Bon Appétit!

28. Juni 2012 10:24; Akt: 28.06.2012 10:24 Print

Unsere Vorfahren knabberten Baumrinde

Der Speiseplan unserer frühen Vorfahren war reichhaltiger als bisher gedacht. Er enthielt sogar Baumrinde. Dies ergaben Untersuchungen von zwei Homininen, die von Erdmassen verschüttet worden waren.

storybild

Der Australopithecus sediba hatte einen vielfältigeren Speiseplan als bisher angenommen. (Bild: Brett Eloff/Lee Berger/University of Witwatersrand)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die erst vor wenigen Jahren neu entdeckte Homininen-Art Australopithecus sediba aus Malapa in Südafrika hat unter anderem Baumrinde, Blätter, Früchte und Seggen (ein Sauergrasgewächs) gegessen. Dies berichtet das Team um Amanda Henry vom Max-Planck- Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig im Fachjournal «Nature».

Baumrinde konnte bisher bei anderen frühen Homininen nicht als Nahrungsmittel nachgewiesen werden. Zur Überraschung der Wissenschaftler unterschieden sich die Essgewohnheiten von Australopithecus sediba somit von anderen ähnlich alten afrikanischen Homininen. Sie gleichen eher denen von Schimpansen.

Aufklärung lieferte die Untersuchung von zwei Millionen Jahre alten Zähnen eines älteren Weibchens und eines jüngeren Männchens der Art Australopithecus sediba. Die beiden Homininen waren einst in einen Erdrutsch geraten. Durch diese Konservierung waren ihre Zähne gut erhalten. Sie waren teilweise von einem schützenden Luftkissen umgeben.

Versteinerte Pflanzenreste

Im Zahnstein entdeckten die Forscher Phytolithen, versteinerte Überreste von Pflanzen. «Mit Hilfe zweier Kollegen, die diese Phytolithen in heute lebenden südafrikanischen Arten untersucht hatten, identifizierten wir die Pflanzen, von denen die uralten Phytolithen stammten», sagte Amanda Henry.

«Persönlich fand ich es überraschend, dass unsere frühen Vorfahren Baumrinde assen», sagte der Leiter des Forschungsprojekts Lee Berger von der südafrikanischen Universität von Witwatersrand in einer Mitteilung. Obwohl seit Jahren bekannt sei, dass Primaten, einschliesslich der Menschenaffen, Baumrinde als eiserne Reserve in Notzeiten essen, hätte er sie nicht auf dem Speiseplan eines frühen menschlichen Vorfahren vermutet.

Unter den fossilen Funden früher menschlicher Überreste sei diese Entdeckung einmalig. «Es handelt sich um den ersten direkten Beweis dafür, was unsere frühen Vorfahren in den Mund nahmen und kauten - was sie assen», sagte Berger.

Laut Henry sei es ziemlich sicher, dass die meisten anderen Homininen derselben Zeitperiode mehr oder weniger dasselbe Habitat genutzt haben, die offene Savanne. Die neuen Daten zeigten nun jedoch, dass es mehr Vielfalt hinsichtlich der Nischen gab, in denen Homininen lebten, und ebenso eine grössere Vielfalt an Verhaltensweisen.

(lue/sda)