Nachforschungen im Tagebuch

17. Dezember 2016 14:51; Akt: 17.12.2016 15:07 Print

Wurde Anne Frank nur durch Zufall entdeckt?

Ein Wissenschaftler hat aus seinen Nachforschungen im Tagebuch der Anne Frank neue Schlüsse gezogen. Möglicherweise wurde ihr Versteck nie verraten.

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Flucht vor den Nationalsozialisten: Ab Juli 1942 lebten die Franks in einem Versteck im Hinterhaus einer Amsterdamer Wohnung. 1944 wurden sie entdeckt und deportiert. Anne Franks Vater veröffentlichte später das Tagebuch seiner Tochter, das sie in dem Versteck an der Prinsengracht schrieb. Das berühmte Tagebuch bekam Anne Frank zu ihrem 13. Geburtstag, zwei Tage später, am 14. Juni 1942, begann sie zu schreiben. Das erste Faksimile, eine originalgetreue Kopie der sechs umfassenden Tagebücher von Anne Frank. Otto Frank, auf dem Bild, der Vater von Anne, wurde am 27. Januar 1945 in Auschwitz befreit und lebte von 1953 bis zu seinem Tode 1980 in Birsfelden bei Basel. Ein Auszug aus dem Tagebuch vom 1. August 1942. «Es ist ein Wunder, dass ich nicht alle Erwartungen aufgegeben habe, denn sie scheinen absurd und unausführbar. Trotzdem halte ich an ihnen fest, trotz allem, weil ich noch immer an das innere Gute im Menschen glaube.» Mit Sätzen wie diesen wurde Anne Frank nicht nur zum Symbol für die Opfer des menschenverachtenden Terrors im Nationalsozialismus, sondern auch für den Glauben an die Humanität. Das Hinterhaus: Hier lebte Annes Familie gemeinsam mit dem Ehepaar van Pels und Sohn Peter und dem Zahnarzt Fritz Pfeffer drei Jahre in einem Versteck Otto Franks Firma. Juli 1938: Anne Frank und ihre ältere Schwester Margot. April 1941: Anne wollte immer Schriftstellerin oder Journalistin werden. Mai 1941: Anne auf dem Balkon der Wohnung in Amsterdam. Juli 1941: Otto Frank mit seiner Tochter vor dem Rathaus in Amsterdam. Portrait von Anne Frank: Neben das Bild hat sie am 10. Oktober 1942 in Niederländisch geschrieben «So wie auf diesem Foto wünschte ich immer auszusehen. Dann hätte ich vielleicht eine Chance, nach Hollywood zu kommen.»

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Die durch ihr Tagebuch bekannt gewordene Anne Frank und ihre Familie, die sich vor den Nationalsozialisten in einer Wohnung in Amsterdam versteckt hatten, sind laut einer neuen Studie möglicherweise nicht verraten, sondern durch Zufall entdeckt worden.

Wie das Anne-Frank-Museum in Amsterdam in der Nacht zum Samstag mitteilte, hatten die Polizisten, die das Versteck 1944 entdeckten, wegen Betrugs mit Lebensmittelmarken und illegaler Beschäftigung ermittelt.

1942 untergetaucht, 1944 deportiert

Die deutsche Familie Frank war vor den Nationalsozialisten in die Niederlande geflohen. Ab Juli 1942 lebten die Franks zusammen mit anderen Untergetauchten in einem Versteck im Hinterhaus einer Amsterdamer Wohnung, bis sie im August 1944 entdeckt und deportiert wurden. Anne Franks Vater veröffentlichte später das Tagebuch seiner Tochter, das sie in dem Versteck an der Prinsengracht schrieb.

«Die Frage war immer: 'Wer verriet Anne Frank und die anderen Untergetauchten?', aber sich auf eine Denunziation zu konzentrieren, beschränkt den Blick auf die Festnahme», erklärte das Museum.

Viel passierte in der Prinsengracht

Der Wissenschaftler Gertjan Broek betrachtete für seine Nachforschungen vor allem Tagebucheinträge von März 1944. Er schloss daraus, dass sich «in der Prinsengracht 263 mehr Dinge ereigneten, als dass Menschen im geheimen Anbau versteckt waren».

Angestellte einer Firma im Erdgeschoss des Gebäudes seien einige Monate zuvor wegen Handels mit Lebensmittelmarken festgenommen worden. Das habe eine Durchsuchung zur Folge gehabt, bei der die Untergetauchten möglicherweise «schlicht durch Zufall» entdeckt worden seien, erklärte er.

Verrat nicht ausgeschlossen

Die neue Studie schliesse die Möglichkeit eines Verrats nicht aus, sagte der Leiter des Anne-Frank-Museums, Ronald Leopold. Er hoffe aber, dass sie Anlass zu weiteren Nachforschungen gebe.

Anne Frank starb Anfang 1945 im Alter von 15 Jahren im Konzentrationslager Bergen-Belsen an Typhus. Ihr Vater Otto Frank war der einzige Überlebende der Versteckten aus dem Hinterhaus. Das in 67 Sprachen übersetzte «Tagebuch der Anne Frank» zählt mit 30 Millionen verkauften Exemplaren zu den meistgelesenen Büchern weltweit.

(kat/sda)