Unvergessene WM-Momente

28. Juni 2010 12:24; Akt: 28.06.2010 12:35 Print

Das Wembley-Goal – drin oder nicht drin?Das Wembley-Goal – drin oder nicht drin?

von Peter Blunschi - Das «umgekehrte» Wembley-Goal von Bloemfontein erinnert an das umstrittenste Tor der Fussball-Geschichte: den dritten Treffer für England im Final 1966.

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Das Wembley-Goal von 1966. (Video: YouTube) Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal
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An der Heim-WM 1966 wollte das «Mutterland des Fussballs» endlich den Titel holen. Im Final am 30. Juli vor fast 100 000 Zuschauern im Londoner Wembley-Stadion trafen die Engländer auf Deutschland – eine brisante Paarung, nur 20 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Ein neutraler Schiedsrichter musste her: Gottfried Dienst aus Basel, der erste und bis heute einzige Schweizer, der einen WM-Final leiten durfte.

Die Engländer führten kurz vor Schluss mit 2:1 und sahen wie der sichere Sieger aus, ehe Wolfgang Weber mit dem letzten Angriff noch der Ausgleich für Deutschland gelang. Es kam zur Verlängerung, und damit begann das Drama: In der 101. Minute kam Geoff Hurst rund sechs Meter vor dem Tor frei zum Schuss. Der Ball sprang an die Unterseite der damals noch eckigen Querlatte, prallte hinter Goalie Hans Tilkowski senkrecht zu Boden und zurück ins Feld, wo ihn Weber ins Out spedierte. Die Frage war: drin oder nicht?

Der schnauzbärtige Aserbaidschaner

Nun war «Gotti» Dienst gefordert. Er war verantwortlich für jenen Entscheid, auf den er bis zu seinem Tod 1998 noch fast täglich angesprochen werden sollte. Dabei gab er offen zu, dass er es selbst nicht wusste: «Ich bin bei jenem Angriff schlecht gestanden, genau frontal anstatt diagonal vor dem Tor.» Also konsultierte Dienst den sowjetischen Linienrichter Tofik Bachramow: «Ich frage ihn auf Englisch: 'Was the ball behind the line?' Und er antwortete: 'Yes it was.' Da war der Fall für mich klar: Tor für England.»

Der schnauzbärtige Aserbaidschaner wurde von deutschen Spielern bedrängt, doch das Tor zählte, und praktisch mit dem Schlusspfiff erzielte Hurst noch das 4:2. England war am Ziel. Doch war das «Wembley-Goal» korrekt erzielt worden? Die Fernsehbilder schafften damals keine Klarheit. Andere Kameraperspektiven ergaben ein widersprüchliches Bild. Die Engländer zeigten jene, auf denen der Ball hinter der Linie zu landen scheint, die Deutschen wiederum beriefen sich auf Aufnahmen, die den Ball auf der Linie zeigen.

Beweis dank englischen Ingenieuren

Es waren ausgerechnet englische Ingenieure von der Universität Oxford, die in den 90er-Jahren den endgültigen Befund lieferten. Nach Analyse sämtlicher Aufnahmen kamen sie zum Schluss, dass der Ball die Torlinie nicht in vollem Umfang überschritten hatte. Das umstrittenste Tor der Fussball-Geschichte war keines. Und eigentlich war England sogar dank zwei irregulären Toren Weltmeister geworden, denn auch das 4:2 hätte nicht zählen dürfen, weil englische Fans auf den Rasen gerannt waren.

Seit damals scheint ein Fluch auf dem englischen Nationalteam zu liegen. Vielleicht hat ihn das «umgekehrte» Wembley-Goal von Bloemfontein nun gebrochen, denn die Rechnung scheint beglichen. Linienrichter Tofik Bachramow ist in seiner Heimat Aserbaidschan noch heute ein Volksheld, in der Hauptstadt Baku wurde ihm ein Denkmal errichtet. Am Ende seines Lebens soll er den Grund genannt haben, warum er das Tor gab: «Stalingrad.» Rache für den Zweiten Weltkrieg? Das Wembley-Goal wird ein ewiger Mythos bleiben.

Verschiedene Perspektiven auf das Wembley-Goal: Die englische...

... und die deutsche:

Das Tor von Bloemfontein zum Vergleich:

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20 Minuten Online ruft in der Serie «Unvergessene WM-Momente» bis zum Ende der Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika täglich ein spektakuläres Ereignis vergangener Turniere in Erinnerung.

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