Doppeltes Handicap

30. November 2012 13:55; Akt: 30.11.2012 13:55 Print

Wenn Behinderte in die Mühlen der Justiz geraten

von Fee Riebeling - Polizei und Justiz müssen über den Umgang mit geistig behinderten Opfern noch viel lernen. So das Ergebnis einer Studie.

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Geistig Behinderte brauchen Hilfe. (Bild: istock)

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Geistig behinderte Menschen sind besonders gefährdet, Opfer von sexuellem Missbrauch zu werden und so mit dem Strafrechtssystem in Berührung zu kommen. Damit sie sich in diesem hoch komplexen Umfeld zurechtfinden, ist es wichtig, dass die Betroffenen ausreichend Unterstützung bekommen. Etwa indem Vertreter der Polizei, Gerichte und Sachverständige über die Besonderheiten im Umgang mit Handicapierten Bescheid wissen.

So brauchen geistig behinderte Menschen beispielsweise länger, um neue Informationen zu verarbeiten. «Wer Befragungen durchführt, muss derartige Beeinträchtigungen erkennen und sich entsprechend verhalten», sagt Susanna Niehaus. Ob das tatsächlich so ist, hat die forensische Psychologin von der Hochschule Luzern in einer Studie untersucht. Die Resultate:

  • Wissen: In der Aus- und Weiterbildung ist der Umgang mit Behinderten kaum ein Thema. Das zeigt sich auch in der Praxis. Der Umgang mit geistig behinderten Opfern ist oft unbeholfen.
  • Mythen: Nichtwissen führt zu falschen Überzeugungen. In knapp 20 Prozent der untersuchten Fälle waren Vertreter des Justizapparates und sogar Sozialarbeiter der Meinung, Behinderte seien aufgrund ihrer vermeintlichen Unattraktivität vor sexuellen Übergriffen geschützt.

Solches Falsch- oder Nichtwissen könne einen Prozess in die falsche Richtung lenken, warnt die Expertin. Ihr Fazit: «Es besteht dringender Optimierungs- und Handlungsbedarf.»