Folgen unklar

15. September 2017 20:32; Akt: 15.09.2017 20:32 Print

Tattoo-Farb-Partikel wandern im Körper

In Tätowierungen enthaltene Partikel bleiben nicht ewig in der Haut, sondern lösen sich und reichern sich unter anderem in den Lymphknoten an.

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Tattoo-Tinte bleibt nicht für immer dort, wo sie der Tätowierer in die Haut einbringt. Vielmehr lösen sich kleinste Partikel aus den Kunstwerken heraus und wandern durch den gesamten Organismus. Sie reichern sich schliesslich vornehmlich im Lymphsystem an – und zwar in anderer Form, als sie in die Haut gesetzt werden: als Nanopartikel. Das könnte problematisch sein, denn mit der Grösse der Partikel verändern sich auch ihre chemisch-physikalischen Eigenschaften. In welcher Form, ist noch unklar. Doch auch ohne die Partikelwanderung hat der permanente Körperschmuck Schattenseiten. Das besagt zumindest eine US-Studie: Die Tattoo-Tinte reduziert die Schweissabsonderung und verändert die Zusammensetzung des Drüsensekrets. In der Untersuchung brachten die Forscher ... ... zehn Männer zum Schwitzen, nahmen Schweissproben und verglichen diese. Voraussetzung für die Teilnahme war, dass die Probanden ein Tattoo am Oberkörper haben. Zudem musste die tätowierte Stelle ein nicht tätowiertes Pendant auf der anderen Körperseite haben – der besseren Vergleichbarkeit wegen. Die Forscher gehen davon aus, dass Tätowierungen die Beschaffenheit der Haut dauerhaft verändern und die Farbe die Schweissdrüsen blockiert. Dies sei möglich, weil die Tattoo-Tinte in dieselben Hautschichten injiziert wird, in denen auch die Schweissdrüsen sitzen. Ergebnis: Die tätowierten Stellen sonderten rund 50 Prozent weniger Schweiss ab als die nicht tätowierten. Zudem enthielt ihr Schweiss fast doppelt so viel Natrium. Das ist gesundheitlich nicht unproblematisch. Schliesslich dient das Schwitzen dazu, den Körper bei körperlicher Anstrengung oder hohen Temperaturen herunterzukühlen.

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Tattoos sollen die Haut verschönern, können aber auch gesundheitlichen Schaden anrichten. So werden immer wieder Farben identifiziert, die unerlaubte Substanzen enthalten. Ausserdem reduzieren sie die Schweissabsonderung. Weiteres Problem: Die Farben bleiben nicht dort, wo der Tätowierer sie injiziert hat, sondern wandern durch den Körper.

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Wohin sie sich genau bewegen, haben nun Forscher um Ines Schreiver vom deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung untersucht. Dafür verfolgten sie mithilfe der sogenannten Röntgenfluoreszenz-Analyse, was mit gängigen Inhaltsstoffen wie Russ oder Titandioxid nach der Injektion passiert.

Aus gross wird klein

Die Auswertung der Aufnahmen bestätigte, dass die Partikel abdriften. Zudem zeigte sie, dass sie sich im Lymphsystem anreichern – und zwar in anderer Form als sie in die Haut gesetzt werden, wie es in den «Scientific Reports» heisst: Sie verlassen die Tätowierung als Nanopartikel.

Das könnte problematisch sein. «Denn die Pigmente verhalten sich in Nanogrösse möglicherweise ganz anders als auf Mikroebene», sagt Schreivers Mitstreiter Bernhard Hesse vom European Synchroton in Grenoble in einer Mitteilung. Schliesslich verändern sich mit der Grösse der Partikel auch ihre chemisch-physikalischen Eigenschaften.

Was das genau für den Körper bedeutet, ist unklar. Laut den Forschern zeigt das einmal mehr, dass etliche potenzielle Risiken der Körperkunst schlicht noch nicht abgeschätzt werden können. Sie haben erklärt, an der Sache dranzubleiben.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thor am 15.09.2017 23:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja mag alles richtig sein

    aber ein jeder wird mal sterben, ausser der staat verbietet das auch noch.

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  • Leserin am 15.09.2017 20:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch aber egal

    Heutzutage ist doch eh alles schädlich, wir leben nur einmal, also sollten wir alles machen können.

    einklappen einklappen
  • Hypochonder am 15.09.2017 23:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alarm

    Die nächste Studie wird beweisen, dass es höchst ungesund ist, mit tätowierten Menschen heissen Körperkontakt zu haben. Dies, weil durch den Schweiss und andere Sekrete des verzierten Körpers hochgiftige, gefährliche Farbnanopartikel auf den unverzierten Körper übertragen werden, wo sie auf direktem Wege die Blut-Hirn-Schranke überwinden und so die Lebenserwartung der nunmehr kontaminierten Person um etliche Sekunden verkürzen könnten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jetter am 16.09.2017 22:47 Report Diesen Beitrag melden

    Jedem das, was er möchte...

    Mir gefallen Tattoos so oder so nicht, deshalb hab ich keine. Ein Risiko weniger, an Krebs zu erkranken. Aber wir leben ja sonst sowieso schon in einer vergifteten Welt. Für die, die Tattoos mögen, dürfte das also kein Grund sein, sich keines zu stechen.

  • Eddy who? am 16.09.2017 22:26 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnlos

    Kein raucher oder alki oder junkie wird zugeben das ihre sucht schädlicht ist. Tattooluebhaber werden auch nie zugeben, dass es schädlich und hässlich ist. Jeder wie er will aber es ist immer wieder erstaunlich das es menschen gibt die sich im vollen bewusstsein schmerzen zufügen und sich freiwillig gift ins blut stechen lassen. Die dummheit der menschen ist grenzenlos. In 20 jahren wissen wir mehr über die auswirkungen.

  • Marina am 16.09.2017 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Kollektiv fängt euch auf...

    Kein Problem für die neuen Hedonisten da sie ja vom Kollektiv über zahlreiche Versicherungen wie z.B. der KK aufgefangen weden wenn sich dann jeweils herausstellt dass deren nicht sehr smartes Konsumverhalten verschiedenste Nebenwirkungen mitsichbringt. Hier bahnt sich eine Industrie an die im Bereich der Altenpflege Klondike 1890 gleicht...

  • Dr. Jo Gerner am 16.09.2017 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Kriminalstatistik

    "Ausserdem machen tätowierungen kriminell! Laut statistik sind 100% aller tätowierten häftlinge kriminell...wo soll das noch hinführen..." ein nachdenklicher nicht minder besorgter bürger.

  • Snooker am 16.09.2017 15:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lachhaft

    Knaki Trend nacheifern wie eine Horde Schafe.