Buben vs. Mädchen

27. Mai 2016 12:45; Akt: 27.05.2016 12:45 Print

Vorurteile beeinflussen, wie gut Kinder lesen

von Sandro Bucher - Mädchen lesen besser als Jungs. Doch wird die Lesefähigkeit unter spielerischen Bedingungen getestet, wendet sich das Blatt.

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Mädchen lesen gut, Jungs eher weniger. Das ist nicht nur ein Klischee: In Lesetests der Pisa-Studie schneiden Mädchen stets besser ab. Nun aber haben französische Psychologen herausgefunden, dass sich das ändert, wenn die Bewertung der Lesefähigkeiten als Spiel getarnt wird.

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In einer Studie gaben die Forschenden neunjährigen Schülerinnen und Schülern die Aufgabe, auf einer Wörterliste innert drei Minuten möglichst viele Tiernamen zu finden. Der Hälfte der 80 Kinder teilten sie mit, dass es sich dabei um eine Prüfung handle, den anderen, es sei ein Spiel.

Stereotypes Denken ist der falsche Weg

Resultat: In der Prüfung schnitten die Jungs mit durchschnittlich 33 gefundenen Tiernamen deutlich schlechter ab als die Mädchen, die 43 entdeckten. Ganz anders aber bei den Kindern, die glaubten, es sei ein Spiel: Hier fanden die Jungs im Durchschnitt 45 Tiernamen, die Mädchen nur 38.

Hinter diesen Unterschieden vermuten die Forschenden einen geschlechterstereotypen Einfluss der Gesellschaft. Das glaubt auch Rainer Greifeneder, Sozialpsychologe an der Universität Basel: «Wenn wir Kindern von klein auf beibringen, dass Lesen Frauensache und Naturwissenschaft Männersache ist, dann denken sie automatisch, dass sie in den jeweils anderen Bereichen schlechter seien», sagt er. «Deshalb sind die Jungs in der Prüfungssituation mehr unter Druck.»

Braucht es also unterschiedliche Tests für Jungs und Mädchen? «Das halte ich für einen falschen Ansatz», sagt Greifeneder. «Wenn Kinder aufgrund des Geschlechts anders behandelt werden, könnte dies das Stereotypen-Denken sogar fördern.» Besser sei es, dieses Denken ganz zu beseitigen. Und zwar, indem Eltern diese in der Erziehung aktiv infrage stellen. «Wenn es keine Stereotypen gibt, können sich Kinder davon auch nicht bedroht fühlen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • unabhängige Denkerin am 27.05.2016 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Stereotypen allüberall

    Es wird leider sogar immer schwerer, Stereotypen auszuweichen. Egal ob bei Kleidern, Spielwaren oder zugedachten Fähigkeiten oder Vorlieben, stets wird gerade heute zuerst nach Geschlecht sortiert. Ja und was macht ihr dann, wenn das Mädchen weder Rosa noch Puppen noch Sozialspiele mag und stattdessen lieber Ballerspiele, Bauklötze und natürlich nur alles in Blau will? Seid ihr sicher, dass ihr das überhaupt merken würdet? Meine Eltern wollen es angeblich nicht bemerkt haben.

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  • egal... am 27.05.2016 14:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Buben , Mädchen ?

    Find es schlimm..all diese Studien , die irgendwelche Errungenschaften hervorbringen. Lasst die Kinder doch Kinder sein !, in der heutigen Zeit scheint das aber oft schon zu viel verlangt zu sein. Allgemein..Vorlesen , sich Zeit nehmen , um den Kindern Geschichten zu erzählen...finde ich ganz etwas Schönes und Wichtiges..Leider haben viele einfach die tollsten und modernsten Spielsachen..dafür aber oft keine Zuwendung mehr ! Ganz egal , ob Junge oder Mädchen..sie sollten spielen dürfen , was ihnen selbst gefällt !!

  • Vorurteile zementieren Vorurteile, denn. am 27.05.2016 23:07 Report Diesen Beitrag melden

    was Hänschen nicht lernt,

    Grad heut erlebt: Bub, ca. 4-jährig, will ein Spiel-Natel. Rosafarben, mit Strasssteinen. Mutter und Tante?: Das ist Mädchenzeugs, nix für Jungs. Kannst ein Auto haben. Junge will kein kein Auto, will Natel, rosafarben, mit Strass. Junge trotzt, stampft, schreit. Mutter und Tante zerren schreienden Bub aus dem Laden. Zurück bleiben 3 Frauen über 50, die sich erst fragen/wundern: warum?, dann resigniert feststellen: gibt's denn sowas noch?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Klaus Ruedi am 28.05.2016 20:15 Report Diesen Beitrag melden

    unnötig Erfundene Geschichten lesen

    Wieso fehlt bei der Umfrage die Option ,,ich lese nie Bücher''?

  • Danke Mami am 28.05.2016 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    War eine schöne Zeit

    Mein Bruder und ich sind ganz ungezwungen aufgewachsen. Wir spielten zusammen mit Barbies, Spielzeugautos, Lego, veranstalteten Modeschauen und und und. Hat uns nicht geschadet :-)

  • Interpretiert am 28.05.2016 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    Anderes Stereotyp bestätigt

    Also für mich bestätigt das eigentlich nur etwas: Buben spielen gerne und Mädchen mögen die Herausforderung. :-)

  • Me am 28.05.2016 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stereotypen

    Ich denke das mit den Sterotypen stimmt nicht immer. Ich (w) habe einen Bruder. Als wir klein waren spielten wir immer zusammen. Wir haben immer mit Jungs-und Mädchenspielzeug gespielt. Unser Vater liest sehr viel, da konnte er also meinem Bruder nicht 'zeigen', dass Lesen unmännlich sei und trotzdem liest mein Bruder nicht gerne. Er hört lieber Hörbücher während ich schon seit ich lesen kann, Bücher verschlinge.

  • Roman am 28.05.2016 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    falsche Schlussfolgerung

    ich glaub nicht dass die eltern dem kinder vermitteln du bist ein Junge du kannst nicht lesen. Vielleicht lags einfach daran, dass die Jungs weniger gut mit der Prüfungssituation an sich umgehen konnten....