Elefant und Mücke

28. November 2012 11:50; Akt: 28.11.2012 14:19 Print

Planeten beeinflussen die Sonnenaktivität

Die Vorhersage des Weltraumwetters wird immer wichtiger, denn Eruptionen auf der Sonne können die Technik auf der Erde stören. Schweizer Forscher haben nun einen Schritt hin zu einem Prognosemodell gemacht.

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Die landläufige Meinung, wonach die Sonne den Lauf der Planeten bestimmt, wird derzeit von Schweizer Forschern ergänzt mit der Erkenntnis, dass Planeten wohl auch die Sonne beeinflussen. Ihre Konstellation könnte für langfristige Zyklen erhöhter Sonnenaktivität verantwortlich sein.

Forscher des eidgenössischen Wasserforschungsinstituts eawag und der ETH Zürich haben zusammen mit Kollegen aus Spanien und Australien für die letzten 10'000 Jahre die Zyklen der Sonnenmagnetfelder aus Eisbohrkernen und fossilen Hölzern rekonstruiert und mit der Wirkung der Planeten verglichen, wie die eawag und die ETH Zürich am Mittwoch mitteilten.

Verblüffende Übereinstimmung

«Die Übereinstimmung ist verblüffend und lässt hoffen, dass die Vorhersage von Zeiten mit erhöhter Sonnenaktivität näherrückt», schreiben die Forschenden. Dies werde immer wichtiger, «weil unsere Gesellschaft immer stärker von Technik wie Stromnetzen, Kommunikations- und Navigationssatelliten abhängig ist, welche durch grosse solare Eruptionen lahmgelegt werden können».

Die Sonne vereinige mehr als 98 Prozent der Gesamtmasse unseres Sonnensystems auf sich und halte mit ihrem Gravitationsfeld die Planeten auf den Umlaufbahnen. Eine umgekehrte Wirkung der Planeten auf die Sonne sei bisher als vernachlässigbar betrachtet worden - «als Verhältnis zwischen einer Mücke und einem Elefanten». Aber es scheine, dass auch ein kleiner Mückenstich am richtigen Ort einen grossen Elefanten in Aufregung versetzen könne.

Das internationale Forscherteam zeigt nun, dass Ähnliches auch mit der riesigen Sonne geschehen könnte. Das Drehmoment der Planeten könnte die Ursache für die langfristigen Zyklen der Sonnenaktivität sein.

Die bereits bekannten Perioden von 88, 104, 150, 208 und 506 Jahren stimmen nach Feststellungen der Wissenschaftler während der letzten 10'000 Jahre genau mit den periodischen Änderungen des Drehmoments überein, das die Planeten auf eine dünne Schicht im Innern der Sonne ausüben.

Mit Mond-Einfluss auf Gezeiten vergleichbar

Auf diese Schicht, so vermuten die Forscher, wirkt sich das Drehmoment der Planeten ähnlich aus wie der Einfluss des Mondes auf die Gezeiten auf der Erde.

In ihrem Bericht, der in der Dezemberausgabe der Zeitschrift «Astronomy & Astrophysics» veröffentlicht werden soll, beschreiben die Hauptautoren José Abreu und Jürg Beer (beide eawag/ETHZ), weshalb sie so überzeugt sind vom Einfluss der Planeten auf die Sonne.

Sie haben die fünf deutlichsten Zyklen der Sonnenaktivität über die letzten 10'000 Jahre zurückverfolgt und gesehen, dass die Hochs und Tiefs auch dann exakt im gleichen Rhythmus wieder auftauchen, wenn sie zwischenzeitlich einmal schwach geworden oder für einige Zeit ganz verschwunden sind. «Es deutet alles auf einen externen Taktgeber hin», folgert Jürg Beer, «und dafür kommen eigentlich nur die Planeten infrage.»

Ein neues Bild der Sonne

Noch bezeichnen Abreu und Beer ihre Schlüsse vorsichtig als Hypothese. Doch sollten sich die Befunde ihres Teams bestätigen, wären sie von grosser Bedeutung, nicht nur im Zusammenhang mit den Auswirkungen auf empfindliche technische Einrichtungen auf der Erde.

Zum einen würden sie mithelfen, die Sonne besser zu verstehen und realistischere Modelle der Sonne zu konstruieren. Zum anderen könnten sie mithelfen, zuverlässigere Prognosen für das «Weltraumklima» oder gar das «Weltraumwetter» zu machen - was im Hinblick auf längere Weltraumreisen enorm wichtig wäre.

(sda)