Kriminalität

07. Dezember 2012 11:58; Akt: 07.12.2012 12:24 Print

Mit neuster Technik auf Verbrecherjagd

von Corinne Hodel - Ob es das perfekte Verbrechen tatsächlich gibt, darüber scheiden sich die Geister. Sicher ist jedoch, dass Täter immer raffinierter werden. Doch auch Fahnder, Forscher und Forensiker entwickeln immer bessere Methoden.

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Den Spürnasen entgeht nichts. (Bild: Prisma)

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Zum Verbrecher geboren?

Damit sie am Tatort keine Fingerabdrücke hinterlassen, tragen schlaue Verbrecher Handschuhe. Doch einige Menschen bräuchten nicht zu diesem Trick zu greifen. Aufgrund einer Erbkrankheit ist die Haut an ihren Fingerkuppen von Geburt an nicht gerillt, sondern glatt. Diese so genannte Adermatoglyphie ist sehr selten und kann durch ein defektes Gen vererbt werden. Das entdeckten Forscher der Uni Basel bei erkrankten Mitgliedern einer Schweizer Familie.

Doch auch bestimmte Krebsmedikamente können die Fingerrillen vorübergehend zum Verschwinden bringen – infolge einer Nebenwirkung, die die Haut an den Händen stark abschält. Was für kriminelle Absichten von Vorteil sein mag, kann bei Reisen zu Problemen führen: Ohne den obligatorischen Fingerabdruck ist für Betroffene die Einreise in gewisse Länder schwierig.
(ho)


Die Wahrheit steckt im Haar

Haare verraten über den Drogenkonsum ihres Besitzers unter Umständen mehr, als diesem lieb ist. Denn Haare lügen nicht.

Es tut nicht weh. Unangenehm dürfte es aber trotzdem sein, wenn einem im Namen des Gesetzes ein Haarbüschel abgeschnitten wird – mit dem Ziel, Drogen nachzuweisen.

Solche Haarproben werden am Zentrum für Forensische Haaranalytik der Uni Zürich gewaschen, klein geschnitten und pulverisiert. Anschliessend können allenfalls darin enthaltene Substanzen wie Alkohol, Kokain oder Ecstasy herausgelöst und analysiert werden. Im Gegensatz zu Urin oder Blut sind die Spuren im Haar noch bis zu einem halben Jahr nach dem Konsum nachweisbar.

Das gute Gedächtnis der Haare kommt zum Beispiel dann zum Zug, wenn das Opfer einer Vergewaltigung erst Wochen später in der Lage ist, sich bei der Polizei zu melden – und sich nicht an die Tat erinnert. «Bis dann sind mögliche Rückstände von K.-o.-Tropfen im Blut schon längst abgebaut», sagt die Wissenschaftlerin Tina Binz.

Mithilfe der Haar-Analysen kann die Gutachterin nicht nur Monate zurückblicken, ihre Resultate sind auch äusserst präzise. «Wir können zum Beispiel auch genau sagen, woher eine opiathaltige Probe kommt», sagt Binz. «Ob von einem Medikament oder vom Konsum von Strassenheroin.»

Und Glatzköpfe sollten sich nicht in falscher Sicherheit wiegen: Auch Körperhaare eignen sich zur Analyse.


Kahlrasur umsonst: Auch Körperhaare sind verräterisch. (Bild: colourbox)


Roboter nimmt Leichen unter die Lupe

Ein weltweit einzigartiger Roboter steht im Institut für Rechtsmedizin der Uni Zürich. Er hilft bei der Untersuchung von Leichen. Zum Beispiel, wenn Gewebe oder Körperflüssigkeiten entnommen werden müssen.

Der Roboter findet die richtige Stelle für die Probeentnahme anhand von computertomografischen Bildern des Körperinneren und platziert die Nadel punktgenau. Dann kann der Rechtsmediziner die Probe entnehmen. Der Roboter scannt auch die Haut der Leiche mit einem speziellen Scanner, um äussere Verletzungen zu dokumentieren (siehe Infografik). Diese digitale Kopie des Körpers ist auch Jahre später noch zugänglich – während die Leiche längst auf dem Friedhof ruht.


(Bilder: Virtopsy)


Im Wettlauf mit den Drogendesignern

Ständig kommen neue Drogen in Umlauf. Welche Substanzen sie enthalten, ist oft unbekannt. Ein Problem für Drogenlabors, denn mit den üblichen Methoden lässt sich nur nachweisen, was bekannt ist. Daher entwickelt das Institut für Rechtsmedizin der Uni Zürich laufend neue Analyseverfahren. «Es ist ein Wettlauf mit der Zeit», sagt die Pharmakologin Andrea Schwaninger. «Drogen, die heute in sind, können in zwei Monaten schon wieder out sein.»


(Bild: Edd Westmacott / Retna UK)