Traumata

13. Mai 2016 08:29; Akt: 13.05.2016 08:29 Print

Schon ein gelegentlicher Klaps schadet Kindern

von Sandro Bucher - Schweizer Eltern ist es erlaubt, ihre Kinder zu schlagen. Doch bereits einige Ohrfeigen schaden, sagt eine US-Studie.

storybild

Wenn die Hand ausrutscht: Schon gelegentliche Schläge haben für die Kinder schlimme Folgen. (Bild: iStock/Monkey Business Images)

Zum Thema
Fehler gesehen?

In vielen Schweizer Familien werden Kinder geschlagen. So gab die Hälfte von rund 2700 Eltern letztes Jahr in einer 20-Minuten-Umfrage an, ihrem Kind schon Ohrfeigen oder «Füdlitätsch» gegeben zu haben, um es zur Vernunft zu bringen.

Umfrage
Hand aufs Herz, wie erziehen Sie Ihre Kinder?
29 %
51 %
20 %
Insgesamt 8008 Teilnehmer

Selbst wenn das möglicherweise kurzfristig funktioniert, schaden die Eltern ihren Kindern damit erheblich. Das haben US-Forschende nun herausgefunden. Dazu analysierten sie die Ergebnisse aus 50 Jahren Forschungsarbeit, für die über 160'000 Kinder untersucht wurden.

Strenge Erziehung

Das Resultat: Eltern, die ihre Kinder körperlich bestrafen, machen ihren Nachwuchs damit aggressiver und anfälliger für psychische Probleme. Zum Beispiel haben geschlagene Kinder ein geringeres Selbstbewusstsein und verhalten sich als Erwachsene asozialer.

Das ist logisch, sagt Remo Largo, Kinderarzt und Autor von Büchern zu Kindererziehung. «Durch die Schläge fühlen sich Kinder abgelehnt und werden traumatisiert.» Trotzdem hält er ein Verbot von Körperstrafen für sinnlos, da es manchen Eltern schwerfällt, sich daran zu halten: «Stattdessen braucht es mehr Angebote, in denen Eltern gewaltfreie Alternativen vermittelt werden, so etwa Kurse.»

Erziehungsmassnahmen dürfen durchaus streng sein, sagt Largo. So sollen Eltern ihrem Kind nicht nur mit Fernsehverbot oder Zimmerarrest drohen, sondern diese ohne Vorwarnung umsetzen: «So lernen Kinder ohne Gewalt, dass ihr Fehlverhalten direkte Konsequenzen hat.»

Mit dieser Haltung steht er nicht alleine da:
«Eltern, die ohrfeigen, sollen in Erziehungskurs»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mäxu am 13.05.2016 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Was kümmern uns die USA noch?

    Gibt es eigentlich auch US-Studien, die zeigen, welche Schäden die US-Eroberung auf dem ganzen Planeten anrichten - in Wirtschaft, Umweltvergiftung, Finanzen, menschliche Beziehungen usw.?

    einklappen einklappen
  • El Ray am 13.05.2016 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Gibt es einfache und schwierige Kinder?

    Und was macht das Elternteil wen sich das Kind beginnt aufzulehnen? Im Zimmer einsperren darf ich ja auch nicht. Wenn alle Erklärungsversuche scheitern und alles zureden nichts mehr bringt, wie soll dann ein Erwachsener verhindern das er vom Kind erzogen wird? Ich sehe da keine andere Lösung als auch mal einen Klaps zu geben. Bin zwar nicht Vater, denke aber das ich dies bei meinen Kindern so Handhaben würde, falls es die Situation erfordert. Natürlich ohne Entwürdigung des Menschen.

    einklappen einklappen
  • J.T am 13.05.2016 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Streng muss sein.

    Ich habe als kind, zwischen durch ein klatsch gekriegt. Aber geschadet hat es mir nicht. Bin selbst bewusst und sehr erfolgreich in meinen job. Ich habe jetzt selber 2 kinder , aber ich habe sie nie ein klatsch gegeben. Bin zwar ein strenge Erzieher, mit haus verbot, kein fernsehe, und so weiter. Für meine letzte Freundin war ich zu streng zu meine Kinder, aber ich bin mit liebe streng, und meine kinder zeigen ihre liebe zu mir, wie ich sie es auch zeigen, im Gegensatz zu mein ex Freundin, wo ihre Kinder um ihre Nase herum tanzt. Kein danke, oder bitte, null Respekt, einfach alles machen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fred F. am 15.05.2016 00:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ich will auch klatschen

    Alle die Gewalt befürworten, denen sollte man links und rechts eins "klatschen", bis sie einer anderen Meinung sind. So einfach könnte es sein. Wenns Kindern nicht schadet, dann schadet es Erwachsenen bestimmt auch nicht. Also, wer ist der Erste? Die Einstellung gegenüber Gewalt gegen Kinder würde sich sehr schnell ändern. Und schaden tuts ja nicht.

  • bmvm am 14.05.2016 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vielleicht habe ich keine Ahnung

    Gefuehle sind die treibende Kraft unserer Adaptation an die Umwelt. Unwohlgefuehle fuehren zu einer Vermeidung des ausloesenden Feedbacks, Wohlgefuehle zu einer Wiederholung. Beides kann gut oder schlecht sein, wie immer eine Frage des Ausmasses. Und genau hier liegt die Grenze, welche Erziehungsberechtigten nicht ueberschreiten sollten und fuer jedes Kind anders sein kann! Uebertriebene Unwohlsgefuehle foerdern eine wohltuende Gegenreaktion um das Ganze auszuhalten (z.B. spaeter zahl ich es dir heim). Ueberschreiten Sie egal mit welcher Methode auch immer diese Grenze nicht!

  • Andreas am 14.05.2016 22:03 Report Diesen Beitrag melden

    Füdlitätsch bewahrte vor Unfall

    Schläge in der Wut oder aus der Verzweiflung heraus finde ich schlecht. Jedoch gehört "Füdlitätsch" zu unserer Erziehung. In Gesprächen mit anderen Eltern haben wir schon festgestellt, dass denen, die Schläge eigentlich ablehnen, viel öfter die "Hand ausrutscht", als es bei uns zu "Tätsch" kommt. Einmal hatten wir ein Problem mit unserem 5-jährigen. Der ist immer wieder ohne zu schauen auf die Strasse gerannt. Wir haben mit ihm geredet, versucht ihn unter Kontrolle zu halten - es nützte alles nichts. Nach einer letzten Warung gab es halt "Tätsch" und das Problem war vom Tisch!

  • Karl der Kleinste am 14.05.2016 19:04 Report Diesen Beitrag melden

    Der Leitstaat USA

    Da kommen bei mir Erinnerungen hoch, wie Amokläufe und Trump als Präsidentenanwärter.

  • René von Rohr am 14.05.2016 14:58 Report Diesen Beitrag melden

    Antwort an Mäxu

    Eine total deplatzierte Antwort in diesem Zusammenhang. Ich hatte einen sehr strengen Vater und in den Träumen erlebe ich seine lieblose Erziehung nochmals, Stück für Stück. Mit anderen Worten, ich bin von meiner Kindheit traumatisiert. Einfach schrecklich!