Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Rührendes Video
07. Februar 2012 11:33; Akt: 07.02.2012 14:40 Print
Wie der stumme Travis «plappern» lernt
von Franziska Voegeli - Letztes Jahr flogen die Browns nach China und kehrten mit zwei Adoptivsöhnen in die USA zurück. Einer der beiden hatte sich noch nie mit jemandem unterhalten. Jetzt lernt er Gebärden.
Travis ist dreieinhalb Jahre alt. Er ist seit seiner Geburt gehörlos. Bis Travis im letzten Juli von der Familie Brown adoptiert wurde, lebte er im Osten Zentralchinas.
GebärdenspracheDie Gebärdensprache ist die Sprache der Kulturgemeinschaft der Gehörlosen. Sie ist eine vollwertige Sprache mit eigenen Regeln und einer Struktur, die optimal auf die visuelle Wahrnehmung angepasst ist. Das Kind gehörloser Eltern kann sie so natürlich erwerben wie das hörende Kind die Lautsprache erwirbt. Es kann damit unbehindert und kreativ kommunizieren. Hörende können Gebärdensprache wie jede Fremdsprache in Kursen erlernen. Für eine gute Kompetenz ist der Direktkontakt zu Gehörlosen unerlässlich. Die Gebärdensprache ist sowohl national wie auch regional geprägt.
Lautsprachbegleitende Gebärden (LBG)
Lautsprachbegleitendes Gebärden (LBG) ist ein Hilfsmittel für die lautsprachliche Kommunikation. Beim lautsprachbegleitenden Gebärden wird korrekt gesprochene Lautsprache mit Gebärden aus der Gebärdensprache illustriert. Zusätzlich kommen weitere Zeichen zur Anwendung, die die grammatikalischen Eigenheiten der Lautsprache deutlich machen, z.B. Zeichen für Hilfsverben, Artikel etc. LBG ist somit keine eigenständige Sprache, sondern
ein Hilfsmittel zur Visualisierung der Lautsprache.
In der Schweiz leben geschätzte 8000 Gehörlose.
(Quelle: Zentrum für Gehör und Sprache)
Hier gehts zum Online-Lexikon der Gebärdensprache des Schweizerischen Gehörlosenbundes
Die Gebärdensprache war ihm so fremd wie seine neue Heimat Texas. Ausser weinen, sabbern, schubsen und kicken hatte er noch keinen Weg gefunden, mit anderen zu kommunizieren. Eine Woche vor Travis nahm Familie Brown - ebenfalls in China - den zweijährigen Tian in Empfang. Die beiden Jungen kannten sich zuvor nicht. Tian kann zumindest teilweise hören, wie gut sein Gehör ist, wird sich noch zeigen.
Für die Browns ist Gehörlosigkeit nichts Neues. Vater Ken ist ebenfalls taub, seine drei hörenden Kinder Hanna, Mackenzie und TJ seit der Geburt an die Amerikanische Gebärdensprache (ASL) gewöhnt. Aber ein gehörloses Kind sei doch nochmals eine andere Herausforderung, schreibt Mutter Sarah in ihren Blog «Signs of Life: the Brownie Chronicles». Darin schildert sie ihre Erfahrungen mit der Adoption von Travis und Tian.
Erste Zeichen nach einem Tag
Bereits nach einem Tag machten die beiden Kleinkinder ihre ersten Handzeichen. «Mehr essen» und verschiedene Tiernamen gehörten zu ihrem neuen Wortschatz. Vor allem Travis saugte alles auf, was ihm gezeigt wurde. Anfangs sabberte er noch, wenn er aufgeregt oder traurig war und reagierte kaum auf die Kommunikationsversuche. Doch schon einen Tag später ahmte er die Gebärden seines Vaters nach.
Das untenstehende Video zeigt, wie Travis alles kopiert, was sein Vater ihm sechs Monate später über die Reise nach China zu fünft und die Heimkehr zu siebt erzählt.
(Quelle: Youtube/txbrown5)
«Schau Papa, die Schildkröte!»
Gemäss Jan Keller, Leiter des Zentrums für Gehör und Sprache Zürich, hat ein dreijähriges Kind einen Wortschatz von einigen Tausend Worten. Das gelte genauso für ein gehörloses Kind, wenn es in der Gebärdensprache geschult wurde. Der dreijährige Travis hat also einiges aufzuholen: Einen Monat nach der Adoption beherrscht er 50 Zeichen, zwei Monate später schon 200.
Ausserdem hat er gelernt, was alles zur Verständigung gehört: Die Aufmerksamkeit des Ansprechpartners erlangen, seine Bedürfnisse benennen und auf Dinge zeigen. Nach sechs Wochen konnte er den ersten Satz formulieren, schreibt Sarah in ihrem Blog. «Er tippte seinem Vater auf die Schulter, machte die Zeichen für Papa und Schildkröte und zeigte auf das Tier. Das heisst: Papa, schau dir die Schildkröte an!»
«Ohne Zeichensprache hätten wir nicht diesen Einblick in seine Gedanken», so Sarah. Und auch für den Jungen muss es eine grosse Erleichterung sein, sich endlich ausdrücken zu können. Auch wenn dies manchmal reines Gequassel und Rumalbern ist, wie das folgende Video zeigt. In dieser Hinsicht unterscheidet sich Travis überhaupt nicht von jedem anderen Dreijährigen.
(Quelle: Youtube/txbrown5)
Auch der jüngere Bub gebärdet, und zwar mehr als er spricht. Doch über das Sprachverhalten machen sich die Browns keine Sorgen, schliesslich wird im Haus ständig geredet. Sie sind überzeugt davon, dass auch Tian die gesprochene Sprache mehr und mehr verwenden wird, zurzeit zieht er einfach die Handzeichen vor. Oft sei es sein Bruder, der Tian korrigiert, wenn er zwei ähnliche Gebärden verwechselt.
Augen zu gleich Ohren zu
Obwohl die Familie mit einem tauben Vater lebt, musste sich Sarah mit Travis, ihrem ersten gehörlosen Kind, mehr umstellen, als sie erwartet hatte. Erst mit ihm wurde ihr bewusst, wie sehr sie ihre Stimme bei den anderen Kindern einsetzte, beispielsweise, um sie zu beruhigen: «Alle auditiven Dinge müssen bei Travis mit visuellen ersetzt werden.» Auch gäbe es zum Teil Gesichtsausdrücke, die nicht ganz eindeutig seien, weshalb die Mimik sehr bewusst und gezielt eingesetzt werden müsse.
Wie jedes Kind will auch Travis manchmal nichts von dem wissen, was ihm seine Mutter zu sagen hat. Das sieht in seinem Falle so aus: «Er wandte sein Gesicht ab, was etwa gleich wäre, wie wenn ein hörendes Kind seine Augen schliessen, die Finger in die Ohren stopfen und ‹Lalala› singen würde», schreibt Sarah im September 2011. «Als ich sein Kinn zu mir drehte, rollte er die Augen so weit auf die Seite wie möglich, um jeglichen Blickkontakt zu vermeiden.» Doch Mutter Sarah insistiert in solchen Situationen darauf, dass Travis sie anschaut, auch wenn sie und ihr Söhnchen dafür zuerst seinen Wutausbruch durchstehen müssen.
Travis und Tian reden im Auto über Mechaniker, Flugzeuge und Helikopter. (Quelle: Youtube/txbrown5)
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
-
Alle 23 Kommentare





























Echt toll
Echt toll wie die kleinen jungs gelernt haben, sich zu verständigen!! Man sieht ihnenan, dass sie glücklich sind.
Schöne Geschichte
Ich finde es wunderschön, dass diese Familie die zwei kleinen Jungs adoptieren konnte. So wachsen sie mit einer Familie auf die sie fördert und unterstützt. Da der Vater ebenfealls gehörlos ist, habe die Kinder gleichzeitig ein tolles Vorbild. Es muss schrecklich gewesen sein für den Kleinen sich 3 Jahre lang nicht richtig verständigen zu können! Man merkt richtig wie viel Freude ihm das Kommunzieren ihm nun macht!
Vorbildliche Eltern zum Nachmachen!!!
Das ist wahr, dass diese Eltern sehr vorbildlich sind! Sie setzen für die Kinder ein und fördern sie richtig und viel. Man sollte die Potenzial von Kinder erweitern und vertiefen. Wichtige und traurige Information: hier in der Schweiz dürfen das gehörlose Paar, die gl Eltern keine Kinder adoptieren, auch nicht gehörlose Kinder :0(
ganz einfach
egal ob jemand hören kann oder nicht. hauptsache ein mensch, in diesemfall gott sei dank ein kind ist glücklich!!!!! hauptsache man ist glücklich!!!!!