Bitte füttern!

02. Februar 2012 13:54; Akt: 03.02.2012 15:32 Print

Was Vögel wollenWas Vögel wollen

von Susanne Lüthi - Die Schweiz ist eine beliebte Winterferien-Destination – nicht nur bei Skihäschen, auch bei Piepmatzen. Aber wegen Kälte und Schnee wird im Vogelparadies allmählich das Futter knapp.

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Vögel sind dankbar, wenn sie jetzt gefüttert werden. Colourbox.com (Bild: Caroline Blumberg/colourbox.com)

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Einheimische Vögel haben das Problem, das uns Menschen derzeit quält, nicht: Ihnen ist nie kalt. Auch im Winter beträgt ihre Körpertemperatur rund 41°C, in ihrem Federkleid sind sie besser eingepackt als wir in der dicksten Daunenjacke.

Viel mehr macht ihnen zu schaffen, was für unsereins wiederum kein Problem ist: die Futtersuche. Wo Schnee liegt, können sie sich nicht bis zum Boden durchpicken. Und wo die weisse Pracht fehlt, ist der Boden steinhart gefroren, der Hunger macht sich breit.

Schwäne füttern erlaubt?

Laut Matthias Kestenholz von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach sind nun die Tierfreunde gefordert (siehe Info-Box). Laut dem Experten haben sich die einheimischen Vögel zwar an die harschen Verhältnisse gewöhnt, zusätzliche Nahrung ist aber mehr als willkommen.

Für die Wasservögel ändern sich die Futter-Verhältnisse im Winter nicht. In den Seen und Flüssen findet sich in der kalten Jahreszeit genau so genug Futter wie in der warmen. Doch, so Kestenholz, sei «das Füttern der Enten, Schwäne und Möwen schliesslich auch ein Ausdruck der Tierliebe.» Und dieser ist - im Winter! - willkommen.

Eisige Zeiten für den Eisvogel

Auch bei einem noch so grossen Herz für Federvieh kann dem Eisvogel nicht über seinen Hunger hinweggeholfen werden. Der blauschimmernde (daher sein Name) Piepmatz hockt am Ufer und es bleibt ihm keine andere Wahl, als zuzuschauen, wie das Wasser langsam von Rand her gefriert. Und wie so unter der Eisschicht sein Zmorge, Zmittag und Znacht verschwinden. Doch auch wenn es ganz kritisch für ihn wird: Ausgestreute Körner verachtet er, sein Ding ist Fisch.

Should I stay or should I go?

Das gleiche Problem, nämlich dass er von Menschenhand nicht gefüttert werden kann, hat der Mäusebusshard. Seine Beute gräbt sich Gänge in den Schnee und ist verschwunden bis zur ersten Schmelze. Laut Matthias Kestenholz muss nun jeder Mäusebusshard für sich entscheiden, ob er bleiben und hoffen will, dass diese schnell einsetzt. «Oder ob er abfliegen soll, Richtung Frankreich, wo es wärmer ist. Doch die lange Reise im geschwächten Zustand unter die Flügel zu nehmen, ist ein Risiko.» Und auch bleiben kann sich als fatal erweisen, wenn der Schnee länger hält als der Lebensgeist.

Wie viele Vögel diesen aufgegeben haben, kann die Vogelwarte Sempach erst verzögert feststellen. Dann nämlich, wenn geschwächte Mäusebussharde in die Pflegestation gebracht werden. Dort werden sie mit Vitaminspritzen innerhalb von zwei bis sieben Tagen so weit aufgepäppelt, bis sie stark genug sind, wieder selber auf Jagd zu gehen. Dann, wenn sich das Rad der Fortuna von den Mäusen hin zu ihnen gedreht hat. Bon App!