Albatros-Fresser

03. April 2018 21:41; Akt: 03.04.2018 21:41 Print

Wie Midway zur Insel der Killermäuse wurde

von Fee Riebeling - Auf den weissen Federn klebt Blut. Aus Kopfwunden rinnt es den Hals des Albatros hinab. Schuld an dem Massaker sind Mäuse – und der Mensch.

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Bis vor einigen Jahren lebten Albatrosse, Ratten und Mäuse auf dem Midway-Atoll im Pazifik in Frieden miteinander: Die Seevögel zeigten sich von den eingeschleppten Nagern unbeirrt – und andersherum.

Heute ist das anders. Die Ratten sind weg und die Mäuse fallen nachts regelmässig über die Albatrosse her und verletzen sie oft tödlich. Mindestens 1000 tote Exemplare wurden bereits gefunden.

Gut gemeint ist nicht gleich gut

Der Grund für diese Veränderung liegt im Jahr 1996. Damals knöpften sich Ökologen die Ratten vor, die auf den Inseln schon zahlreiche Arten ausgerottet hatten. Aus Sicht der Experten gehörten Ratten zu den schlimmsten invasiven Arten.

Dass die vermeintlich harmlosen Mäuse ihnen einmal den Rang ablaufen könnten, ahnte bis 2015 niemand. Dann aber zeigte sich, dass die Nager sich nächtens regelmässig über die brütenden Seevögel hermachen, wie Aufnahmen mit Wärmebildkameras zeigen.


Als ob sie kein Wässerchen trüben könnten: Mäuse schleichen sich an ahnungslose Vögel heran. (Video: USFWS/CC BY-NC 2.0)

Auf den Geschmack gekommen

Zimperlich sind die Nager bei ihren nächtlichen Attacken nicht. Sie klettern nachts so auf die Rücken der Seevögel, dass diese sie nicht mit dem Schnabel erwischen können. Dann beissen sie sie so lange in den Kopf, bis Blut fliesst. Dass die Albatrosse die Tortur weitestgehend stoisch über sich ergehen lassen, ist ihrem Bruttrieb geschuldet.


Die Tiere werden bei lebendigem Leib angeknabbert. (Video: USFWS/CC BY-NC 2.0)

Doch warum haben sich die einst unauffälligen Nager zu Blutsaugern entwickelt? Das können die Fachleute bisher nur vermuten.

Vogelexperte Brad Keitt von American Bird Conservancy geht davon aus, dass die Mäuse die Albatrosse erstmals im Zuge einer Dürreperiode attackierten, um deren Blut zu trinken und so an Flüssigkeit zu kommen. Als sie merkten, wie einfach das ist, blieben sie dabei.

Ausrottungskampagne soll Leben retten

Da Albatrosse nur ein Ei jedes Jahr oder gar nur alle zwei Jahre ausbrüten, sich Mäuse aber rasend schnell vermehren, sind die Seevögel in ihrer Existenz bedroht. Die Naturschutzbehörde plant nun eine Ausrottungskampagne gegen die Mäuse, um die Vögel zu schützen.

Unter anderem sollen Giftköder aus der Luft per Hubschrauber abgeworfen werden. Damit diese nicht von den Albatrossen gefressen werden, wird dies am Ende der Trockenzeit passieren, wenn erst wenige Albatrosse vor Ort sind, während die Mäuse schon auf Futtersuche sind.


Die Gefahr ist erkannt, aber noch lange nicht gebannt. (Video: USFWS/CC BY-NC 2.0)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • pkea am 03.04.2018 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gott spielen

    und deshalb soll der Mensch nicht in die Natur eingreifen...

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  • Cleo am 03.04.2018 22:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oje

    Das kommt in den wenigsten Fällen gut wenn der Mensch meint er müsste Gott spielen...

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  • Röné am 04.04.2018 05:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schande

    Unglaublich dieser Plastik. Es ist eine Schande wie der Mensch die Natur zerstört.

Die neusten Leser-Kommentare

  • El Raton am 05.04.2018 03:28 Report Diesen Beitrag melden

    No Rat, No Cat

    Hat mit" Gott spielen"in diesem Fall eher nichts zu tun.Mit den tierischen Invasoren Weltweit gibt es viele Probleme,und ja, meistens vom grössten Invasor Mensch verursacht.Ist ja evident der Schaden auf der Insel,Der Invasor Mensch muss eingreifen,um Tiere wie Mäuse,Ratten,Katzen,Pytons etc.. zu kontrollieren.

  • M.G. am 04.04.2018 19:45 Report Diesen Beitrag melden

    pazifische Neozoen

    die meisten dieser eingeschleppten Arten kamen während des II. Weltkriegs auf die Inseln. Als blinde Passagiere reisten sie in Kisten und Behältern der Streitkräfte vom amerikanischen Kontinent nach Midway, Guam und anderen US-Stützpunkten.

  • bebbeli am 04.04.2018 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    Abfall im Meer

    Die Meere sind total verschmutzt. Aller Abfall landet hier. Das ist nicht in Ordnung. An vielen Stränden ist das Baden gefährlich für die Gsundheit. Es gibt zuviele Mäuse auf dieser Insel und sie sollten tatsächlich reduziert werden.

  • m28 am 04.04.2018 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Japp

    Die Macht der Natur wird uns schon noch zeigen, welche Konsequenzen auf uns warten wenn wir langsam nicht mal damit aufhören, Helden zu spielen und alles zerstören.

  • Mario am 04.04.2018 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Mäuse ausrotten...

    Bin auch nicht einverstanden dass der Mensch eingreifen sollte... Trotzdem bleibt die Frage wie die Mäuse auf die Insel kamen und wo der natürliche Feind geblieben ist???

    • Milunidu am 04.04.2018 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mario

      Die kamen durch die Menschen, darum müssen diese Mäuse auch wieder verschwinden, sonst geht es nicht lange nd es gibt da keine Albatrosse mehr!

    • Luigi am 04.04.2018 11:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Mario

      Beide vom Mensch eingeschleppt und natürliche Feinde gabs nicht auf dem Atoll.

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