Umstrittene Substanzen

20. Juni 2017 12:11; Akt: 20.06.2017 12:11 Print

Pestizide mit gefährlichen Nebenwirkungen

Wasserversorger warnen, dass sich immer mehr Pestizide im Grundwasser anreichern. Doch weshalb sind Pestizide überhaupt gefährlich?

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In der Schweiz verwenden die Bauern laut dem Bundesamt für Landwirtschaft jährlich 2200 Tonnen Pestizide, um ihre Ernten vor Schädlingen und Krankheiten zu schützen. Je nachdem, gegen welche Schadorganismen sie wirken sollen, werden die Pflanzenschutzmittel anders bezeichnet: So wirken Herbizide gegen Unkraut, Fungizide gegen Pilzbefall, Insektizide und Akarizide gegen Insekten, Spinnen und Milben, Rodentizide gegen Nagetiere. Viele Pflanzenschutzmittel wirken aber nicht nur gegen ihre direkten Ziele, sie treffen auch andere Organismen, belasten Böden und Gewässer und finden sich schliesslich als Rückstände in unseren Lebensmitteln wieder.

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In der Schweiz sind hunderte verschiedene Wirkstoffe als Pflanzenschutzmittel vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) zugelassen worden. In der EU ergibt sich ein ähnliches Bild. Laut BLW werden Pflanzenschutzmittel erst zugelassen, «wenn sichergestellt ist, dass sie bei vorschriftgemässem Umgang keine unannehmbaren Nebenwirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt haben». Doch trotz dieses Bewilligungsverfahrens stellen viele Wirkstoffe eine Gefahr für Mensch und Tier dar, wie Umweltschutzorganisationen betonen.

Krebsgefahr

Das in der Öffentlichkeit zurzeit bekannteste Pflanzenschutzmittel ist das Herbizid Glyphosat. Das meistverkaufte Pestizid der Welt steht im Verdacht, für Menschen krebserregend zu sein. Zudem soll es erbgutschädigend sein. Das haben mehrere Studien nahegelegt. Allerdings wurde es 2016 von der WHO als für Menschen nicht schädlich eingestuft. In den Schlagzeilen ist der Wirkstoff, weil die EU plant, die Zulassung um zehn Jahre zu verlängern.

Die Umweltschützer prangern auch Pestizide an, die hormonell wirken, sogenannte endrokrine Disruptoren. Stören sie das hormonelle Gleichgewicht, können verschiedene Krankheiten auftreten, darunter Tumore in hormonabhängigem Geweben, Störungen des Stoffwechsels, Reproduktionsstörungen und neurologische Störungen.

Als endokrine Disruptoren gelten unter anderem die Pyrethroide, Wirkstoffe, die in vielen Insektenschutzmitteln zu finden sind. Auch das Herbizid 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure steht im Verdacht, auf den Hormonhaushalt einzuwirken. Den grössten Teil der hormonell wirksamen Pestizide nimmt der Mensch über die Nahrung auf. Verschiedene in Europa zunehmende Krankheiten wie Brust- und Prostatakrebs, Diabetes, Unfruchtbarkeit oder psychische Erkrankungen werden mit endokrinen Disruptoren in Verbindung gebracht. Pyrethroide sind zudem sehr giftig für Wasserorganismen wie Kleinkrebse und Fische.

Insektensterben

Als besonders verhängnisvoll haben sich auch die Neonicotinoide, eine Gruppe von hochwirksamen Insektiziden, erwiesen. Sie stehen in einem direkten Zusammenhang mit dem Bienen- und Hummelnsterben der letzten Jahre. Dennoch sind in der Schweiz und der EU dutzende Produkte mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Neonicotinoide zugelassen. Einzig Frankreich hat bisher ein Verbot beschlossen, das 2018 in Kraft treten soll.

Die hochgiftigen Neonicotinoide könnten auch dafür verantwortlich sein, dass in den letzten Jahren ein wahres Massensterben bei den Insekten stattfand. Eine Studie aus Nordrhein-Westfalen ergab, dass dort in den vergangenen 15 Jahren die Biomasse von Fluginsekten um 80 Prozent abgenommen hat. Das hat fatale Folgen für die Vogelwelt. Insektenfressern wie Mauerseglern und Schwalben wird so die Nahrungsgrundlage entzogen.

Auch andere Insektizide haben unerwünschte Nebenwirkungen. So führt das Insektizid Chlorpyrifos, ein Phosphorsäureester, zu neurologischen Störungen und kann die die Entstehung des ADHS-Syndroms begünstigen. In Deutschland ist der Wirkstoff verboten, in der Schweiz weiterhin auf dem Markt.

Greenpeace führt eine schwarze Liste der Pestizide. 2016 listete die Umweltorganisation darauf 209 ihrer Ansicht nach gefährliche Substanzen in Europa zugelassene Substanzen auf. Die oben erwähnten Wirkstoffe finden sich alle darauf wieder.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claudio am 20.06.2017 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    und wir bezahlens noch...

    Grossartig. Und die Landwirtschaftslobby belügt uns laufend indem sie behauptet, dass das absolut notwendig sei um möglichst grosse Mengen zu produzieren. Das ist total falsch. Es gibt Anbaumethoden die wesentlich umweltschonender sind bei gleichem Ertrag. Das BLW lässt sogar zu, dass Gifte, welche in Deutschland auf Böden mit Drainagen nicht ausgebracht werden dürfen in der CH einfach so versprüht werden. Es ist ihnen völlig egal wo das Gift nachher landet. Hierfür bezahlen wir MILLIARDEN an Subventionen an die Bauern und dank SVP bekommen wir keine Gegenleistung dafür.

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  • A.S. am 20.06.2017 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BIO

    Tja, hauptsache dienIndustrie verdient Geld, egal welchen Schaden die Bevölkerung davonträgt. Wenn alle Bio essen würden, hätte man das Problem wohl nicht.

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  • Ganjaman am 20.06.2017 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teuer

    Ohne Pestizit ist es teurer. Ich würde es trotzdem zahlen. (Bio)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hp am 20.06.2017 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur Bio ist nicht möglich

    Wenn jeder Bauer eine Bio Landwirtschaft betreiben würde, würden die Lebensmittelpreise stark steigen da die Bauern viel weniger Ertrag haben. Somit wären wir darauf angewiesen Lebensmittel die im Ausland produziert werden zu kaufen, im Ausland legt man aber nicht so einen grossen Wert auf schonenden Umgang mit Pestiziden und vorallem garnicht auf Tiergerechte Haltung. Zeigt gefälligst ein wenig Respekt gegenüber Schweizer Bauern!!!

  • Der_Beobachter am 20.06.2017 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Regel und nicht Ausnahme

    In CH Kantonen & Gemeinden die Regel. Typen laufen mit Unkrautvertilger Rucksack Spritzkanister rum. Meinen Sie tun was Gutes & Arbeit. Traurige Zeit - Wie Bauern 7x24h Gifte versprühen & düngen. Ländliche Kantone führend !

  • aw55 am 20.06.2017 16:57 Report Diesen Beitrag melden

    Pestizide

    Bio ist auch nicht das A+O, denn da wird auch gespritzt, nur wird das Ganze verschwiegen. Wen Pestizide gefährlich wären, hätten wir keine betagten Menschen. Ucg fubde es einfach absurd, dass man uns immer wieder mit droht. Es ist gar nichts erwiesen im Gegenteil die EU hat die Pestiziede als ungefährlich eingestuft.

  • Dr.Nestle am 20.06.2017 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Krebs

    Fahren sie mal mit dem Velo an einem Feld vorbei,wo gerade gespritzt wird.Da wird einem der Atem fast blockiert. Die meisten Giftspritzer sterben früher oder später an Krebs.

    • die Fliege am 20.06.2017 17:56 Report Diesen Beitrag melden

      Krebs... ?

      Woher haben Sie diese Information? Können Sie das belegen oder gar beweisen? Gibt es eine Studie darüber? Würde mich sehr interessieren. Danke

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  • Der Erkrankte am 20.06.2017 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ursache und Wirkung

    Vielen Menschen scheint noch gar nicht bewusst zu sein, wie verseucht unsere Nahrung bereits ist! Für mich absolut unverständlich, warum man diese Pestizide überhaupt einsetzt! Absolut verantwortungslos gegenüber Mitmenschen und Natur! Und dumm obendrauf auch!