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Sepp Blatter
13. Juli 2010 07:22; Akt: 13.07.2010 08:48 Print
«Ich würde neun von zehn Punkten geben»
Die FIFA zieht eine positive Bilanz zur ersten WM in Afrika. Dem schliessen sich viele an - ausser die Deutschen. Einziges Problem scheinen die Stadien zu sein.
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In der Tat verliefen die vier Wochen am Kap ohne Zwischenfälle. «Ich würde neun von zehn Punkten geben», sagte FIFA-Präsident Sepp Blatter. Einen Schatten auf die WM könnte die nicht geregelte Nachnutzung der zehn Stadien werfen.
Bildstrecken Weltmeister ist zuhauseTops und Flops der WMDie besten Sprüche der WMInternationale Presseschau zum WM-FinalAm Tag nach dem WM-Final war Südafrika mit Stolz aufgewacht. Die Temperaturen in der Provinz Gauteng mit dem WM-Epizentrum Johannesburg waren zwar empfindlich gesunken, doch der nahezu pannenfreie Ablauf der vier WM-Wochen wärmte das Herz der Menschen. «Afrika ist nicht mehr der dunkle Kontinent», schrieb die Tageszeitung «The Star» in ihrem Kommentar.
Grosser Stolz der Südafrikaner
Der Stolz der Südafrikaner war greifbar und wurde noch etwas grösser, weil die FIFA das Turnier in den höchsten Tönen lobte. «Den Menschen in Südafrika gehört ein grosses Kompliment. Wir haben wunderbare Gastfreundschaft erlebt», sagte FIFA-Präsident Blatter. Die FIFA sei zufrieden und ein bisschen mehr als nur ein bisschen glücklich, so der Walliser.
Dem schlossen sich viele Kommentatoren an. Auch ausserhalb Afrikas. Laute Kritik kam vornehmlich aus dem deutschen Lager. Da wird die FIFA zurecht kritisch beäugt. Die scheinbar nahezu perfekte Organisation der 19. WM-Endrunde wird hinterfragt. Vor vier Jahren erhielt Deutschland weltweit Bestnoten für seine (sommer-) märchenhafte WM. Jetzt teilt man den 1. Platz auf dem Podium der Klassenbesten nicht gerne mit Südafrika. Blatter stufte den «World Cup 2010» gleichwohl ganz weit oben ein. «Perfektion existiert nirgendwo. Ich würde neun von zehn Punkten geben. Das ergibt an der Universität ein 'Summa cum laude'.»
Null-Summen-Spiel für die Ärmsten
Wie weit diese vier Wochen das Land am Kap aber voranbringen, bleibt abzuwarten. Staatspräsident Zuma liess sich zitieren, dass die Wirtschaft nachhaltig von der WM profitiere. «Wir erwarten einen hohen 'Return on Investment'.» Wenn die erste Euphorie verflogen ist, könnten in Südafrika aber vor allem aus der Mittel- und Oberschicht negative Stimmen laut werden. Sie erwartet in den nächsten Jahren womöglich eine horrende Steuerbelastung, wie aus diesen Kreisen zu hören ist.
Keine negative Folgen dürfte die WM derweil für die in Armut lebenden Südafrikaner haben. Für sie wird die WM wohl zum Null-Summen-Spiel. Mit kleiner Tendenz in den Plusbereich. Von der verbesserten Infrastruktur beim Strassenbau und beim öffentlichen Verkehr profitiert das ganze Land.
Was geschieht mit den Stadien?
Probleme könnten sich vorab mit der Nachnutzung der zehn Stadien ergeben. Nahezu zwei Milliarden Franken haben der Neu- bzw. der Umbau der zehn Arenen gekostet. Ein richtiges Konzept, wie es nun weitergeht, soll keines bestehen. Immerhin wird in Pretoria, Bloemfontein und Johannesburg (Ellis Park) regelmässig Rugby gespielt. «Wir müssen eine Balance finden zwischen Rugby und Fussball», sagte WM-OK-Präsident Danny Jordaan. Ein Anfang wird im August gemacht, wenn Südafrikas Rugby-Nationalmannschaft beim «Tri Nations» Neuseeland im Soccer-City-Stadium von Johannesburg empfängt.
Die Regierung in Südafrika rechnet damit, dass der Unterhalt der Stadien jährlich gegen 200 Millionen Franken kostet. Diese Summe kann die Premier Soccer League, Südafrikas höchste Fussball-Liga, mit ihrem Zuschauerschnitt von 7500 Fans nicht einspielen. Nicht alle Rugby-Teams sollen aber bereit sein, die neuen WM-Stadien für ihre Spiele zu nutzen. Dem Tode geweiht sein dürften die Arenen in den WM-Städten Polokwane und Nelspruit. Hier gibt es weder einen Rugby- noch einen Fussballverein in der höchsten Spielklasse. «Weisse Elefanten!» sagen sie in Südafrika. So nennt man Bauwerke, die ohne Nutzen sind.
Stadien nicht nur in Südafrika ein Problem
Das Problem der Nachnutzung der Stadien gibt es jedoch nicht nur in Südafrika. In Portugal beispielsweise laufen die Kosten für die Stadien in diversen Spielorten der EM 2004 aus dem Ruder. Und auch die Schweiz hat ihren «Weissen Elefanten»: Die Betreiber des Stade de Genève werden mit den paar hundert Eintritten pro Challenge-League-Heimspiel von Servette nicht reich.
(si)




















