Zürcher Forschung

17. Juli 2013 12:29; Akt: 17.07.2013 12:29 Print

Neues Gerät erkennt Hautkrebs innert Minuten

Mithilfe einer Infrarotkamera kann ein an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften entwickeltes Gerät Hautkrebs diagnostizieren – ohne direkten Kontakt mit der Haut.

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Die Lock-in-Thermographie registriert geringste Temperaturschwankungen auf der Haut und erkennt so krankes Gewebe. (Bild: ZHAW)

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Ein von Zürcher Forschenden und Studierenden entwickeltes Verfahren könnte künftig die Zahl chirurgischer Eingriffe wegen Hautkrebs stark reduzieren. Bisher wurden Diagnosen von blossem Auge erstellt. Entsprechend hoch war die Ungenauigkeit der Analysen. Das neue Gerät nutzt dagegen eine Infrarotkamera zur Inspektion der Haut. Erste Tests haben ergeben, dass die Diagnosen dadurch deutlich genauer wurden.

Gesunde Haut und bösartige Veränderungen unterscheiden sich durch Temperaturschwankungen und ihren Stoffwechsel. Diese Unterschiede kann das neue Verfahren, das ein Team um Mathias Bonmarin vom Institute of Computational Physics der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) entwickelt hat, innert weniger Minuten messen und bildhaft darstellen.

Das Verfahren nennt sich Lock-in-Thermographie. «Es ist ein berührungsloses Prüfverfahren, das mittels gezielter Temperaturschwankungen und einer hochsensiblen Infrarotkamera Heterogenitäten in Oberflächen bildhaft darstellt», erklärt Bonmarin.

Vielversprechende Tests

Eine ähnliche Methode wird in der Industrie bereits zum Aufspüren von feinsten Rissen in Materialien verwendet. «Diese Methode hat sich beispielsweise in der Qualitätssicherung von Flugzeugbauteilen bewährt», so Bonmarin weiter. Das Diagnosesystem werde nun am Unispital Genf (HUG) während zwei Jahren in klinischen Studien eingesetzt. Erste Testmessungen an Patienten seien vielversprechend verlaufen, schreibt die ZHAW. Die Genfer Kantonale Krebsliga unterstützt das Projekt finanziell.

Mit mehr als 15’000 neuen Fällen pro Jahr ist Hautkrebs die am häufigsten auftretende Krebsart in der Schweiz. Eine Früherkennung erhöht Heilungschancen und Lebenserwartung erheblich. Bisher stellen die Ärzte die Diagnose subjektiv von Auge. Häufig würden deshalb potenziell bösartige Veränderungen ohne eindeutige Diagnose grossflächig chirurgisch entfernt, schreibt die ZHAW.

(jcg/sda)