Auch im Erwachsenenalter

24. November 2012 09:29; Akt: 24.11.2012 09:29 Print

Ritalin kann Kriminelle zähmen

Menschen mit ADHS begehen häufiger eine Straftat als andere - das ist bereits bekannt. Jetzt hat sich gezeigt, dass Betroffene bei Einnahme von Ritalin deutlich seltener kriminell werden.

storybild

Auch bei erwachsenen ADHS-Betroffenen könnte eine medikamentöse Behandlung nützen. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Eine Behandlung mit Medikamenten wie Ritalin kann Erwachsene mit einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) davor bewahren, eine Straftat zu begehen. Die Ergebnisse einer schwedische Studie legen nahe, dass Personen mit ADHS über das Kinder- und Jugendlichenalter hinaus von einer Medikamentierung profitieren könnten.

Für die in der aktuellen Ausgabe des Fachblattes «New England Journal of Medicine» veröffentlichte Untersuchung werteten Wissenschaftler um Paul Lichtenstein vom Karolinska-Institut in Stockholm die Daten von rund 16'000 Männern und 10'000 Frauen im Alter von 15 Jahren und älter aus, bei denen ADHS diagnostiziert worden war. Aus den Unterlagen ging hervor, ob ihnen Medikamente gegen Hyperaktivität verschrieben worden waren oder nicht. Hinzugezogen wurden Gerichts- und Gefängnisakten der Jahre 2006 bis 2009; bei Straffälligen wurde geprüft, ob sie zum Zeitpunkt der Straftat medikamentiert worden waren.

Ergebnis: Rund 37 Prozent der Männer (Frauen: 15 Prozent) mit ADHS waren in dem Vierjahreszeitraum mindestens einmal straffällig geworden, in der ADHS-freien Kontrollgruppe waren es neun Prozent (Frauen: zwei Prozent). Erhielten die Personen mit ADHS Medikamente, verringerte sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie straffällig wurden, bei Männern um 32 Prozent und bei Frauen um 41 Prozent.

Vor allem Einbruchs- und Diebstahlsdelikte

Bei den Straftaten handelte es sich überwiegend um Einbruchs- und Diebstahlsdelikte. Er sei überrascht, wie sehr sich die Medikamentierung ausgewirkt habe, sagte William Cooper von der Vanderbilt-Universität in Nashville, der zu ADHS geforscht hat, an der im «NEJM» veröffentlichten Untersuchung aber nicht beteiligt war.

Bisher sei ADHS wahrgenommen worden als eine Störung von Kindern und Jugendlichen, man sei davon ausgegangen, dass im höheren Alter Medikamente nicht mehr notwendig seien, sagte Cooper. «Wir fangen erst jetzt an zu verstehen, dass ADHS für viele Menschen ein Zustand ist, der wirklich das ganze Leben lang andauert.»

Verhalten äusserte sich Philip Asherson vom Institut für Psychiatrie am King's College in London. ADHS-Medikamente würden Betroffenen helfen, ihren Alltag besser zu organisieren und impulsives Verhalten besser in den Griff zu bekommen, sagte er. Ausserdem führe eine Medikamentierung dazu, dass Betroffene regelmässig in therapeutischer Behandlung seien. Nicht zwangsläufig seien es die Medikamente allein, die die Wahrscheinlichkeit straffälligen Handelns verringerten.

Aber auch er schlussfolgert aus der Studie, dass ADHS-Medikamente häufiger verschrieben werden sollten. «Die Studie bringt den Nachweis einer Beziehung zwischen ADHS und Kriminalität und dafür, dass Medikamentierung eine Auswirkung auf Strafanfälligkeit hat.»

(dapd)