Infektionskrankheit

06. September 2017 12:38; Akt: 06.09.2017 12:38 Print

Wie die Schweiz die Malaria loswurde

Das Sumpffieber war in der Schweiz lange Zeit eine ernstzunehmende Gefahr für die Bevölkerung. Das begann sich erst im 19. Jahrhundert zu ändern.

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Die durch Anopheles-Mücken übertragene Infektionskrankheit Malaria stellte in der Schweiz bis ins 20. Jahrhundert ein Problem dar. (Im Bild: Anopheles maculipennis, eine in der Schweiz heimische Art der Anopheles-Mücke.) In ausgedehnten Sumpfgebieten wie dem Seeland oder der Linthebene konnte sich die Malaria ungehindert ausbreiten. (Im Bild: Überschwemmung an der Mündung des Broyekanal in den Neuenburgersee 1944) Abhilfe schafften grossangelegte Gewässerkorrekturen in der ganzen Schweiz ab Mitte des 19. Jahrhunderts.(Im Bild: Aushubarbeiten am Nidau-Büren-Kanal 1964) Abhilfe schafften grossangelegte Gewässerkorrekturen in der ganzen Schweiz ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Durch die Entwässerung der Feuchtgebiete gingen die Malariaherde stark zurück. (Im Bild: Die korrigierte Linth bei Ziegelbrücke) Als hilfreich stellten sich auch die wachsenden Rinderbestände heraus, die den Menschen als primären Zwischenwirt für den Malariaerreger ablösten. Die Chinintherapie erhöhte die Resistenz der Bevölkerung gegenüber Malaria und verringerte die Ansteckungsgefahr. (Im Bild: Arbeiter sortieren Chinarinde, aus der das Chinin gewonnen wird, in West-Java). Verbesserte Wohnverhältnisse sorgten für eine Reduktion der Mückenkontakte. 1942 brachte das Pharmaunternehmen Geigy das Insektizid DDT auf den Markt. DDT brachte weltweit grosse Erfolge im Kampf gegen die Anopheles-Mücken, allerdings zu einem hohen Preis. Andere Insekten, aber auch Vögel und Amphibien und Fische starben massenhaft. 1972 wurde das Gift in der Schweiz verboten. (Im Bild: In Afrika wird DDT nach wie vor zur Besprühung von Häusern.)

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Die Schweiz verfügte zu Beginn des 19. Jahrhunderts über ausgedehnte Sumpfgebiete wie die Ebene zwischen Glarner Unterland, Walen- und Zürichsee oder die versumpften Gebiete zwischen Neuenburger-, Murten- und Bielersee. Neben allerhand Seuchen konnte sich die Malaria, auch Sumpffieber genannt, dort ungehindert ausbreiten. Malariaherde gab es daneben auch im Wallis, im Berner Oberland, im Rheintal und im Tessin.

Damals kannten die Menschen den Verbreitungsweg der Krankheit nicht. Man nahm aber an, dass sie durch die schlechte Luft aus den Sümpfen ausgelöst wurde. So sprach der Italiener Francesco Torti 1709 als Erster von Mal’aria (italienisch für schlechte Luft). Dass die Krankheit von Stechmücken übertragen wird, konnte der englische Militärarzt Ronald Ross erst 1902 belegen, wofür er später den Nobelpreis erhielt.

Beseitigung von Feuchtgebieten

Bis dann war die Malaria in der Schweiz aber längst stark zurückgegangen. Zu verdanken war dies grossangelegten Gewässerkorrekturen. Denn die Anopheles-Mücken brauchen für ihre Brut stehende Gewässer, also Sumpf- oder Überschwemmungsgebiete. 1807 wurde der Fluss Linth korrigiert, ab 1937 die Linthebene schliesslich entwässert. Die sogenannte Juragewässerkorrektion begann 1867 und wurde ab 1962 mit der zweiten Juragewässerkorrektion fertiggestellt, worauf auch hier Überschwemmungen ausblieben. Weitere Bodenverbesserungen folgten.

Doch nicht nur die Entwässerung der Sumpfgebiete half im Kampf gegen die Malaria. Da die Rinderbestände grösser wurden, stachen die Mücken vermehrt das Vieh, das fortan den Menschen als primären Zwischenwirt für den Malariaerreger ablöste.

Der Einsatz von DDT

Entscheidend waren auch neue Behandlungs- und Präventionsmöglichkeiten. Die Chinintherapie erhöhte die Resistenz der Bevölkerung gegenüber Malaria und verringerte die Ansteckungsgefahr. Die verbesserten Wohnverhältnisse sorgten ebenfalls für eine Reduktion der Mückenkontakte.

1942 brachte schliesslich das Pharmaunternehmen Geigy das Insektizid DDT auf den Markt. DDT brachte weltweit grosse Erfolge im Kampf gegen die Anopheles-Mücken, allerdings zu einem hohen Preis. Andere Insekten, aber auch Vögel und Amphibien und Fische starben massenhaft. 1972 wurde das Gift in der Schweiz verboten. Offiziell ist Europa nach einem letzten einheimischen Malariafall im griechischen Teil Mazedoniens seit 1974 Malaria-frei.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Karin am 06.09.2017 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und Heute

    ....muss jedes stillgelegte Gewässer wider Freigelegt werden! Auch wenn fast gar kein Wasser mehr fliesst. Ein Paradies für Mücken.

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  • TommyM am 06.09.2017 13:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Renaturiert

    Cool, diese Kanäle welche unsere Grossväter in harter Arbeit schufen werden heute für viiiiel Geld renaturiert... Na bravo...

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  • Karl Gutknecht am 06.09.2017 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Darwin hatte doch recht

    Heute haben wir DDT verboten und legen künstliche Feuchtgebiete wieder an. Auch Rinder werden wir nicht mehr haben, weil das Fleisch für die Reichen aus China importiert werden wird. Aber - die Natur wird sich selbst regulieren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Simon am 06.09.2017 20:17 Report Diesen Beitrag melden

    Nobelrpeis ging auch in die Schweiz

    Paul Hermann Müller (Chemiker in J.R. Geigy AG) erhielt ebenfalls den Nobelpreis für die Entdeckung der starken Wirkung von DDT als Kontaktgift gegen mehrere Gliederfüsser. Wenn schon den Nobelpreis vom Engländer Ronald Ross genannt wird, darf auch gerne den Nobelpreis von einem Schweizer erwähnt werden auch wenn er einen bitteren Beigeschmack hatte mit dem Silent Spring, aber dies konnte in den 40er Jahren noch niemand ahnen. Paul Hermann Müller war der erste Nichtmediziner, welcher den Nobelpreis für Medizin erhielt.

  • Piedro am 06.09.2017 19:49 Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz ist malariafrei

    Laut PharmaWiki: Von Malaria betroffen ist vor allem Afrika südlich der Sahara, daneben auch Asien und Südamerika.

  • Butch am 06.09.2017 19:45 Report Diesen Beitrag melden

    So, so:

    Und wieso hat es dann bspw. in Finnland oder Schweden keine Malaria? Dort gibt es riesig Mückenschwärme.

    • MinouBS am 06.09.2017 21:49 Report Diesen Beitrag melden

      Weil es dort lange kalt ist!

      Damit der Malariaparasit (Plasmodium) sich in der Mücke weiter entwickeln kann (und somit ansteckend für den Menschen wird) muss es mindestens 14°C haben. Bei Temperaturen darunter können die Plasmodien nicht überleben.

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  • M.Müller am 06.09.2017 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jäger und Sammler

    Fakt ist das unsere Flüsse einfach abartig kanalisiert sind! Das köstliche Wasser aus dem Wir entstanden sind!Wartet nur, ob wir das noch in zukunpft immernoch so einfach/ungehindert zulassen! Ausserdem brauchen wir Auenflächen und Renaturierungszonen! Für die gesundheit des Menschen! Das Er sich wohl fühlt braucht es Pflanzen und Tiere. und Er braucht Samen die Früchte tragen! Sprich ökosystem,biodiversität, artevielfallt! Der Lebensraum Für Mensch und Fauna/Flora, müsste in jedem Land auch in zukunpft gegeben und laufend ausgebaut werden! In diesem Artikel ist es so geschrieben als ob man meinen könnte es sei was gutes Flüsse zu kanalisieren. Ich fang gar nicht an mit Wasserwerke V.S Fische Es gibt zur Zeit kein malaria mehr in der schweiz! setzt die Renaturierungs-Pläne durch...

  • Tristan H. am 06.09.2017 19:01 Report Diesen Beitrag melden

    Fragezeichen

    Also, dass Sumpfgebiete Mücken fördern ist klar. Aber ich vermisse immer noch die tropische oder subtropische Wärme, ohne die gibt es kein Malaria. In Afrika z.B. gibt es bekanntermassen nicht soviel Wasser und viel Hitze.

    • Tim R. am 06.09.2017 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tristan H.

      hä? in Afrika nicht viel Wasser? Schon mal was von tropischen Regenwäldern (Kongoregenwald, westafrikanischer Regenwald) gehört? Afrika hat zudem einige der grössten Flüsse der Erde (zB Nil,Kongofluss...), einige der grössten Seen der Erde (zB Viktoriasee...) sowie einige der grössten Sumpfgebiete der Erde (zB Okawangodelta).

    • zensierter Kommentator am 06.09.2017 19:52 Report Diesen Beitrag melden

      @Tim R.

      2. Versuch: Die Schweiz hat kein Tropenklima, und das braucht es für Malaria.

    • Dr Nörgeli am 06.09.2017 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @zensierter Kommentator

      14 Grad reichen. Das ist nicht tropisch.

    • Chris am 07.09.2017 10:26 Report Diesen Beitrag melden

      Geografie?

      Afrika ist gigantisch gross. Tipp: Einmal eine true size Weltkarte anschauen statt der übligen winkeltreuen. Da geht so manchem die Kinnlade runter... Item: Afrika hat sehr viel Wasser, sehr viel Wald und Feuchtgebiete.

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