Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Umweltschutz
16. April 2010 09:00; Akt: 16.04.2010 09:24 Print
Plastiksuppe im Atlantik
von Daniel Huber - Nun ist es auch im Atlantik soweit: Ein gigantischer Müllstrudel aus Plastikresten treibt im Meer — mit unabsehbaren Folgen für Natur und Mensch.

Fataler Müll: Kunststoff-Eimer mit einem Fisch, der sich darin verfangen hat (Bild: Keystone/AP/Marjolijn Dijkman, 5 Gyres)
Erst seit etwa 60 Jahren produzieren wir Menschen Plastik — und schon treibt eine unvorstellbare Müllmenge in den Weltmeeren umher. Kunststoffe, die hunderte Jahre überdauern können, obwohl sie als Wegwerfprodukte hergestellt werden, bilden allein im Pazifik einen gigantischen Müllstrudel von der Grösse Mitteleuropas, in dem 2008 geschätzte 100 Millionen Tonnen Plastik dümpelten: «The Great Pacific Garbage Patch».
Plastik-Müll an der Küste der Azoren (Bild: Keystone/AP/5 Gyres)
«5 Gyres»: Die fünf globalen zirkulierenden Driftströme.
«Junk» und «Plastiki»
Um medienwirksam auf die Problematik des Plastikmülls hinzuweisen, hat Marcus Eriksen zusammen im Sommer 2008 mit einem Partner eine spektakuläre Reise von Kalifornien nach Hawaii unternommen: auf einem Boot aus Plastikflaschen, «Junk» (Abfall) genannt.
Im März dieses Jahres ist das Nachfolgeprojekt «Plastiki», das aus
Video: The Plastiki Expedition
PCB
Polychlorierte Biphenyle sind giftige und krebsauslösende chemische Chlorverbindungen, die bis in die 1980er-Jahre unter anderem als Weichmacher in Kunststoffen verwendet wurden. Sie sind seit 2001 weltweit verboten.
BPA
Bisphenol A ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Diphenylmethan-Derivate und dient vor allem als Ausgangsstoff zur Synthese von polymeren Kunststoffen. Beim Zerfall können diese das BPA wieder freisetzen. BPA entfaltet eine estrogenartige Wirkung und stört nicht nur die Sexualentwicklung, sondern auch die Gehirnentwicklung bei Mäusen und Vögeln. BPA steht zudem im Verdacht, auch beim Menschen gesundheits- und erbgutschädigend zu sein.
Phthalate
Phthalsäureester werden industriell in grossen Mengen erzeugt und vor allem als Weichmacher für Kunststoffe wie PVC verwendet. Sie sind gesundheitlich problematisch, da sie im Verdacht stehen, wie Hormone zu wirken und z.B. bei Mänenrn Unfruchtbarkeit, Übergewicht und Diabetes hervorzurufen. Ihre Toxizität potenziert sich zudem im Gemisch mit anderen Substanzen.
Quelle: Wikipedia.org)
Und die Plastiksuppe schwappt nicht nur im Pazifik: Meeresforscher warnen vor einem zweiten gewaltigen Müllstrudel, diesmal im Atlantik. In der Sargassosee im westlichen Atlantik erstreckt sich ein Müllteppich von mehreren tausend Quadratkilometern, der zum Teil aus Konfetti-artigen Plastikresten besteht.
Zahnbürsten und Feuerzeuge
«Wir haben den ‹Great Atlantic Garbage Patch› gefunden», sagt Anna Cummins gemäss der Nachrichtenagentur AP. Die Umweltaktivistin vom «5-Gyres»-Projekt und ihr Gatte Marcus Eriksen nahmen im Februar dieses Jahres auf einer Segelreise von den Bermudas zu den Azoren alle 160 Kilometer eine Probe aus dem Atlantik. Jedesmal war der Behälter voll: Zahnbürsten, Flaschendeckel, Feuerzeuge.
«Unsere Aufgabe ist jetzt, die Leute darauf hinzuweisen, dass die Meeresveschmutzung mit Plastik ein globales Problem darstellt — es ist leider nicht auf einen einzigen Fleck beschränkt», so Cummins. In der Tat: Gemäss einer Studie des Umweltprogramms der UNO (UNEP) enthält heute jeder Quadratkilometer Meeresfläche bis zu
Toxische Stoffe
Dies bedeutet allerdings keinesfalls, dass der Dreck dadurch weniger schädlich für Fische und Meeressäuger wird. Die Partikel enthalten zum einen selber giftige chemische Stoffe wie PCB, BPA oder Phthalate (siehe Infobox) und binden zum andern weitere Toxine aus dem Meerwasser an sich. Über die Nahrungskette akkumulieren sie sich und gefährden an deren Ende letztlich den Menschen. Die Forscher haben auf ihrer Reise durch den «Great Atlantic Garbage Patch» denn auch Fische gefangen, um deren Mageninhalt auf Plastikpartikel zu untersuchen.
Das Problem kann letzten Endes nur dadurch realistisch angegangen werden, dass der Strom von immer neuem Plastikmüll, der sich vor allem über Flüsse (geschätzte 80 Prozent) und zu etwa einem Fünftel über die Kehrichtentsorgung der Schiffahrt in die Weltmeere ergiesst, entschieden ausgetrocknet wird. Dies jedoch dürfte wohl nur möglich sein, wenn wir uns zunehmend dem ungesunden Widerspruch unserer Wegwerfkultur bewusst werden, der darin liegt, biologisch nicht abbaubare Materialien für Wegwerfprodukte zu verwenden.
Stellen Sie Ihre Meinung zum Thema ins TalkBack!
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
-
Alle 88 Kommentare




























Auffischen
Wie kommt man von einem solchen Beitrag dazu etwas aus der Bibel zu zitieren, Herr Küch?
Arbeitsplätze schaffen durch Verzicht...
auf Kunstoffe im Haushalt. Auf Kunststoffe im Haushalt zu verzichten bedeutet zum Beispiel wieder Keramik und Holz vermehrt zu nützen. Denke Sie an Ihre Kinder. Das Baby das aus einem Kunstoffschoppen PCB etc. in sich aufnimmt. Nebst dem Nebeneffekt, dass man massiv Oil (als einen der wertvollsten Rohstoffe unserer Gesellschaft) einsparen kann, kurbelt man das traditionelle und nachhaltig wirkende Handwerk an. Damit entstehen nicht nur Arbeitsplätze, man investiert auch in natürliche und umweltverträgliche Rohstoffe die dem Recycling wieder und wieder zugeführt werden können.
Was sagt die Bibel dazu?
Das Land ist entheiligt von seinen Einwohnern; denn sie übertreten das Gesetz und ändern die Gebote und lassen fahren den ewigen Bund. 6Darum frißt der Fluch das Land; denn sie verschulden's, die darin wohnen. Darum verdorren die Einwohner des Landes, also daß wenig Leute übrigbleiben Die Erde wird taumelm wie ein Trunkener und wird hin und her geworfen wie ein Hängebett; denn ihre Missetat drückt sie, daß sie fallen muß und kann nicht stehenbleiben