Von Importen unabhängig

12. November 2012 16:39; Akt: 12.11.2012 17:27 Print

USA schon bald grösster Energieproduzent

Die Grundpfeiler des weltweiten Energie-Systems kommen ins Wanken, prognostiziert die Energieagentur IEA. Schon in fünf Jahren sollen die USA der weltgrösste Öl- und Gasproduzent sein.

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Die internationale Energie-Landkarte wird sich in den nächsten 20 Jahren dramatisch verändern - und möglicherweise auch politische Auswirkungen nach sich ziehen. Die USA werden schon in fünf Jahren der grösste Öl- und Gasproduzent der Erde und von Importen praktisch unabhängig sein.

Das sagt die Internationale Energie-Agentur in ihrem Welt-Energie-Ausblick 2012 voraus, der am Montag in London vorgestellt wurde. «Die Grundpfeiler des weltweiten Energie-Systems werden verschoben», sagte IEA-Chefökonom Fatih Birol.

Die Konsumenten vor allem in Europa und Japan müssten sich in Zukunft auf höhere Strompreise als in anderen Regionen der Welt einstellen. Im Jahr 2035 werde der Strompreis pro Kilowattstunde bei 24 US-Cent in Japan und bei 19 US-Cent (vor Steuern) in Europa liegen, prognostiziert die Agentur.

In China werden die Konsumenten nur sieben Cent zahlen, in den USA etwa 14 Cent. Gründe seien der Verzicht auf billige Kernenergie und ein höherer Anteil teurerer erneuerbarer Energien. In Südasien und Afrika sind derzeit 1,3 Milliarden Menschen noch völlig ohne Elektrizität - fast ein Fünftel der Erdbevölkerung. «Das ist wirtschaftlich, sozial und moralisch nicht haltbar», sagte Birol.

Unkonventionelle Quellen

Dank der Steigerung bei der Produktion vor allem aus unkonventionellen Quellen wie Schiefergas und Ölsanden, aber auch dank der Effizienzsteigerung etwa von Autos werden die USA vom Importeur zum Exporteur von Energie.

Im Jahr 2020 werden die USA der Prognose zufolge 11,1 Millionen Fass (Barrel) Öl pro Tag produzieren, derzeit sind es drei Millionen Barrel weniger. In den Jahren danach werde die US-Produktion jedoch wieder leicht zurückgehen und das Land auch die Führungsrolle unter den Produzenten wieder an Saudi-Arabien verlieren, schätzt die Energie-Agentur.

Öl und Gas aus Nahost werde künftig zu 90 Prozent nach Asien fliessen, sagte IEA-Chefökonom Birol - «eine neue Seidenstrasse». Die weltweite Nachfrage nach Energie werde von 12 000 Millionen Tonnen Öläquivalent bis zum Jahr 2035 auf fast 17 Millionen Tonnen steigen - vor allem wegen der unersättlichen Nachfrage aus China und Indien.

Aus dem ehemaligen Kriegsgebiet

45 Prozent der Produktionssteigerung werde allein aus dem Irak kommen, vor knapp zehn Jahren noch Kriegsgebiet. «Die Produktionskosten im Irak sind 15 Mal geringer als etwa in Kanada und sieben Mal geringer als in Russland», sagte Birol.

Der Klimaschutz rücke in der Energiepolitik vorübergehend in den Hintergrund. Die Welt müsse massiv auf das Ausschöpfen von Effizienz- Potenzialen bei der Energienutzung setzen, wenn sich die Erde nicht um mehr als zwei Grad erwärmen soll, sagte Birol.

«Es gibt eine wachsende Überzeugung in mehreren Ländern, jetzt auf den Effizienz-Knopf zu drücken», sagte er. Es bleibe nur noch ein Zeitfenster von fünf Jahren. Die Effizienzreserven etwa im Autoverkehr, beim Transport und in der Baubranche seien enorm. «Das ist der Kardinalfehler in der Energiepolitik in vielen Ländern», sagte Birol. «Zwei Drittel des Effizienzpotenzials, das wir haben, nutzen wir nicht.»

Der Verzicht auf Nuklearenergie in einigen Ländern wie der Schweiz, Deutschland und Japan sei vor dem Hintergrund der drohenden Klimaerwärmung besorgniserregend. Auch aus Frankreich kämen politische Signale, die Erzeugung von Kernenergie zurückfahren zu wollen. Allerdings werde ein Teil durch den schnell wachsenden Einsatz erneuerbarer Energieträger ausgeglichen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jason Ralphs am 12.11.2012 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was wollt ihr?

    Was habt ihr alle eigentlich für ein Problem mit den USA? Wohnt ihr hier? Kämpft ihr für Frieden und Freiheit auf der Welt wie unsere Truppen? Ihr sitzt alle irgendwo in einem Keller in der Schweiz und lästert über uns, kommt erstmal hier hin und erlebt unsere Mentalität! Wie die Leute ihre Truppen ehren und ihre Landesflagge schwingen!

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  • Elektroinstallateur am 12.11.2012 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    seit wann..

    sagt mir mal bitte wie man energie ERZEUGEN KANN? Umwandeln ja, aber erzeugen NEIN..

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  • oehenL am 12.11.2012 17:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unkonventionelle Quellen

    Das die USA unkonventionelle Quellen fördern ist in diesem Fall nicht ganz klar definiert und wirft deshalb Fragen auf: Ressourcen sind ja der Begriff für sämtliche Reserven (egal ob solche wirtschaftlich abbaubar sind). konventonell heisst es ist wirtschaftl. Abbaubar und mit den heutigen technischen Methoden überhaupt mögl... Kurz: unkonventionell = unwirtschaftlich. Es geht allerdings nicht aus dem Text hervor, ob diese Quellen zum JETZTIGEN Zeitpunkt unkonventionell sind und ob dies auch in einigen Jahren noch der Fall ist. Hat da jemand eine Antwort? Würde mich doch sehr interessieren...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • contramis am 13.11.2012 20:14 Report Diesen Beitrag melden

    Grosser, mächtiger Diktator(ungerechter)

    Auch wenn die usa genug eigenes Energievorkommen hätte, müssen sie weiterhin Kriege führen oder zumindestens welche anzetteln. Denn, sie müssen Waffen verkaufen. Ohne Kriege ist die usa wie ein Luftballon ohne Luft.

  • Pfister am 13.11.2012 18:43 Report Diesen Beitrag melden

    Aus dem ehemaligen Kriegsgebiet

    45 Prozent der Produktionssteigerung werde allein aus dem Irak kommen! So langsam bestätigt sich der Verdacht, dass es bei dem Krieg hauptsächlich ums Öl ging.

  • Duane Henderson am 13.11.2012 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Why?

    Was haben die schweizer nur für ein problem mit uns amerikaner? Wenn ich all diese anti-amerikanischen kommentare lese wird mir ja richtig übel. Nur weil wir etwas haben, dass sich nationalstolz nennt. Wir haben schon so viel für diese welt getan und dann kommen immer wieder solche hasssprüche....

  • Aniger am 13.11.2012 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bedarf kann nicht gedeckt werden

    Die USA hat so viel Oel - das stimmt leider nicht. Die USA verbraucht soviel, dass neue Vorkommen nur den Bedarf von weiteren Monaten decken. Unkonventionell heißt ja vielleicht auch Sonnenenergie. Sonnenschein hat es dort nämlich ohne Ende. Quarzsand waere ein Tropfen auf den heißen Stein punkto benoetigten Mengen.

  • Horst B. am 13.11.2012 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irrungen und Scheinwahrheiten

    Die beunruhigende Meldung ist, dass immer noch auf fossile Brennstoffe gesetzt wird. Die unkonventionellen "Quellen" werden teurer sein, als die Quellen aus Nahost. Insgesamt scheint es, dass der aktuelle "Way of life" zementiert wird bzw. weiterhin eine klimaerwärmende Spur nach sich her zieht. Der Problemlösungsansatz tönt wie die laufende Erhöhung der Schuldenobergrenze.