Neues Verfahren

24. Januar 2013 10:12; Akt: 24.01.2013 15:15 Print

Mehr Bakterien im Trinkwasser messbar

Die Zellenzahl im Trinkwasser ist höher als bisher angenommen. Das zeigt ein neues Verfahren, das schnellere und exaktere Messungen ermöglicht. Beim Bund gilt die Methode als Meilenstein.

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Schneller und exakter: Ein neu ins Schweizerische Lebensmittelbuch aufgenommenes Messverfahren (siehe Box) kann die Qualität des Trinkwassers ab sofort genauer messen. Die neue Methode zeigt, dass auch in einwandfreiem Trinkwasser zwischen 100 und 10'000 mal mehr Zellen leben, als bisher angenommen.

Von der höheren Anzahl Bakterien lässt sich aber nicht auf mögliche Krankheitserreger schliessen. «Die Qualität des Schweizer Trinkwassers ist ausgezeichnet», sagt Stefan Köztsch vom eidgenössischen Wasserforschungsinstitut Eawag. «Die neue Methode ist jedoch eine Möglichkeit, Verunreinigungen früher aufzudecken als bisher.»

Das neue DFZ-Verfahren kann plötzliche Veränderungen im Wasser exakter und schneller erfassen. Diese können beispielsweise auf Schäden, falsche Anschlüsse im Leitungsnetz oder Störungen in der Wasseraufbereitung hinweisen. «So wird die Qualität sichergestellt, lange bevor das Wasser beim Endverbraucher ist», sagt Kötzsch.

«Online»-Kontrolle ist in Planung

Seit 100 Jahren wird die mikrobiologische Qualität des Trinkwassers mit derselben Methode gemessen. Man gibt Proben auf einen festen Nährboden und zählt nach einer gewissen Zeit die gebildeten Bakterien-Kolonien. Die Nachteile: zum einen dauert die Kultivierung drei bis zehn Tage, zum anderen werden nur Bruchteile der tatsächlich in einer Probe lebenden Keime erfasst.

«Die Mikrobiologie ist sehr konservativ», sagt Kötzsch. «An den alteingesessenen Parametern wurde jahrelang nicht gerüttelt - jetzt endlich ist der Meilenstein gelungen.» Bereits arbeiten einzelne kantonale Labore und Wasserkontrollstellen mit dem neuen Verfahren. «Die Kontrollen waren schon immer streng. Doch deswegen muss man sich ja nicht auf alten Methoden ausruhen», so Kötzsch.

Die Schweiz ist das erste Land weltweit, das diese fortschrittliche Methode zur Quantifizierung von Mikrobenzellen in Wasser einführt. Bereits wird an einer automatisierten Version des Verfahrens gearbeitet, die eine «online» Kontrolle der Bakterienzahlen erlaubt. «In zwei bis drei Jahren wird man nicht nur punktuell die Qualität messen, sondern ganze Prozesse mitverfolgen können», sagt Kötzsch.

(dwi/sda)