Diagnose Selfitis

29. Dezember 2017 10:57; Akt: 29.12.2017 11:01 Print

Wer ständig Selfies macht, soll psychisch gestört sein

Nun ist es amtlich: Wer ständig Selfies schiesst und sie auch postet, leidet unter Selfitis – einer psychischen Störung. Bedenklich wird es ab drei Bildern pro Tag.

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Selfies sind nach wie vor angesagt. Das ist grundsätzlich nicht weiter schlimm. Doch wer es übertreibt, leidet möglicherweise an Selfitis, einer laut britischen und indischen Forschern psychischen Störung. Neben dieser Feststellung hat das Team um Janarthanan Balakrishnan von der indischen Thiagarajar School of Managment auch einen Test entwickelt, mit dem jeder selbst herausfinden kann, wie es um seine Selfie-Sucht steht. Dieser funktioniert wie folgt: Bewerte die folgenden Aussagen von 1 für «Stimme überhaupt nicht zu» bis 5 «Stimme voll zu». Je mehr Punkte du hast, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass du an Selfitis leidest. 1. Ein Selfie zu machen, gibt mir das gute Gefühl, meine Umwelt besser geniessen zu können. 2. Meine Selfies zu teilen, schafft einen gesunden Wettstreit mit meinen Freunden und Kollegen. 3. Ich bekomme enorme Aufmerksamkeit, wenn ich meine Selfies in den sozialen Medien teile. 4. Wenn ich Selfies mache, kann ich meinen Stresslevel senken. 5. Ich fühle mich selbstbewusst, wenn ich ein Selfie aufnehme. 6. Ich werde in meiner Clique eher akzeptiert, wenn ich Selfies mache und sie poste. 7. Ich kann mich durch Selfies besser in meinem Umfeld ausdrücken. 8. Unterschiedliche Selfie-Posen helfen mir, meinen sozialen Status zu steigern. 9. Ich fühle mich beliebter, wenn ich meine Selfies in den sozialen Medien poste. 10. Wenn ich mehr Selfies aufnehme, verbessert sich meine Stimmung, und ich fühle mich glücklich. 11. Ich bin mir gegenüber positiver eingestellt, wenn ich Selfies mache. 12. Durch das Posten der Selfies werde ich zu einem stärkeren Mitglied in meiner Clique. 13. Selfies liefern bessere Erinnerungen an den Anlass und die damit zusammenhängende Erfahrung. 14. Ich poste häufig Selfies, um mehr Likes und Kommentare zu bekommen. 15. Wenn ich Selfies poste, erwarte ich eine Bewertung von meinen Freunden. 16. Ein Selfie zu machen, verändert sofort meine Stimmung. 17. Ich nehme vermehrt Selfies auf und schaue sie mir im Privaten an, um mein Selbstvertrauen zu erhöhen. 18. Wenn ich keine Selfies mache, fühle ich mich meiner Clique nicht zugehörig. 19. Ich mache Selfies, um mich zukünftig daran zu erinnern. 20. Ich nutze Tools zur Fotobearbeitung, um meine Selfies zu verbessern, damit sie besser aussehen als die anderer.

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2014 kursierte die Meldung, die American Psychatric Association habe das zwanghafte Machen und Posten von Selfies, die sogenannte Selfitis, als psychische Erkrankung anerkannt.

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Zwar handelte es sich dabei um eine Zeitungsente, aber diese brachte Forscher der Nottingham Trent University und der indischen Thiagarajar School of Managment dazu, dem Drang, Fotos von sich zu schiessen, nachzugehen. Das Ergebnis: Die Selfitis gibt es wirklich, wie es in einer Mitteilung heisst.

Drei Schweregrade

Für die im «International Journal of Mental Health and Addiction» erschienene Studie interviewte das Team um Janarthanan Balakrishnan zunächst 225 indische Studenten, weil aus ihrem Land die meisten Facebook-Nutzer stammen und dort die Todesfall-Rate durch Selfies am höchsten ist.

Demnach sucht der typische Selfitis-Erkrankte nach Aufmerksamkeit und hat kein oder nur ein sehr schwaches Selbstbewusstsein. Durch das Teilen seiner Selbstporträts versucht er, sein soziales Ansehen zu steigern, und hofft, auf diese Weise Teil einer Gruppe und sozial konkurrenzfähig zu werden.

Weiter formulierten die Forscher drei Schweregrade: die Borderline-, die akute und die chronische Selfitis (siehe Box).

Kritische Stimmen

Von der Existenz der Selfitis sind allerdings nicht alle überzeugt. So bezeichnete etwa Simon Wessely vom Londoner King‘s College, die Studie selbst als «akademisches Selfie».

Sein Kollege Mark Salter vom Royal College of Psychiatrists wird im Gespräch mit «The Telegraph» noch konkreter: «Wir versuchen im Moment immer, alle möglichen menschlichen Verhaltensweisen mit einem einzigen Wort zu labeln. Das ist gefährlich, weil es Dingen Realität gibt, wo keine ist.»

Mach den Test!

Auch Balakrishnan und seine Kollegen selbst sind sich eines Kritikpunkts bewusst: Die Teilnehmer waren zu 90 Prozent unter 25 Jahre alt. Das sei nicht repräsentativ für eine ganze Gesellschaft.

Ungeachtet dessen haben sie einen Test entwickelt, mit dem jeder selbst herausfinden kann, ob man unter Selfitis leidet oder nicht. Die entsprechenden Fragen findet ihr in der obigen Bildstrecke.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pixel am 29.12.2017 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt?

    Ich bin 23 Jahre alt und beinahe jede Frage löste bei mir Kopfschütteln aus. Darum macht man Selfies? Möglicherweise bin ich zwar eher eine Ausnahme, da ich ohne Snapchat, Facebook und Instagram heutzutage wohl eh bald schon generell als asozial eingestuft werde.

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  • Willy am 29.12.2017 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Really?

    Ich habe "leider" weder Facebook, Instagram oder sonstige Social Media Gugus. Ach wie schön sorglos mein Leben doch ist und was für ein Stress es sein muss, immer alles mit jedem Teilen zu müssen und dies auch noch von den anderen anschauen zu müssen. Da höre ich mir lieber die Geschichten der Kollegen bei einem Bier an, für mich das einzig wahre Soziale Medium ;-)

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  • Fritz Moser am 29.12.2017 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selfiesüchtig

    Ich habe schon immer gedacht, dass die "Selfianer" eins an der Waffel haben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Leserin am 30.12.2017 20:25 Report Diesen Beitrag melden

    Kann ich bestätigen

    Meine Tochter auch.

  • Tom&Jerry am 30.12.2017 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selfitis

    Selfitis ist keine psychische Störung, sondern eine körperliche Entzündung. Wahrscheinlich eine Entzündung des Gehirns. :)

  • Kenner am 30.12.2017 18:33 Report Diesen Beitrag melden

    kleiner Unterschied

    "...soll psychisch gestört sein" Pardon, sollte heissen, der IST psychisch gestört

  • man dachte früher auch mal die erde sei am 30.12.2017 17:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    betrifft nicht alle

    haha mein freund macht andauernd selfies, die er mir und seinen freunden per whattsapp schickt um uns zu ärgern :-D er ist weder unsicher noch hat er probleme soziale kontakte zu knüpfen. im gegenteil, ohne ihn wird nicht gefeiert er steht immer im mittelpunkt und ist der held von allen.

    • Kalash am 30.12.2017 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @man dachte früher auch mal die erde sei

      Die Frage ist ob ihr euch sowas einbildet oder einfach nur die falschen freunde habt

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  • Hunne am 30.12.2017 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wow, ganz neue Erkenntnis!

    Logisch sind diese Leute psychisch gestört.