«Es war grossartig»

14. März 2018 04:51; Akt: 14.03.2018 18:25 Print

Hawkings rührende Botschaft an die Nachwelt

Mit Stephen Hawking ist einer der grössten Wissenschaftler aller Zeiten gestorben. Die Universität Cambridge veröffentlichte eine Audiobotschaft.

Sprechen konnte er nur mit Hilfe eines Computers: Hawking stirbt im Alter von 76 Jahren. Video: Tamedia/AP
Zum Thema
Fehler gesehen?

Der britische Astrophysiker Stephen Hawking ist tot. Der 76-Jährige starb am Mittwochmorgen friedlich in seinem Haus in Cambridge, wie seine PR-Agentur unter Berufung auf seine Familie mitteilte. Der Professor zählte zu den grössten Wissenschaftler aller Zeiten.

«Wir sind tief betrübt, dass unser geliebter Vater heute gestorben ist», zitierte die britische Nachrichtenagentur Press Association eine Mitteilung seiner Kinder Lucy, Robert und Tim. «Wir werden ihn für immer vermissen.» Er sei ein grossartiger Wissenschaftler und ein aussergewöhnlicher Mann gewesen, dessen Arbeit und Vermächtnis viele Jahre weiterleben werde.

Astrophysiker Stephen Hawking ist tot

Die Universität von Cambridge, bei der Hawking einen Lehrstuhl innehatte, hat nach seinem Tod eine Audiobotschaft des Genies veröffentlicht, die 2017 an einer Feier zu seinem 75. Geburtstag aufgenommen worden war:

In der Botschaft sagt Hawking: «Können Sie mich hören? Es war eine grossartige Zeit, am Leben zu sein und Forschung in der theoretischen Physik zu betreiben.» Dann drückt er seine Freude darüber aus, dass er seinen Teil zum besseren Verständnis der Welt beitragen konnte.

Er schliesst mit einem Appell: «Also erinnern Sie sich daran, nach oben zu den Sternen zu blicken – und nicht nach unten auf Ihre Füsse. Versuchen Sie, einen Sinn zu erkennen in dem, was Sie sind, und fragen Sie sich, was das Universum existieren lässt. Seien Sie neugierig! Und wie schwierig das Leben auch scheinen mag, es gibt immer etwas, das Sie tun können. Es ist wichtig, dass Sie nicht einfach aufgeben. Danke fürs Zuhören.»

Hawking sprach nur mit Hilfe eines Computers

Hawking litt an der unheilbaren Muskel- und Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose). Bereits seit Jahrzehnten war er fast völlig bewegungsunfähig, er sass im Rollstuhl. Schon seit langem konnte er sich nur noch mühsam mit Hilfe eines Computers verständigen. Zuletzt nahmen seine Kräfte immer mehr ab.

Er gehört zu den grössten Wissenschaftlern aller Zeiten. Die Fachwelt schätzte Hawking wegen seiner Theorien zum Ursprung des Kosmos und zu Schwarzen Löchern. «Ich möchte das Universum ganz und gar verstehen», sagte er einmal. «Ich möchte wissen, warum es so ist, wie es ist, und warum es überhaupt existiert.» Sein 1988 erschienenes Buch «Eine kurze Geschichte der Zeit» machte ihn auch bei Laien populär.

Seit 1968 im Rollstuhl

Hawking, der am 8. Januar 1942 in Oxford geboren wurde, erkrankte bereits als Physikstudent an ALS – Ärzte sagten ihm nur noch wenige Jahre voraus. Seit 1968 war Hawking auf den Rollstuhl angewiesen.

Doch die Krankheit schritt bei ihm sehr langsam voran und konnte seinen Aufstieg in der Wissenschaft nicht aufhalten: 1979 wurde er Professor für Mathematik in Cambridge, über 30 Jahre lang hatte er dort den renommierten Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik inne – und stand damit in der Nachfolge von Isaac Newton.

Das Privatleben kam trotz seiner Karriere nicht zu kurz. Hawking war zweimal verheiratet und hatte drei Kinder. 30 Jahre lang war er mit seiner Jugendliebe verheiratet, doch die Ehe scheiterte – später bezeichnete sie ihn als einen «Haustyrannen». 1995 heiratete Hawking seine Pflegerin, die Verbindung dauerte elf Jahre.

Schwarze Löcher und Urknall

Trotz Gesundheitsproblemen lief das Gehirn des Genies stets auf Hochtouren. Neue Theorien entwickelte Hawking zu Schwarzen Löchern und dem Urknall: Die monströsen Schwarzen Löcher im All sind demnach keine Endstationen. Zwar saugen sie durch ihre enorme Schwerkraft alles ein, was ihnen zu nahe kommt, und lassen nicht einmal das Licht entkommen. Hawking konnte aber in der Theorie zeigen, dass Schwarze Löcher langsam verdampfen – eine Folge der Quantenphysik. Das Verdampfen dauert extrem lange. Die dabei entstehende Hawking-Strahlung liess sich daher bisher nirgends nachweisen.

Bereits als Doktorand hatte Hawking 1965 zusammen mit dem Briten Roger Penrose zudem einen wichtigen mathematischen Beleg für die Urknalltheorie geliefert. Die Idee vom Urknall war damals noch umstritten, unter anderem weil in dieser mathematischen «Singularität» die Naturgesetze nicht mehr gelten und so eine Art Schöpfungsakt notwendig zu werden schien.

Er beschäftigte sich mit Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie und konnte zeigen, dass sie einen Anfang des Universums voraussagte – «ein Ergebnis, das die Kirche interessiert zur Kenntnis nahm», wie Hawking in seiner Autobiografie «Meine kurze Geschichte» (Rowohlt, 2013) schrieb. Später zeigte er jedoch, dass der Anfang des Universums nicht zwangsläufig in einer Singularität gelegen haben muss.

Warnung vor Robotern

Ausserdem versuchte Hawking über Jahrzehnte, die Relativitätstheorie mit der Quantenphysik zu vereinen und auf diese Weise eine Art «Weltformel» zu finden – in der Sprache der Physiker eine «Grosse Vereinheitlichte Theorie», die alle Bereiche des Universums beschreiben kann, vom Mikro- bis zum Makrokosmos. Er war eine Art Popstar der Wissenschaft und schreckte nicht davor zurück, zu populären Ideen wie Zeitreisen und Ausserirdischen Stellung zu nehmen.

In seinen letzten Jahren trat Hawking immer wieder als Mahner auf. Intelligente Roboter, Klimaerwärmung, Atomkrieg und durch Gentechnik hergestellte Viren könnten die Erde gefährden, warnte er. Seine Botschaft: Die Menschheit müsse sich Ausweichmöglichkeiten im All schaffen, falls es zu einer hausgemachten Katastrophe kommen sollte.

Gemeinsam mit dem russischen Milliardär Jurij Milner plante er, eine Armee nur etwa briefmarkengrosser Raumschiffe auf eine 20-jährige Reise zum Sternsystem Alpha Centauri zu schicken. Hawking war überzeugt: «Früher oder später müssen wir zu den Sternen schauen.»

(chk/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kk8000 am 14.03.2018 06:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bewundertswert!

    Tyrann, Genie, aber auch nur ein Mensch. Ich finde es bewundertswert, was er trotz der tödlichen Diagnose ALS geleistet und für die Nachwelt geschaffen hat. Ruhe in Frieden.

    einklappen einklappen
  • Matty13 am 14.03.2018 06:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    R.I.P

    Ein grosser Mann ist von uns gegangen. Ruhe in Frieden.

    einklappen einklappen
  • XRay am 14.03.2018 06:54 Report Diesen Beitrag melden

    Ruhe in Frieden

    Ruhe er in Frieden. Er war ein grosser Wissenschaftler und ein Vorbild für uns alle. Egal wie das Schicksal mit Dir umgeht... mache das Beste daraus und gib nie auf!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • M. K: am 17.03.2018 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant, nicht wahr?

    Interessant ist doch vor allem, dass er in der Liste Epsteins ebenfalls eingetragen ist... Ehrt lieber die richtigen.

  • Öko Logisch am 17.03.2018 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    Mensch unter Menschen

    Ich verstehe Menschen - manche zumindest. Bei anderen fällt es mir schwerer. Das hat allerdings nichts mit dem Geschlecht zu tun. Mich öden Machos an, die sich emanzipatorisch im Mittelalter bewegen. Mich öden Frauen an, die Emanzipation mit umgekehrtem Machotum verwechseln. Ich liebe Menschen, die nicht das Geschlecht, nicht die Herkunft, nicht den sozialen Stand, nicht die Religionszugehörigkeit, nicht die sexuelle Ausrichtung sehen, sondern den Menschen. Dafür muss man kein Genie sein. Wie ernst Hawking seine Aussage meinte, bleibt dahingestellt. Denn offensichtlich besaß er Humor.

  • Bud am 17.03.2018 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was glauben Sie?

    ich glaube an Gott ,jedoch konnte noch niemand bewisen dass es Ihn giebt

    • A. Gnostiker am 17.03.2018 10:04 Report Diesen Beitrag melden

      sinnlose Diskussionen vermeiden

      Wieso sollte man glauben? Wieso immer diese Diskussion, ob es einen virtuellen Freund/Feind in irgendwelchen Himmeln gibt oder nicht? Das sind absolut irrelevante und nichtsnützige Gedankenspiele. Wir haben Probleme hier, zu Hauf: Gierige Leute, die alles an sich reissen, statistisch sehr schlechte Bildung weltweit und deshalb Überbevölkerung, Umweltverschmutzung à gogo, Armut wegen der Überbevölkerung, und Krieg wegen der Gierigen. DAS sind Themen, mit welchen man sich raschestmöglich befassen sollte. Archaische "Schöpfer-Wesen" sind Vergangenheit. Blicken wir Richtung vernünftiger Zukunft.

    • Tom am 17.03.2018 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @A.Gnostiker Nun!

      Wer 2018 immer noch der Meinung ist, der Glaube an Gott sei im Mittelalter stehen geblieben beim alten Mann mit weissen Bart, der hat schlicht eine Entwicklung der Menschen auf der spirituellen Ebene verpasst. Zu denken, dass sich Bildung, Wissenschaft und der Glaube an Gott widersprechen, der hat entweder eine rückständige Vorstellung davon was denn ein Glaube an Gott ist oder ist ganz einfach überheblich. Religion und Wissenschaft widersprechen sich in keinster Weise. Übrigens ist das Lösen deiner aufgezählten Probleme ein Anliegen jeder, sogar KernInhalt von Religion!

    einklappen einklappen
  • Bud am 17.03.2018 08:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lesen sie die bibel?

    man wollte schon früher den Aposteln nichts glauben und vwrfolgte sie!

  • Mann am 17.03.2018 06:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht der einzige

    Nun, ich bin zwar kein Genie, aber auch mir sind die Frauen ein Rätsel.