Forscher warnen

12. Dezember 2012 21:39; Akt: 13.12.2012 12:51 Print

Schweizer testen ihre Gene zuhauf im Ausland

von L. Hanselmann - Eine Viertelmillion Schweizer liess schon ihre Gene testen. Doch viele der Tests, die ausländische Firmen im Internet anbieten, sind unseriös. Nun schlagen Schweizer Mediziner Alarm.

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Schweizerinnen und Schweizer lassen ihre Gene gerne im Ausland testen. (Bild: colourbox)

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Bin ich depressiv oder schizophren? Habe ich ein Risiko für Krebs, Diabetes, Haarausfall oder Parkinson? Und: Wird mein Kind dumm? Die DNA zeigt alles – behaupten wenigstens die Anbieter von dubiosen Gentests im Internet.

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Diese werden immer zahlreicher und die Preise immer tiefer: So kostet eine Analyse von über 200 potenziellen Gen-Defekten, Suchtgefährdungen und Krankheitsrisiken heute nur noch wenige hundert Franken. Das freut die Kunden – nicht aber die Mediziner.

«Internet-Angebote sind völlig unseriös»

Nun schlägt die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) Alarm: Sie hat am Mittwoch ein Positionspapier vorgestellt, in dem sie sich deutlich gegen die DNA-Analysen über das Internet stellt und sie die vielen «unwissenschaftlichen Angebote» geisselt.

Zwar ist sie nicht gegen Gentests an sich. «Doch die Internet-Angebote sind zum Teil völlig unseriös. Und es fehlt die medizinische Betreuung», so Katrin Crameri von den SAMW. Kontrollen gibts nicht: Man bestellt ein Testset, nimmt zu hause eine Speichelprobe und schickt diese ins Labor.

Psychische Probleme als Folge

Das Resultat kommt per E-Mail oder Brief. Der Getestete bleibe so mit den möglicherweise niederschmetternden oder sogar falschen Resultaten alleine, so Crameri. Laut Gabor Matyas, Geschäftsleiter der Stiftung für Menschen mit seltenen Krankheiten, können Betroffene sogar psychische Probleme bekommen (siehe Box).

Weil die Test ohne medizinische Notwendigkeit in der Schweiz illegal sind, lassen viele ihre Speichelprobe bei ausländischen Firmen analysieren. «Die Zahl der gesunden Schweizer, die ihre Gene auf Krankheitsrisiken untersuchen lassen, steigt rasant an», sagt Crameri. Laut einer Umfrage von Comparis hat schon jder 25. erwachsene Schweizer seine Gene testen lassen - hochgerechnet eine Viertelmillion.

Qualitätslabel als Lösung?

Dass es Handlungsbedarf gibt, hat auch der Bund erkannt. Bis im Frühling wird die Expertenkommission für genetische Untersuchungen beim Menschen des Bundesamts für Gesundheit (Gumek) Vorschläge präsentieren, wie das Gesetz geändert werden kann. Details wollte sie dazu auf Anfrage noch nicht bekannt geben.

Vorstellbar wäre laut Crameri etwa, ein Qualitätslabel für die Anbieter einzuführen. Andere Experten fordern die Aufhebung des Verbots von medizinischen Gentests durch Privatfirmen. Schon erlaubt ist es heute in der Schweiz etwa, per DNA-Analyse Ahnenforschung zu betreiben.

Zu strenge Regeln bringen nichts

Anbieten tut dies unter anderem die Firma igenea.ch. Für deren Geschäftsführer Roman Scholz wäre es «grundsätzlich sehr interessant», auch medizinische Tests durchführen zu dürfen. Für ihn ist aber klar: «Wenn wir das einmal anbieten, dann mit fachmännischer Beratung.»

Ein Qualitätslabel oder eine Zertifizierung würde er nicht ablehnen. Jedoch warnt er davor, zu strenge Regeln aufzustellen: «Wenn der Schweizer Markt zu stark reguliert wird, können die privaten Firmen nicht arbeiten. Dann weichen die Leute weiter auf Tests von dubiosen Anbietern im Ausland aus.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Klaus Romanowski am 13.12.2012 00:06 Report Diesen Beitrag melden

    Pharma

    Die geldgierige Pharmaindustrie der Schweiz heult einmal mehr entgangenen Geldern hinterher...

  • Dr. Brinkmann am 13.12.2012 08:11 Report Diesen Beitrag melden

    freier Markt

    und wieso sollen wir nicht dort testen lassen, wo das Gleiche günstiger ist? Die schweizer Medizin ist nicht besser, nur teurer.

    einklappen einklappen
  • Kurt Aegeri am 13.12.2012 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wohl des Portemonnaies

    Die Ärzte haben sich noch nie für die Patienten stark gemacht. Das ist beweisbares Fakt. Ergo darf getrost abgeleitet werden, dass es den Ärzten auch hier nicht um das Wohl der Patienten geht, sondern um das Wohl ihres Portemonnaies. Wie gehabt also. Business as usual. Abstossend.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nurse am 13.12.2012 14:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinn

    Ich frage mich da doch warum überhaupt Gentest. Was hilft es mir denn etwas zu wissen, was ich sowieso nicht aendern kann.

  • Dr. Brinkmann am 13.12.2012 08:11 Report Diesen Beitrag melden

    freier Markt

    und wieso sollen wir nicht dort testen lassen, wo das Gleiche günstiger ist? Die schweizer Medizin ist nicht besser, nur teurer.

    • ein potentieller DNA Test-Nutzer am 13.12.2012 10:03 Report Diesen Beitrag melden

      Patienten-Betreuung

      Bitte lesen sie die Positionspapier, es geht nicht ums Geld sondern Patienten Betreuung

    einklappen einklappen
  • Trest am 13.12.2012 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    Armseelig

    Genau, so armseelig. Immer diese verzweifelten Aktionen um das Geld der völlig überteuerten hiesigen Pharmaindustrie zuzuschieben.

  • Dr. Kurt am 13.12.2012 07:54 Report Diesen Beitrag melden

    Was wenn's die Krankenkasse mitbekommt?

    Vielleicht muss man sich einfach einmal die Frage stellen, wieso sich Schweizer im Ausland testen lassen? - Ich denke der Preis ist hier zweitrangig, viel mehr liegt der Hauptgrund darin, dass man Angst hat die Testresultate könnten via Labor an die Krankenkassen gelangen - Viel Spass dann bei der Suche nach einer neuen Zusatzversicherung!

  • Martin Scorsesi am 13.12.2012 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wie alles andere auch,

    ...es ist NUR in der Schweiz gut und sicher! So wie das Rindfleisch, welches aus der EU importiert wird, dieses wird auch erst in der Schweiz geniessbar... (Aufzählung nicht abschiessend)