Hochexplosives Wrack

18. Juni 2017 20:31; Akt: 19.06.2017 14:13 Print

Vor den Toren Londons tickt eine Zeitbombe

Seit 1944 liegt in der Themse-Mündung ein US-Schiff mit 1000 Tonnen Bomben an Bord. Geht die tödliche Fracht hoch, droht ein Tsunami.

Trailer zur Dokumentation «A Disaster Waiting to Happen» (Video: Ken Rowles)
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Von weitem sieht man die Masten der SS Richard Montgomery aus den Fluten des Themse-Ästuars, dem Mündungsbereichs des Flusses, ragen. Schilder und Bojen warnen eindringlich davor, sich dem Wrack zu nähern. Aus gutem Grund. Denn direkt unter der Wasseroberfläche liegen rund 1400 Tonnen TNT, die jederzeit hochgehen können.

Die SS Richard Montgomery sollte im August 1944 rund 3000 Tonnen Munition nach Cherbourg in der Normandie bringen, um den Kampf der Alliierten gegen die Nazis zu unterstützen. Doch vor Sheerness in der Grafschaft Kent im Südosten Englands lief sie auf Grund.

Verzweifelt versuchten Seeleute, die gefährliche Fracht aus dem Schiff zu schaffen, doch als die Ebbe kam und der Wasserspiegel um mehrere Meter absank, brach das Schiff in zwei Teile. Es war verloren. Trotzdem konnte anschliessend noch ein Teil der Fracht geborgen werden – bis es zu gefährlich wurde.

Gigantische Explosion droht

Was im Wrack verblieb, könnte eine der grössten nichtnuklearen Explosionen der Geschichte auslösen, wie die Fachzeitschrift «New Scientist» 2004 aufgrund von Dokumenten der britischen Regierung ausrechnete. Und so könnte die Altlast aus dem Zweiten Weltkrieg, obwohl rund 60 Kilometer Luftlinie von London entfernt, zur Gefahr für die britische Hauptstadt werden.

Denn eine Explosion könnte einen Mini-Tsunami auslösen, der die Themse hinaufschwappt und möglicherweise sogar das Flutsperrwerk Thames Barrier überwinden könnte. In diesem Fall wäre auch in London mit Überschwemmungen zu rechnen.

Eine Explosion würde in der näheren Umgebung des Wracks verheerende Schäden verursachen. So könnte sie den nur etwa 1,5 Kilometer entfernt liegenden Hafen von Sheerness zerstören und weitere Orte wie Gravesend, Canvey Island und Southend in Mitleidenschaft ziehen.

Ein Sprecher des britischen Verkehrsministeriums sagte gegenüber Metro.co.uk: «Seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es eine Sperrzone rund um die SS Richard Montgomery. Wir überwachen das Wrack 24 Stunden am Tag. Das Risiko ist gering.»

Neue Dokumentation

Nun soll eine neue Dokumentation auf die Gefahr im Themse-Ästuar aufmerksam machen. Unter dem Namen «A Disaster Waiting to Happen» erzählt sie die Geschichte der SS Richard Montgomery und ihres gefährlichen Erbes. Der Film ist abgedreht und vom Schauspieler Ian McShane vertont worden, der unter anderem Blackbeard in «Pirates oft he Carribean: On Stranger Tides» (2011) spielte. Das Einzige, was nun noch fehlt, ist Geld für die Vermarktung, weshalb die Macher eine Crowdfunding-Kampagne gestartet haben. Wer will, kann hier zum Gelingen des Projekts beisteuern.

(jcg)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin S. am 18.06.2017 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Artikel!

    Ich finde es echt Super, dass sie auch solche Storys bringen die zwar wenig Newswert haben, dafür historisch interessant sind! Ich liebe es immer etwas über unsere Geschichte zu lesen! Warum machen sie nicht eine tägliche Story welche uns etwas von früher erzählt was man aber nicht allgemein weiss? Fände ich super!!!

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  • Naja, Panikmache am 18.06.2017 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    So gefährlich ist das nicht

    die Bomben wurden mit Sicherheit nicht mit installierten Zündern da verschifft, die Zünder werden separat gelagert. Und ohne Zünder ist das TNT nicht besonders gefährlich.

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  • Jürg K am 18.06.2017 21:59 Report Diesen Beitrag melden

    Eine sehr spannende Information für ...

    ...Terroristen. Da könnte man ja mit relativ kleinem Aufwand ein ganz grosses Bummms organisieren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • emf949 am 20.06.2017 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nobody knows

    Katastrophen wie in New Orleans oder Halifax hatten verheerenden Konsequenzen. Bin gespannt , was entschieden wird : agieren oder noch 500 Jahren oder mehr abwarten?

  • Delphine Sommer am 19.06.2017 21:16 Report Diesen Beitrag melden

    Löchlein reinbohren

    Also ich würde kleine Löchlein hineinbohren, denn dann wird es innen nass und kann nicht mehr explodieren. Ist wie bei einer Kerze, die ja auch nicht brennt, wenn sie nass ist.

    • Hugo am 19.06.2017 21:58 Report Diesen Beitrag melden

      @Delphine Sommer

      Geiler Kommentar .. meineswissens die suchen ja noch Freiwillige welche mit der Bohrmaschine bewaffnet löchlein bohren gehen.. Freiwillige also vor :-)

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  • Max Power am 19.06.2017 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Prioritäten setzten

    Hinter den Toren Londons ticken viele Zeitbomben, von denen einige schon exlodiert sind. Berichtet doch mal über die.

  • popi am 19.06.2017 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    Amerikanisches Schiff

    Aber sich darum kümmern, nein, das sollen die damals verbündeten selbst erledigen. Super kollegen!

    • Super Kollege am 20.06.2017 15:24 Report Diesen Beitrag melden

      Keine "super Kollegen"?

      @popi Dabei vergessen Sie, dass zig tausende Amerikaner für die Europäer in beiden Weltkriegen ihr Leben gelassen haben. - Wenn das keine "super Kollegen" sind?

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  • Markus im AG am 19.06.2017 11:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In 7 Std

    60 Freiwillige um die Munition mit eingesetzten Zündern zu Entschärfen. Doch doch ihr habt Mut.

    • Peterli am 19.06.2017 11:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Markus im AG

      Hat ja hier genug Experten wie man an den Kommentaren sieht. Soll man die nehmen ;-)

    • Markus im AG am 19.06.2017 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peterli

      ja habe vor 7 Std geschrieben liegen lassen und auf Tsunami warten. Das Tsunami warten haben die Menschen nicht als Ironie erkannt und 60 Daumen runter. Deshalb 60 Mutige.

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