Zürcher Forscher

02. November 2017 18:10; Akt: 02.11.2017 18:10 Print

Tapanuli-Orang-Utan – neu entdeckt, schon bedroht

Neu kennt die Welt nicht zwei, sondern drei Orang-Utan-Arten. Doch es ist offen, wie lange noch: Von der Neuentdeckung gibt es nur noch wenige Exemplare.

Der Tapanuli-Orang-Utan hat einen gesunden Appetit. (Video: ohne Ton/UZH)
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Neben dem Menschen existieren noch sechs Arten von Menschenaffen. Das dachte man bisher. Nun berichtet ein internationales Forscherteam im Fachjournal «Current Biology»: Es gibt noch eine siebte.

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Gerade erst als eigene Art entdeckt, ist der Tapanuli-Orang-Utan (Pongo tapanuliensis) allerdings schon trauriger Rekordhalter: Er ist die am stärksten bedrohte Menschenaffenart. Es existieren nur noch rund 800 Exemplare, die in den Hochlandwäldern im Norden Sumatras leben.

Isoliertes Affen-Volk

Bisher waren nur zwei Orang-Utan-Arten beschrieben, der Borneo- und der Sumatra-Orang-Utan (Pongo pygmaeus und Pongo abelii). Australische Forscher hatten allerdings vor zehn Jahren bei Feldstudien eine Population entdeckt, die isoliert in Nordsumatra innerhalb der drei Tapanuli-Distrikte lebt.

Nun konnte das Team um Michael Krützen von der Universität Zürich nachweisen, dass es sich um eine eigene Art handelt, wie die Hochschule am Donnerstag mitteilte.

Verräterischer Schädel

Erste handfeste Hinweise, dass es sich bei der isolierten Orang-Utan-Gruppe in Nordsumatra um eine eigene Spezies handelt, lieferte der Schädel eines 2013 getöteten Männchens. Gewisse Merkmale der Schädelknochen und Zähne erwiesen sich im Vergleich mit vielen anderen Orang-Utan-Schädeln als einzigartig. Auch erste Genanalysen und Verhaltensbeobachtungen erbrachten Indizien für Unterschiede zu den anderen Orang-Utan-Beständen.

Mit der umfassenden Erbgutanalyse von 37 Tieren erhärtete sich der Verdacht nun endgültig. «Wir identifizierten drei sehr alte evolutionäre Abstammungslinien unter allen Orang-Utans, obwohl derzeit nur zwei Arten beschrieben sind», sagt Krützens Mitstreiterin Maja Mattle-Greminger.

Anhand der Erbgutdaten rekonstruierten die Forscher die Abstammungsgeschichte der verschiedenen Orang-Utan-Bestände. Demnach war die Tapanuli-Gruppe für mindestens 10'000 bis 20'000 Jahre von allen anderen Orang-Utan-Populationen auf Sumatra isoliert. Die Tapanuli-Orang-Utans seien wahrscheinlich die direkten Nachkommen der ersten Population im Sunda-Archipel, so Hauptautor Alexander Nater von der Universität Konstanz.

Schutz ist dringend notwendig

«Es ist wirklich sehr spannend und aufregend, eine neue Menschenaffenart im 21. Jahrhundert zu identifizieren», so Krützen. Jetzt gelte es jedoch, diese stark bedrohte Spezies zu schützen, vor allem durch den Erhalt ihres Lebensraums.

Die Abholzung der Regenwälder und der geplante Bau eines Staudamms, der Teile des Habitats der Tapanuli-Orang-Utans fluten wird, bringen die gerade erst beschriebene Art in Bedrängnis. «Wenn auch nur acht der 800 Tiere pro Jahr stirbt, könnte die Spezies verloren sein», warnen die Forschenden. Binnen weniger Jahrzehnte könnte es dann wieder nur sechs Menschenaffenarten neben dem Menschen geben.

Tapanuli-Orang-Utan – neu entdeckt, schon bedroht

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • SwissBomStyle am 02.11.2017 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Entdeckung

    Die Einheimischen wissen seit 100 von Jahren dass es sie gibt. Der weiße hat nun die zu Gesicht bekommen und neu entdeckt. So wie Amerika entdeckt, wo bereits 7 Millionen Indianer wohnten

  • MrM am 02.11.2017 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ii

    Der Mensch, das gefährlichste Tier auf diesem Planeten

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  • Peter Prader am 02.11.2017 21:36 Report Diesen Beitrag melden

    Also

    meine Schwiegermutter ist die 8. Art ...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stolzer Entdecker am 03.11.2017 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Sensation

    Ich habe heute den Pfannenstiel entdeckt. Natürlich kannten diesen schon andere vor mir und sind schon drüber gelaufen aber ich bin derjenige der ihne heute Morgen nach einer langen Nacht wiederentdeckt hat!

  • Berk am 03.11.2017 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Naja...

    ... wenn ich sehe, was WIR mit dem bereits "Entdecktem" anstellen, sollten diese und weitere zu ihrem Schutz lieber unentdeckt bleiben.

  • Ueli am 03.11.2017 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Je mehr Menschen es gibt...

    ...desto weniger anderes wird es geben. Egal ob Artenvielfalt oder Wohlstand oder sonstige Freiheiten. Es wäre sehr vernünftig die menschliche Population unter Kontrolle zu bringen... ihr wisst schon falls ihr so tolle Ziele habt wie Armut stoppen oder die Umwelt und Artenvielfalt erhalten oder den Weltfrieden...etc

  • Glatzen Horst am 02.11.2017 21:56 Report Diesen Beitrag melden

    Juhu mein Stammbaum ist geklärt

    Endlich wissen wir von wem wir abstammen. Ob diese sich auch via App essen teilen?

    • Spaniel am 03.11.2017 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Glatzen Horst

      Bestimmt - vor allem Bananen werden geteilt. :-))

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  • Hr. Rammelberger am 02.11.2017 21:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ich werde nicht so schnell aussterben

    ...denn ich vermehre mich unheimlich rasant, ist schon fast nicht mehr normal :))