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Maulkorb
22. Juni 2010 23:05; Akt: 22.06.2010 23:36 Print
Das Schweigen des Captains
von Sandro Compagno, Südafrika - Alex Frei (30) schweigt weiter. Der Nati-Captain hatte auch am Tag nach der 0:1-Niederlage gegen Chile in der Öffentlichkeit nichts zu sagen.
Ein Phantom geht um in Vanderbijlpark: Alex Frei, Stürmerstar, Rekord-Torschütze der Nati (40 Treffer) und vor allem Nati-Captain. Als Captain wäre es die Pflicht des Baslers, auch nach aussen hin zu kommunizieren. Doch Alex Frei schweigt eisern. Seit zwei Wochen.
Nati-Captain Alex Frei hat sich einen Maulkorb verpasst und sagt seit zwei Wochen nichts mehr in der Öffentlichkeit. (Keystone)
Benaglio: «Frei verdient mehr Respekt»
Auch er habe nicht immer Lust, mit den Medien zu sprechen, sagt Goalie Diego Benaglio (Bild). Alex Frei schweigt, und das gibt zu reden. So wurde gestern auch Benaglio zum Nati-Captain befragt, der wie kein anderer seiner Kollegen in der Landes-Auswahl polarisiert.
«Ich verstehe die Aufregung nicht ganz», so der Wolfsburg-Goalie. «Alex ist ein Typ, der ausspricht, was er denkt. Für uns Spieler ist er sehr wichtig, weil er hinsteht und Klartext spricht.»
Die Gründe für das «Silenzio Stampa» des 40-fachen Nati-Torschützen kenne er nicht, sagt Benaglio. «Aber ich finde, Alex erhält zu wenig Respekt für das, was er für die Nati geleistet hat.»
Nach der Niederlage gegen Chile ging der Captain an den wartenden Journalisten vorbei, ohne sie eines Blickes zu würdigen. So wie er zuvor bei seiner Auswechslung nach 42 Minuten die Captain-Binde an Gökhan Inler weitergereicht hatte, ohne diesem in die Augen zu schauen. Nati-intern ist jetzt schon klar: Ottmar Hitzfeld hat zwei Captains, Inler und Frei. Inler spricht oft und ausführlich mit den Medien, Freis Schweigen wird vom Coach gebilligt.
Über die Gründe kann nur gerätselt werden. Sicher ist Verbitterung dabei: Nach seinem Oberarmbruch hatte sich der FCB-Star zurückgekämpft, verbissen an seiner Fitness geschuftet, um sich im letzten Training vor dem Abflug nach Afrika am Knöchel zu verletzen. Fortsetzung einer langen Reihe von Frustrationen an Endrunden: 2004 die Spuck-Affäre, 2006 die Auswechslung vor dem Penalty-Drama gegen die Ukraine, 2008 die Knieverletzung im ersten Spiel, 2010 der Knöchel.
«Wenn er nicht spielt, will er auch nicht reden», hiess es seitens der Nati vor seinem ersten WM-Einsatz am Montag. «Wenn er keinen Beitrag leisten kann, will er nicht reden», heisst es jetzt aus seinem Umfeld.
In der Tat blieb Alex Frei in seinen 42 Minuten gegen Chile den Nachweis seiner Match-Fitness schuldig. Was hätte der Baselbieter auch sagen sollen? Aber vielleicht spricht der Captain ja heute. Oder morgen ...





















