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Radikal-Zensur
07. Juli 2010 10:38; Akt: 07.07.2010 11:30 Print
Das Ende der WM im Netz
von Amir Mustedanagic - Per 31. Juli müssen alle WM-Videos aus dem Netz verschwinden. Rigoros geht die Fifa auch auf Youtube vor. Sie löscht, was sie findet und gibt damit Fussballfans Rätsel auf.
Selbst die ARD-Sendung «Panorama» darf keine Ausschnitte von WM-Spielen zeigen. Zum Video
Gesprächsthema Nummer eins am Tag nach dem Halbfinal zwischen Holland und Uruguay ist das Traumtor von Giovanni van Bronckhorst: Aus rund 35 Metern ballerte der Holländer den Ball mit über 100 km/h ins rechte obere Toreck. Doch was tut man, wenn man eines der schönsten Tore der WM nicht gesehen hat? Die Arbeitskollegen diskutieren am Znünitisch und man selbst versteht nur «wunderschön», «traumhaft» oder «megageil». Die naheliegende Antwort: Man schaut sich das Ganze im Internet an.
Bildstrecken Die Luxus-Jets der Fifa-ChefsDie Torschützen der WMDie besten WM-ZitateEin Spiel dauert 120 Sekunden
20 Minuten Online zeigt das Traumtor genau so wie das SF oder auch die deutschen Kollegen von ARD und ZDF. Mit den richtigen Suchwörtern und ein paar Klicks wird man Zeuge der holländischen Rakete und kann am Frühstückstisch wieder mitdiskutieren. Online-Videos sei Dank. Doch bereits in zwei Wochen ist Schluss mit Traumtoren auf den Onlineportalen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten: Sowohl das SF wie auch das ARD und ZDF müssen per 31. Juli 2010 sämtliche Videos mit Spielsequenzen von der WM löschen.
Die Fifa hat den Fernsehanstalten zwar die Übertragungsrechte für Fernseh- und - zum ersten Mal in der Geschichte der WM - auch die Livestreaming-Rechte fürs Internet übertragen. Die Sender unterwerfen sich damit aber auch dem strengen Reglement der Fifa. So dürfen die öffentlich-rechtlichen Sender einerseits aufgrund des sogenannten «Highlightrechts» nicht mehr als 120 Sekunden von einer einzelnen Partie nach dem Spiel im Internet zeigen, andererseits müssen alle drei Sender 20 Tage nach dem Finale alle Videos wieder entfernen.
Aus dem Auge, nicht aber aus dem Sinn
Die Fifa hat eine Anfrage von 20 Minuten Online bisher zwar nicht beantwortet, man darf aber davon ausgehen, dass diese Regelung nicht nur für die deutschen und Schweizer Sender gilt, sondern auch für alle weiteren Fernsehanstalten. Per 31. Juli 2010 wird damit die Weltmeisterschaft 2010 aus dem Netz verschwinden. Danach kann man nur hoffen, dass die Fussballfans weitsichtig waren und ihren Recorder während ihrer Lieblingsspiele laufen liessen. Ansonsten wird nichts aus Traumtoren, umstrittenen Szenen oder WM-Pokalübergabe in bewegtem Bild. Zumindest offiziell.
Das Internet wäre nicht das Internet, würden nicht wenige Minuten nach Spielschluss bereits die besten Szenen der WM-Spiele im Netz auftauchen. Auf Youtube beispielsweise kann man kurz nach dem Abpfiff bereits schauen, was man will: das Traumtor von Van Bronckhorst oder auch den Kopfballtreffer von Robben. Während die Fernsehanstalten für teures Geld der Fifa die Rechte abgekauft haben, zeigen die Internetnutzer die Videos, ohne einen Rappen dafür bezahlt zu haben. Doch wer sie sehen will, muss sich sputen: Die Nutzer tun der Allgemeinheit zwar einen Gefallen, doch das sieht die Fifa überhaupt nicht gern.
Heerscharen von Fifa-Spürhunden
Wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet, geht der Weltfussballverband rigoros gegen die Fussball-Schnipsel auf Youtube vor. Hunderte Mitarbeiter soll die Fifa beschäftigen, die prüfen, ob alle Rechte eingehalten werden, wie die deutsche Tageszeitung berichtete. Werden die Video-Jäger fündig, wird die Löschung veranlasst. Weder gegenüber der «SZ» noch gegenüber 20 Minuten Online hat sich die Fifa bisher zu diesem Thema geäussert. Wer aber nach Szenen aus den ersten Spielen sucht, muss sich anstrengen – was den Sachverhalt mehr als bestätigt. Wer mit Begriffen wie «Fifa», «WM» oder «Worldcup 2010» sucht, findet alles, nur keine bewegt Bilder von WM-Spielen.
Findige Fussballfans
Wer doch fündig wird, hat eines der Videos entdeckt, welches nicht von der automatischen Suchfunktion von Youtube und den Video-Jägern der Fifa entdeckt wurde. Strategien, unbeachtet seine Videos auf Youtube zu stellen, kursieren im Netz mehr als genug. In Foren und auf Youtube selbst raten die Nutzer beispielsweise zum Verfremden der Originalaufnahmen, indem man Musik statt Kommentare hinterlegt, die Bildsequenzen selbst anders zusammenschneidet oder ganz einfach keinen der üblichen Suchbegriffe für WM-Spiele verwendet.
Letztlich bleibt es aber auch unter diesen Umständen eine Frage der Zeit, bis die Fifa das Video entdeckt und die Löschung verlangt. Was das Interesse der Fifa dabei ist, bleibt unklar: Anders als beispielsweise bei Spielen in den fünf grossen Fussballligen werden alle WM-Spiele live im Fernsehen übertragen. Dennoch kann man wohl davon ausgehen, dass der Weltverband die Rechte an der Zweit- und Drittnutzung der Aufnahmen und damit einen Haufen Geld schützt.
Das Vorgehen gegen die Youtube-Videos ist aber ein Kampf gegen Windmühlen für die Fifa: Pro Minute werden laut YouTube durchschnittlich 20 Stunden Videomaterial hochgeladen. Während der WM dürfte sich die Zahl weltweit aber erhöhen und nach jedem Spiel tauchen wieder neue Videos auf, und das, obwohl Youtube der Fifa die Hand reicht. Noch schwieriger wird es für den Fussballverband, das gesamte Internet von Videos zu befreien: Während die Fifa nämlich gegen Sequenzen auf Youtube kämpft, zeigen die WM-Junkies beispielsweise alle Spiele in voller Länge – auch weit über den 31. Juli 2010 hinaus.
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Alle 93 Kommentare
























sinnlos
Mich nimmt es wunder wann die Multis endlich einsehen das die Zeit ihres Monopols zu Ende geht. Ihnen es geht nur um Kontrolle auch wenn Sie sich genre als strahlende Ritter darstellen wollen.
Urheberrecht
Das Problem der Urheberrechte ist, dass nur die ihre Rechte durchsetzten können, die schon viel Geld und Macht haben. Und das trifft leider auf viele nicht zu, die neues schützenswertes erschaffen.
Eine alternativWM starten
Und die fifa fallen lassen,