Geruchs-Forschung

24. November 2012 19:08; Akt: 24.11.2012 19:08 Print

Stinkts nach zu vielem, stinkts nicht mehr

Je mehr Duft-Komponenten zusammengemischt werden, desto mehr ähneln sich die Gerüche. Das Ergebnis aktueller Studien kann dabei helfen, Gestank zu bekämpfen.

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Noch ein Geruch zum Neutralisieren: Die Blüte Titanwurz im Basler Botanischen Garten hat sich geöffnet. Die über 2,20 Meter hohe Pflanze hat am 19. Novembers ihren fauligen Aasgeruch verbreitet.

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Wenn es um Düfte geht, müssen wir uns alle an die eigene Nase fassen. Sie ist beim gemeinen Europäer durchschnittlich 5,8 Zentimeter lang. Damen tragen sieben Millimeter weniger. Mittendrin steckt der Geruchssinn mit Tausenden Rezeptoren: Dank der olfaktorischen Wahrnehmung (von dem lateinischen Wort für riechen, olfacere) können wir Menschen sowohl Wohlgerüche wie auch den letzten Mief gut auseinanderhalten.

Forscher aus Israel und den USA wollten nun herausfinden, was passiert, wenn man immer mehr Düfte aus dem gesamten Geruchsspektrum kombiniert. «Man sollte davon ausgehen, dass der Geruch ‹spezieller› wird, wenn mehr Gerüche hinzugefügt werden», erläutert Neuro-Forscher Noam Sobel vom Weizmann Institut für Wissenschaft in Rehovot. «Doch wir haben das Gegenteil bewiesen.»

Tatsächlich konnten die 56 Probanden eines Experiments die Düfte kaum mehr auseinanderhalten, sobald sie mindestens 20 unterschiedliche Komponenten enthielten. Sobald es 30 oder mehr waren, fanden die Versuchskaninchen die Gerüche sogar «sehr ähnlich». Das bedeutet, dass es im olfaktorischen Sinne wie bei Farben auch ein «Weiss» gibt: Die Forscher erstellten mit 40 Komponenten einen solchen Duft, den sie «Laurax» tauften.

Warten auf das Mega-Deodorant

Den Nutzen des Ganzen haben die Wissenschaftler selbst gleich mit aufgezeigt: Sie mischten vier Komponenten, die für Rosenduft verantwortlich sind, mit «Laurax». Das Ergebnis, das im Fachjournal «Proceedings» veröffentlicht wurde: Das «Geruchsweiss» neutralisierte den Blumenduft völlig. Ein Einsatz an «Brennpunkten» wie etwa öffentlichen Toiletten ist also prädestiniert.

Es liegt allerdings noch Arbeit vor den Gelehrten: Weil sie anders als etwa bei Tönen noch nicht das gesamte Spektrum kennen, das unser Geruchssinn abdeckt, müssen die Wissenschaftler erst noch Grundlagenforschung betreiben, bis sie das «reine Weiss» finden. «Laurax» komme dem aber schon sehr nahe, verdeutlicht Sobel. Wie bei der Farbe Weiss sind auch beim Geruch Weiss Abstufungen möglich: Im Grau erkennen wir die ursprüngliche Farbe ja auch noch.

(phi)