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Forscher warnen
12. Dezember 2012 21:39; Akt: 13.12.2012 12:51 Print
Schweizer testen ihre Gene zuhauf im Ausland
von L. Hanselmann - Eine Viertelmillion Schweizer liess schon ihre Gene testen. Doch viele der Tests, die ausländische Firmen im Internet anbieten, sind unseriös. Nun schlagen Schweizer Mediziner Alarm.

Schweizerinnen und Schweizer lassen ihre Gene gerne im Ausland testen. (Bild: colourbox)
Bin ich depressiv oder schizophren? Habe ich ein Risiko für Krebs, Diabetes, Haarausfall oder Parkinson? Und: Wird mein Kind dumm? Die DNA zeigt alles – behaupten wenigstens die Anbieter von dubiosen Gentests im Internet.
Bildstrecken Studien, die die Welt nicht braucht Infografik KrebsTödliche Krankheit Aids Angst, Psychiatrie und SuizideUnseriöse Gentests sind gefährlich. So haben Internet-Anbieter schon Proben von Kunden verwechselt. Laut Gabor Matyas, Spezialist für Medizinische Genetik, können Betroffene ohne fachärztliche Begleitung zudem psychisch erkranken. So hat sich bei ihm ein Mann (28) gemeldet, bei dem ein Gentest den Verdacht auf eine Krankheit der Hauptschlagader ergab. «Er hatte Todesangst, weil er fälschlicherweise glaubte, er habe nur noch wenige Jahre zu leben. Dabei hatte er im Internet völlig veraltete Informationen gefunden.» Laut einer Studie versuchten sogar 26 von 4527 positiv auf die Gehirnkrankheit Chorea Huntington Getesteten, sich das Leben zu nehmen. 18 mussten aus psychischen Gründen ins Spital.
Diese werden immer zahlreicher und die Preise immer tiefer: So kostet eine Analyse von über 200 potenziellen Gen-Defekten, Suchtgefährdungen und Krankheitsrisiken heute nur noch wenige hundert Franken. Das freut die Kunden – nicht aber die Mediziner.
«Internet-Angebote sind völlig unseriös»
Nun schlägt die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) Alarm: Sie hat am Mittwoch ein Positionspapier vorgestellt, in dem sie sich deutlich gegen die DNA-Analysen über das Internet stellt und sie die vielen «unwissenschaftlichen Angebote» geisselt.
Zwar ist sie nicht gegen Gentests an sich. «Doch die Internet-Angebote sind zum Teil völlig unseriös. Und es fehlt die medizinische Betreuung», so Katrin Crameri von den SAMW. Kontrollen gibts nicht: Man bestellt ein Testset, nimmt zu hause eine Speichelprobe und schickt diese ins Labor.
Psychische Probleme als Folge
Das Resultat kommt per E-Mail oder Brief. Der Getestete bleibe so mit den möglicherweise niederschmetternden oder sogar falschen Resultaten alleine, so Crameri. Laut Gabor Matyas, Geschäftsleiter der Stiftung für Menschen mit seltenen Krankheiten, können Betroffene sogar psychische Probleme bekommen (siehe Box).
Weil die Test ohne medizinische Notwendigkeit in der Schweiz illegal sind, lassen viele ihre Speichelprobe bei ausländischen Firmen analysieren. «Die Zahl der gesunden Schweizer, die ihre Gene auf Krankheitsrisiken untersuchen lassen, steigt rasant an», sagt Crameri. Laut einer Umfrage von Comparis hat schon jder 25. erwachsene Schweizer seine Gene testen lassen - hochgerechnet eine Viertelmillion.
Qualitätslabel als Lösung?
Dass es Handlungsbedarf gibt, hat auch der Bund erkannt. Bis im Frühling wird die Expertenkommission für genetische Untersuchungen beim Menschen des Bundesamts für Gesundheit (Gumek) Vorschläge präsentieren, wie das Gesetz geändert werden kann. Details wollte sie dazu auf Anfrage noch nicht bekannt geben.
Vorstellbar wäre laut Crameri etwa, ein Qualitätslabel für die Anbieter einzuführen. Andere Experten fordern die Aufhebung des Verbots von medizinischen Gentests durch Privatfirmen. Schon erlaubt ist es heute in der Schweiz etwa, per DNA-Analyse Ahnenforschung zu betreiben.
Zu strenge Regeln bringen nichts
Anbieten tut dies unter anderem die Firma igenea.ch. Für deren Geschäftsführer Roman Scholz wäre es «grundsätzlich sehr interessant», auch medizinische Tests durchführen zu dürfen. Für ihn ist aber klar: «Wenn wir das einmal anbieten, dann mit fachmännischer Beratung.»
Ein Qualitätslabel oder eine Zertifizierung würde er nicht ablehnen. Jedoch warnt er davor, zu strenge Regeln aufzustellen: «Wenn der Schweizer Markt zu stark reguliert wird, können die privaten Firmen nicht arbeiten. Dann weichen die Leute weiter auf Tests von dubiosen Anbietern im Ausland aus.»
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Alle 23 Kommentare

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Schwachsinn
Ich frage mich da doch warum überhaupt Gentest. Was hilft es mir denn etwas zu wissen, was ich sowieso nicht aendern kann.
freier Markt
und wieso sollen wir nicht dort testen lassen, wo das Gleiche günstiger ist? Die schweizer Medizin ist nicht besser, nur teurer.
Patienten-Betreuung
Bitte lesen sie die Positionspapier, es geht nicht ums Geld sondern Patienten Betreuung
Armseelig
Genau, so armseelig. Immer diese verzweifelten Aktionen um das Geld der völlig überteuerten hiesigen Pharmaindustrie zuzuschieben.