang der Beobachtung nicht zugänglich.

Mondkruste löchriger als gedacht

Die Mondkruste selbst ist deutlich weniger massiv als gedacht, wie die «Grail«-Daten ebenfalls zeigen. Die obere Mondkruste wiegt demnach rund 2,5 Tonnen pro Kubikmeter, das sind 300 bis 400 Kilogramm weniger als angenommen.

Vermutlich ist die Kruste des Erdtrabanten mit insgesamt zwölf Prozent Porenanteil poröser als gedacht, schreiben Forscher um Mark Wieczorek von der Pariser Sorbonne in derselben «Science»-Ausgabe. Den Messungen zufolge ist die Mondkruste 34 bis 43 Kilometer dick. Das entspricht in etwa der Dicke der kontinentalen Erdkruste.

«Grail» (Gravity Recovery and Interior Laboratory) besteht aus zwei Sonden, die seit 2012 den Mond umkreisen. Die Zwillingssonden messen Schwankungen im Abstand zwischen ihnen, die durch die leicht unterschiedliche Schwerkraft der überflogenen Mondregionen ausgelöst werden.

Auf diese Weise lassen sich unterschiedliche Oberflächenmerkmale wie zum Beispiele Krater oder Berge ebenso sichtbar machen wie Masse-Schwankungen unterhalb der Mondoberfläche.

(sda)