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Gefährliche Innovation
15. November 2012 12:29; Akt: 15.11.2012 12:29 Print
Nanoteilchen schädlicher als bisher bekannt
Nanomaterialien finden sich wegen ihrer einzigartigen Eigenschaften in immer mehr Produkten. Doch sie bergen Gefahren: Eine Untersuchung von Wasserflöhen zeigt, dass Nanoteilchen die Nachkommen schwächen.

Das bislang eher als unbedenklich geltende Titandioxid wirkt sich deutlich auf die Nachkommen von behandelten Wasserflöhen aus. (Bild: Andre Dabrunz)
Die Schädlichkeit von Nanopartikeln auf kleine Wasserorganismen ist bisher verkannt worden, da bei standardisierten Test jeweils nur eine Generation von Wasserflöhen (Daphnia magna) beobachtet wurde. Eine Studie von Koblenzer Forschern hat nun die Auswirkungen auf die nachfolgende Generation untersucht. Als sie die Kleinkrebse erhöhten Konzentrationen von Titandioxid-Nanoteilchen aussetzten, zeigten sich bei deren Nachkommen deutliche Folgen: Ihre Schwimmfähigkeit war beeinträchtigt.
Unzureichende TestsDie Giftigkeit von Stoffen für die aquatische Umwelt wird meist anhand von Standard-Tests unter anderem an Wasserflöhen geprüft. Diese besitzen eine wichtige Bedeutung in der Nahrungskette von Seen und Teichen, sind einfach zu züchten und reagieren empfindlich auf Schadstoffe. Deren Auswirkungen lassen sich einfach und schnell über die Bewegungsfähigkeit der Wasserflöhe feststellen.
Dazu gibt es von der OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) genormte Handlungsanweisungen, um vergleichbare Werte zu ermitteln. Sie beschränken sich jedoch auf eine Generation und berücksichtigen nicht deren Nachkommen.
Obwohl über ihre Wirkung auf Mensch und Umwelt wenig bekannt ist, müssen Produkte mit Nanopartikeln nicht gekennzeichnet werden.
Diese Beobachtung sei vor allem deshalb bemerkenswert, weil bei den Eltern, die den Nanopartikeln ausgesetzt waren, keine direkten Wirkungen nachzuweisen waren, berichten Mirco Bundschuh und seine Kollegen von der Universität Koblenz-Landau im Fachmagazin «PloS ONE».
Die Elternkrebse seien in diesen Tests Konzentrationen von Nanoteilchen ausgesetzt worden, die nur um das 20-Fache über dem lagen, was nach neueren Studien bereits in Gewässern nachzuweisen ist.
Nanopartikel gelangen dauerhaft in die Umwelt
Nanopartikel sind Metalle oder Metallverbindungen, deren Teilchen nur 1 bis 100 Nanometer klein sind - sie sind damit rund tausend Mal dünner als ein Menschenhaar. Ihre geringe Grösse verleiht ihnen besondere Eigenschaften. Nanopartikel werden in Elektronik, Chemie, Medizin oder Kosmetik bereits in grossem Massstab eingesetzt. Zum Beispiel enthalten Sonnencremes, Deodorants, Zahnpasten oder Salatdressings zur Aufhellung Nanoteilchen aus Titandioxid. Auch auf Kleidern finden sich zum Teil Nanostrukturen, die schmutzabweisend wirken.
«Die Studie untermauert, dass Nanomaterialien aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften überraschende Wirkungen hervorrufen können», sagt Studienleiter Ralf Schulz. In klassischen Chemikalientests - die oft mit Wasserflöhen durchgeführt werden - wird nur die direkte Reaktion der Tiere überprüft, nicht aber die der nächsten Generation.
«Daher reichen klassische Untersuchungen und Risikobewertungen nicht aus», sagt der Forscher. Die Zulassungsbehörden müssten sich zügig für eine Weiterentwicklung und Einführung angepasster Tests einsetzen, um auch langfristige Risiken zuverlässiger bewerten zu können. Denn Nanopartikel gelangten schliesslich dauerhaft in die Umwelt.
(sda)

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