Kreatives Hirndoping

07. September 2014 16:31; Akt: 07.09.2014 16:31 Print

Musizieren macht Kinder klug

von J. Rogers, AP - Wer in jungen Jahren lernt, ein Instrument zu spielen, bringt später bessere Leistungen. Denn das Musizieren scheint die kognitiven Fähigkeiten von Schülern zu verbessern.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Gründerin einer US-Organisation, die Kindern aus Problemvierteln kostenlosen Musikunterricht bietet, stellte vor einigen Jahren etwas Ermutigendes fest: Die meisten Zöglinge ihres Harmony Projects besuchten später eine Universität. Margaret Martin fragte sich, wie ihre Schüler dies trotz ihres widrigen Umfelds erreichten.

Von den Teilnehmern des Projekts machten 90 Prozent den Schulabschluss, während andere Jugendliche aus denselben Vierteln dies zu 50 Prozent oder mehr nicht schafften. Das zeigte eine Studie mit 44 Kindern in dem Programm. Grund: Der Unterricht löst Veränderungen im Gehirn aus, die es ihnen erleichtern, Töne zu verarbeiten, schreiben die Forscher der Northwestern University in Illinois im «Journal of Neuroscience».

Ähnlich wie beim Sport

Diese verbesserte Klangverarbeitung stehe in direkter Verbindung zu besseren Leistungen etwa beim Lesen oder Sprechen. Doch es gibt einen Haken: Damit der Effekt eintritt, muss ein Instrument gelernt werden. Einfach die Musik vom iPod lauter zu drehen, reicht nicht.

Studienleiterin Nina Kraus vergleicht den Unterschied mit dem Muskelaufbau beim Sport: «Man wird körperlich nicht fitter, indem man beim Sport nur zuschaut.» Studien wie die vorliegende seien schwierig, weil die Probanden über mehrere Jahre hinweg beobachtet werden müssten, um Veränderungen im Gehirn auf die Spur zu kommen, erklärt Kraus. Weitere Studien im ganzen Land seien nötig, um herauszufinden, welche Lernmethoden am effektivsten sind, und wie das Lernen auf einzelne Kinder zugeschnitten werden könnte.

Die Studie scheint Kritiker zu bestätigen, die beklagen, dass der Musikunterricht häufig als erstes Schulfach Sparmassnahmen zum Opfer fällt. «Wir haben immer wieder erfahren, dass Kinder ein reichhaltiges, sinnesübergreifendes Umfeld brauchen. Musik zu erlernen, bietet ihnen all das sozusagen in einem Paket», sagt Mary Luehrsen von der Stiftung der Nationalen Vereinigung der Musikhändler, die Stipendien für Musikstudien vergibt. Die Studienergebnisse zeigten, dass Musik Bestandteil der Lehrpläne sein sollte.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.