Rührendes Video

07. Februar 2012 11:33; Akt: 07.02.2012 14:40 Print

Wie der stumme Travis «plappern» lerntWie der stumme Travis «plappern» lernt

von Franziska Voegeli - Letztes Jahr flogen die Browns nach China und kehrten mit zwei Adoptivsöhnen in die USA zurück. Einer der beiden hatte sich noch nie mit jemandem unterhalten. Jetzt lernt er Gebärden.

Der dreijährige Travis zeigt seinem jüngerer Bruder Tian die korrekten Gebärden für die Tiere im Bilderbuch. (Quelle: Youtube/txbrown5)
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Travis ist dreieinhalb Jahre alt. Er ist seit seiner Geburt gehörlos. Bis Travis im letzten Juli von der Familie Brown adoptiert wurde, lebte er im Osten Zentralchinas.

Die Gebärdensprache war ihm so fremd wie seine neue Heimat Texas. Ausser weinen, sabbern, schubsen und kicken hatte er noch keinen Weg gefunden, mit anderen zu kommunizieren. Eine Woche vor Travis nahm Familie Brown - ebenfalls in China - den zweijährigen Tian in Empfang. Die beiden Jungen kannten sich zuvor nicht. Tian kann zumindest teilweise hören, wie gut sein Gehör ist, wird sich noch zeigen.

Für die Browns ist Gehörlosigkeit nichts Neues. Vater Ken ist ebenfalls taub, seine drei hörenden Kinder Hanna, Mackenzie und TJ seit der Geburt an die Amerikanische Gebärdensprache (ASL) gewöhnt. Aber ein gehörloses Kind sei doch nochmals eine andere Herausforderung, schreibt Mutter Sarah in ihren Blog «Signs of Life: the Brownie Chronicles». Darin schildert sie ihre Erfahrungen mit der Adoption von Travis und Tian.

Erste Zeichen nach einem Tag

Bereits nach einem Tag machten die beiden Kleinkinder ihre ersten Handzeichen. «Mehr essen» und verschiedene Tiernamen gehörten zu ihrem neuen Wortschatz. Vor allem Travis saugte alles auf, was ihm gezeigt wurde. Anfangs sabberte er noch, wenn er aufgeregt oder traurig war und reagierte kaum auf die Kommunikationsversuche. Doch schon einen Tag später ahmte er die Gebärden seines Vaters nach.

Das untenstehende Video zeigt, wie Travis alles kopiert, was sein Vater ihm sechs Monate später über die Reise nach China zu fünft und die Heimkehr zu siebt erzählt.


(Quelle: Youtube/txbrown5)

«Schau Papa, die Schildkröte!»

Gemäss Jan Keller, Leiter des Zentrums für Gehör und Sprache Zürich, hat ein dreijähriges Kind einen Wortschatz von einigen Tausend Worten. Das gelte genauso für ein gehörloses Kind, wenn es in der Gebärdensprache geschult wurde. Der dreijährige Travis hat also einiges aufzuholen: Einen Monat nach der Adoption beherrscht er 50 Zeichen, zwei Monate später schon 200.

Ausserdem hat er gelernt, was alles zur Verständigung gehört: Die Aufmerksamkeit des Ansprechpartners erlangen, seine Bedürfnisse benennen und auf Dinge zeigen. Nach sechs Wochen konnte er den ersten Satz formulieren, schreibt Sarah in ihrem Blog. «Er tippte seinem Vater auf die Schulter, machte die Zeichen für Papa und Schildkröte und zeigte auf das Tier. Das heisst: Papa, schau dir die Schildkröte an!»

«Ohne Zeichensprache hätten wir nicht diesen Einblick in seine Gedanken», so Sarah. Und auch für den Jungen muss es eine grosse Erleichterung sein, sich endlich ausdrücken zu können. Auch wenn dies manchmal reines Gequassel und Rumalbern ist, wie das folgende Video zeigt. In dieser Hinsicht unterscheidet sich Travis überhaupt nicht von jedem anderen Dreijährigen.


(Quelle: Youtube/txbrown5)

Auch der jüngere Bub gebärdet, und zwar mehr als er spricht. Doch über das Sprachverhalten machen sich die Browns keine Sorgen, schliesslich wird im Haus ständig geredet. Sie sind überzeugt davon, dass auch Tian die gesprochene Sprache mehr und mehr verwenden wird, zurzeit zieht er einfach die Handzeichen vor. Oft sei es sein Bruder, der Tian korrigiert, wenn er zwei ähnliche Gebärden verwechselt.

Augen zu gleich Ohren zu

Obwohl die Familie mit einem tauben Vater lebt, musste sich Sarah mit Travis, ihrem ersten gehörlosen Kind, mehr umstellen, als sie erwartet hatte. Erst mit ihm wurde ihr bewusst, wie sehr sie ihre Stimme bei den anderen Kindern einsetzte, beispielsweise, um sie zu beruhigen: «Alle auditiven Dinge müssen bei Travis mit visuellen ersetzt werden.» Auch gäbe es zum Teil Gesichtsausdrücke, die nicht ganz eindeutig seien, weshalb die Mimik sehr bewusst und gezielt eingesetzt werden müsse.

Wie jedes Kind will auch Travis manchmal nichts von dem wissen, was ihm seine Mutter zu sagen hat. Das sieht in seinem Falle so aus: «Er wandte sein Gesicht ab, was etwa gleich wäre, wie wenn ein hörendes Kind seine Augen schliessen, die Finger in die Ohren stopfen und ‹Lalala› singen würde», schreibt Sarah im September 2011. «Als ich sein Kinn zu mir drehte, rollte er die Augen so weit auf die Seite wie möglich, um jeglichen Blickkontakt zu vermeiden.» Doch Mutter Sarah insistiert in solchen Situationen darauf, dass Travis sie anschaut, auch wenn sie und ihr Söhnchen dafür zuerst seinen Wutausbruch durchstehen müssen.


Travis und Tian reden im Auto über Mechaniker, Flugzeuge und Helikopter. (Quelle: Youtube/txbrown5)

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  • Ana B. am 08.02.2012 07:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echt toll

    Echt toll wie die kleinen jungs gelernt haben, sich zu verständigen!! Man sieht ihnenan, dass sie glücklich sind.

  • Sandra am 07.02.2012 22:16 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Geschichte

    Ich finde es wunderschön, dass diese Familie die zwei kleinen Jungs adoptieren konnte. So wachsen sie mit einer Familie auf die sie fördert und unterstützt. Da der Vater ebenfealls gehörlos ist, habe die Kinder gleichzeitig ein tolles Vorbild. Es muss schrecklich gewesen sein für den Kleinen sich 3 Jahre lang nicht richtig verständigen zu können! Man merkt richtig wie viel Freude ihm das Kommunzieren ihm nun macht!

    • aljen am 08.02.2012 07:21 Report Diesen Beitrag melden

      Vorbildliche Eltern zum Nachmachen!!!

      Das ist wahr, dass diese Eltern sehr vorbildlich sind! Sie setzen für die Kinder ein und fördern sie richtig und viel. Man sollte die Potenzial von Kinder erweitern und vertiefen. Wichtige und traurige Information: hier in der Schweiz dürfen das gehörlose Paar, die gl Eltern keine Kinder adoptieren, auch nicht gehörlose Kinder :0(

    einklappen einklappen
  • evita peron am 07.02.2012 21:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ganz einfach

    egal ob jemand hören kann oder nicht. hauptsache ein mensch, in diesemfall gott sei dank ein kind ist glücklich!!!!! hauptsache man ist glücklich!!!!!