Forschungsprojekt

07. Mai 2014 11:54; Akt: 07.05.2014 11:54 Print

Wie Hunde die Sprache ihres Herrchens lernen

Border Collies können Menschen besser verstehen lernen als Menschenaffen. Darum untersuchen Forscher mit ihrer Hilfe, was es braucht, um die menschliche Kommunikation zu knacken.

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Manche Border Collies besitzen eine Abstraktionsfähigkeit, die der von Menschen erstaunlich nahekommt. (Bild: Keystone)

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In der Fernsehsendung «Wetten, dass ...?» bewiess 1999 der Border Collie Rico, dass er 77 Wörter den jeweiligen Spielzeugen zuordnen konnte. Später lernte er noch über 120 Objektnamen dazu. Dabei erreichte er sogar eine Geschwindigkeit, die man bis dato nur von Kleinkindern kannte.

Fortan erforschte ein Team des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig an Hunden statt an Menschenaffen, welche Grundfähigkeiten es braucht, um die menschliche Kommunikation zu verstehen. Zwar können unsere nächsten Verwandten auch lernen, menschliche Wörter mit Objekten zu verknüpfen, jedoch brauchen sie dafür viel länger als etwa Rico.

Schon Welpen folgen menschlichen Gesten

«Da ist während der Domestizierung des Hundes etwas passiert», erklärt Sebastian Tempelmann von der Fachhochschule Nordwestschweiz, der Mitglied des Forscherteams ist, der Nachrichtenagentur SDA. Vermutlich habe der Mensch besonders kooperative oder zahme Hunde selektioniert, die für menschliche Kommunikation empfänglich waren. Schon ein sechs Wochen alter Welpe folge Gesten von Menschen – etwas, was Menschenaffen und Wölfe nur nach langem Training lernten, so Tempelmann.

In einer Studie mit fünf Border Collies fand das Forscherteam heraus, dass die Tiere sogar Symbole erkennen können. Diese Fähigkeit gilt als Basis des abstrakten Denkens und somit als Grundbedingung für Sprache. Mit dabei war Hündin Betsy. Ihre Besitzerin konnte ihr das Abbild eines Objekts zeigen – beispielsweise einen Frisbee – und sagen: «Brings her.» Das Tier brachte dann jeweils verlässlich den verlangten Gegenstand. Damit erreichte Betsy eine Abstraktionsfähigkeit, die jener von Menschen erstaunlich nahe kommt.

In einem weiteren Versuch haben Tempelmann und seine Kollegen jüngst eine Fähigkeit getestet, die laut dem Psychologen «noch bei keinem nicht menschlichen Wesen festgestellt werden konnte»: ob Hunde allein mithilfe von Hinweisen wie etwa Gesten Wörter und Dingen zusammenbringen können, die nicht unmittelbar sichtbar sind. Dabei zeigte sich: Falls die Hunde durch blosse Konditionierung lernen, also das simple «Eintrichtern» des Namens gegen Belohnung, funktioniert das nicht.

Grenze zwischen Mensch und Tier aufgehoben

Für das Experiment versteckten die Forscher Spielzeuge vor vier Border Collies, die speziell auf verbale Kommunikation mit dem Menschen trainiert worden waren. Dann deuteten die Wissenschaftler auf das Versteck und nannten einen Namen. Die Tiere sahen den Gegenstand vor oder nach dem Verstecken, aber nicht während der Benennung. Später wurde überprüft, ob der Hund den Namen dem richtigen Spielzeug zuordnete.

Der Versuch stellte sich für die Hunde als äusserst schwierig heraus. Aber immerhin einer der vier schien eine gewisse Fähigkeit für solches Erlernen von Wörtern zu besitzen, wie die Forscher im Fachjournal «PLOS One» berichten.

Tempelmann vermutet, dass zumindest manche Hunde diese Art des Wörterlernens im Prinzip bewältigen könnten. Doch die für Kleinkinder entwickelten Versuche seien einfach zu kompliziert für sie. Weitere Studien mit mehr Hunden und einfacheren Methoden sollten diese Fähigkeiten eigentlich aufzeigen können, meint er.

Trotzdem zeigen die Resultate nach Ansicht des Psychologen, dass zumindest hier die Grenze zwischen Mensch und Tier nicht gezogen werden kann: «Es wurde als rein menschliche Fähigkeit angesehen, Wörter für Dinge zu lernen, die man nicht unmittelbar sieht. Wir haben nun erste wissenschaftliche Indizien dafür, dass Hunde da wesentlich flexibler sind.»

(fee/sda)