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Kalte Zeiten
05. Februar 2012 15:29; Akt: 05.02.2012 15:42 Print
Wo's wirklich kalt ist
von Daniel Huber - Sie frieren? Dabei ist es hier doch angenehm warm! In Werchojansk, der kältesten Stadt der Welt, herrschen derzeit Temperaturen von -39° bis -48° Celsius. Und das ist noch gar nichts.

Kalt, kälter, Werchojansk: Eine Gedenktafel am Kältepol-Denkmal erinnert in der sibirischen Stadt an mehrere Kälterekorde (Bild: PD)
Eine wahrhaft sibirische Kältewelle sorgt derzeit für Zähneklappern in der Schweiz. Doch in gewissen kälteerprobten Gegenden der Welt hätte man für unsere aktuellen Temperaturwerte nur ein müdes Lächeln übrig.
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Probleme bei Extremkälte
Bei extremen Minusgraden, wie sie im winterlichen Jakutien auftreten, können alltägliche Handlungen problematisch werden. Vor allem die Extremitäten müssen gut geschützt werden, damit es nicht zu Erfrierungen kommt. In der eiskalten Luft schmerzen die exponierten Hautflächen und die Nasenspitze wird schnell taub. Die Atemluft sticht; bei Anstrengungen muss man Vorsicht walten lassen, sonst gelangt bei tiefen Atemzügen zu viel eisige Luft in die Bronchien, was sehr schmerzhaft ist.
Problematisch ist auch die Befriedigung von bestimmten körperlichen Bedürfnissen: Wer bei dieser Kälte draussen pinkeln muss, sollte gut auf seine exponierten Körperteile aufpassen. Hingegen ist es nicht so, dass der Urin – wie oft behauptet wird – gefriert, bevor er am Boden ankommt. Der Harn verlässt den Körper nämlich mit rund 37 °C. Zudem enthält er Salze, die die Eisbildung verlangsamen. Damit der Urin gefroren ist, bevor er am Boden ankommt, müsste man von einem dutzende Meter hohen Gerüst herabpinkeln.
Auf keinen Fall sollte man der Versuchung nachgeben, bei Minusgraden mit der Zunge Gegenstände aus Metall abzulecken. Es kann sehr schnell passieren, dass sie am Metall festfriert. Das geschieht, weil das sehr kalte Metall, das ein hervorragender Wärmeleiter ist, den Speichel an der Zunge sofort zum Gefrieren bringt. Die Eiskristalle wachsen sofort in die unzähligen Poren der Zunge hinein und verbinden sie so mit dem Metall. Dann hilft nur noch Aufwärmen, am besten mit warmer Flüssigkeit.
Zum Beispiel in Werchojansk, einer Stadt in Nordjakutien, dem Kühlschrank von Sibirien. Die Siedlung mit nicht einmal 1500 Einwohnern liegt 110 km nördlich des Polarkreises. Kosaken gründeten den Ort 1638 am Jana-Fluss; 1817 wurde Werchojansk zur Stadt erhoben. Viele, die bis ins 20. Jahrhundert hinein in die Stadt gelangten, kamen nicht freiwillig: Sie waren nach Sibirien verbannt worden.
Es gibt ausser Rentieren nicht viel in Werchojansk, und deshalb sind die Bewohner wohl besonders stolz auf das, was die Stadt weltweit berühmt gemacht hat: die Kälte.
Kältepol
Das Januarmittel beispielsweise beträgt atemberaubend kühle
Heute sind es nur gerade zwischen
Konkurrenz in Oimjakon
Bis 1916 konnte sich die Werchojansker Seele konkurrenzlos an diesem Rekord erwärmen — dann fiel das Thermometer im rund 600 Kilometer südöstlich von Werchojansk gelegenen Dorf Oimjakon auf unglaubliche
Beide Orte liegen in einer Mulde, in der die kalte Luft über lange Zeiten hinweg liegen bleibt. Zudem beherrscht fast das ganze Jahr über ein Hochdruckgebiet die Gegend, was wegen des wolkenlosen Himmels zu einem enormen Wärmeverlust führt. Die riesige Entfernung zum Atlantik begünstigt das Kälteklima zusätzlich, denn auf der Nordhalbkugel bestimmt vor allem die Westwinddrift die Witterungsbedingungen. Der viel näher gelegene Pazifik übt daher praktisch keinen klimatischen Einfluss aus.
Im kurzen subpolaren Sommer mit den langen Tagen hingegen sorgen dieselben Verhältnisse für extrem hohe Temperaturen: Die höchste in Werchojansk gemessene Temperatur war
Der absolute Kältepol
Werchojansk und Oimjakon streiten sich um die Ehre des Kältepols aller bewohnten Gebiete, der mit dem Kältepol der Nordhalbkugel identisch ist. Denn Nordjakutien liegt zwar zwei- bis dreitausend Kilometer vom Nordpol entfernt, ist aber mit seinem extrem kontinentalen Klima gleichwohl kühler als die Polregion, die dem mässigenden Einfluss des Nordpolarmeers unterworfen ist.
Noch kälter aber ist es im tiefsten Süden: Der globale Kältepol liegt in der Antarktis. Die tiefste Temperatur, die je auf diesem Planeten gemessen wurde, waren klirrende
Im Vergleich dazu ist es bei uns derzeit gemütlich warm.



























