Ozonschicht-Killer

17. Mai 2018 17:03; Akt: 17.05.2018 17:03 Print

Umweltverbrechen in Ostasien entdeckt?

Seit 2010 dürfen sogenannte FCKW nicht mehr hergestellt werden, weil sie die Ozonschicht der Erde schädigen. Doch offenbar halten sich nicht alle daran.

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US-Forscher sind womöglich einem Umweltverbrechen auf der Spur. Sie fanden verdächtige Messwerte eines verbotenen Ozonkillers in der Atmosphäre, berichten sie im Fachjournal «Nature».

Die Menge des Stoffs Trichlorfluormethan in der Atmosphäre sinkt demnach seit 2012 langsamer, als nach den geltenden Umweltregelungen zu erwarten wäre. Die Gruppe um Stephen Montzka von der National Oceanic and Atmospheric Administration in Boulder (US-Bundesstaat Colorado) vermutet eine neue, illegale Quelle von Trichlorfluormethan (siehe Box).

Zunächst war alles gut

Das internationale Produktionsverbot für Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) spiegelt sich auch in den Messdaten für Trichlorfluormethan in der Atmosphäre wider: Mitte der 1990er-Jahre betrug der Stoffmengenanteil von Trichlorfluormethan knapp 270 Teilchen pro eine Billion. Anschliessend sank der Anteil zunächst kontinuierlich.

Dass der Anteil nach dem Verbot der FCKW-Produktion nicht sofort auf null sank, hat zum einen damit zu tun, dass der Abbau der Stoffe in der Atmosphäre zum Teil Jahrzehnte dauert. Zum anderen werden geringe Menge FCKW weiterhin freigesetzt, wenn etwa alte Kühlschränke verschrottet oder Gebäude abgerissen werden.

2012 wendete sich das Blatt

Doch etwa 2012 bekam die Trichlorfluormethan-Kurve einen Knick: Die Menge sank nicht mehr wie erwartet. Dazu kamen steigende Unterschiede des Anteils auf der nördlichen und der südlichen Erdhalbkugel. Ausserdem zeigt der Verlauf der Kurve innerhalb eines Jahres verdächtige Ähnlichkeiten mit dem Messkurvenverlauf zweier anderer FCKW: Chlordifluormethan und Dichlormethan. Das lasse vermuten, dass alle drei Stoffe aus derselben Quelle freigesetzt werden.

Die Forscher simulierten mit verschiedenen Atmosphärenmodellen die Ausbreitung von Trichlorfluormethan anhand der vorhandenen Messwerte. Aber allein mit dem Luftaustausch in der Atmosphäre, auch wenn er ungewöhnliche Formen annehmen sollte, waren die Werte nicht zu erklären.

Ostasien unter Veracht

Die Forscher um Montzka gehen deshalb davon aus, dass es eine neue Quelle für den Stoff gibt und dass dieser entgegen internationalen Klimaschutzvereinbarungen wieder hergestellt wird. Als Grössenordnung nennen die Wissenschaftler 13'000 Tonnen pro Jahr. Die Computersimulationen ergaben eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Quelle in Ostasien.

In einem Kommentar in «Nature» bescheinigt Michaela Hegglin von der University of Reading den Autoren eine sorgfältige Analyse. Sie betont die Bedeutung solcher Untersuchungen: «Die Studie von Montzka und Kollegen zeigt einmal mehr, dass Umweltvorschriften nicht selbstverständlich sind und dass eine Überwachung erforderlich ist, um die Einhaltung sicherzustellen.»

(fee/sda)