Afghanistan-Krieg

21. Juni 2011 12:52; Akt: 21.06.2011 15:33 Print

Die USA blasen zum Rückzug

von Peter Blunschi - Barack Obama will sein Versprechen einhalten, im Juli mit dem Abzug aus Afghanistan zu beginnen. Bis Ende Jahr könnten rund 10 000 US-Soldaten heimkehren.

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US-Soldaten bei einem Artilleriegefecht in der Provinz Kandahar. (Bild: Reuters/baz Ratner)

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Seit bald zehn Jahren führen die USA und ihre Verbündeten in Afghanistan Krieg gegen die radikalislamischen Taliban. Mehr als 2500 Soldaten sind ums Leben gekommen, dazu Tausende afghanische Soldaten, Aufständische und Zivilisten. Ein Sieg ist weit und breit nicht in Sicht, trotz der von Präsident Barack Obama im Dezember 2009 angeordneten Truppenaufstockung um 30 000 auf derzeit rund 100 000 US-Soldaten.

Gleichzeitig kündigte Obama an, im Juli 2011 mit dem Abzug der US-Truppen zu beginnen. Dieses Versprechen will der Präsident nun einhalten, denn das amerikanische Volk ist längst kriegsmüde. Laut einer CNN-Umfrage von Anfang Juni sind fast drei Viertel der Amerikaner für einen teilweisen oder vollständigen Rückzug vom Hindukusch. Seit der Tötung von Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden Anfang Mai hat sich dieser Anteil um zehn Prozent erhöht.

Verschiedene Zahlen im Umlauf

Der Krieg in Afghanistan verschlingt jährlich mehr als 100 Milliarden Dollar – Geld, das nach Ansicht der meisten Amerikaner in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung besser im eigenen Land investiert würde. In einer Ansprache am Mittwoch will Obama den Abzug offiziell ankündigen. Über das Ausmass wird in den US-Medien heftig spekuliert.

Das Verteidigungsministerium will bis Ende Jahr höchstens 5000 Soldaten zurückholen. Im Weissen Haus kursiert gemäss «New York Times» dagegen ein «aggressiver Plan», wonach die 30 000 zusätzlichen US-Soldaten innerhalb von zwölf Monaten heimkehren sollen. Die «Los Angeles Times» schreibt mit Berufung auf Regierungsbeamte, Obama wolle bis Ende Jahr 10 000 Soldaten abziehen und weitere 20 000 bis Ende 2012 oder Anfang 2013.

Pentagon warnt vor schnellem Abzug

Offiziell ist keine Entscheidung gefallen, der Präsident müsse sich noch «endgültig festlegen», sagte sein Pressesprecher Jay Carney am Montag. Ein Beamter behauptete gegenüber der «New York Times», es sei «sehr wahrscheinlich», dass Obama keine fixe Zahl nennen werde. Dennoch scheint ein «Mittelweg» mit 10 000 Soldaten bis Ende Jahr realistisch, denn Obama hat bereits erklärt, der Abzug werde «bedeutend» ausfallen.

Das Pentagon und General David Petraeus, der Noch-Oberkommandierende in Afghanistan und künftige CIA-Direktor, hatten vor einem zu schnellen Abzug gewarnt, vor allem wenn die anderen Mitglieder der Koalition, die derzeit rund 40 000 Soldaten in Afghanistan stationiert haben, ebenfalls mehr Truppen abziehen als erwartet. Der wachsende innenpolitische Druck zwinge Obama jedoch zu einer deutlicheren Reduktion, so die «Los Angeles Times».

Direkte Gespräche mit Taliban

Selbst bei einem Abzug von 30 000 Soldaten bis Ende 2012 werden noch rund 70 000 US-Armeeangehörige in Afghanistan bleiben. Endziel bleibt der am NATO-Gipfel in Lissabon im November 2010 verkündete Beschluss, wonach die Afghanische Nationalarmee bis 2014 die vollständige Verantwortung für die Sicherheit übernehmen soll. Am Wochenende wurde zudem bekannt, dass die USA direkte Friedensgespräche mit den Taliban führen – ein faktisches Eingeständnis, dass der Afghanistan-Krieg militärisch nicht zu gewinnen ist.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • rolfl am 23.06.2011 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    keinen sieger

    gegen eine untergrundsorganisation wie die taliban kann man keinen krieg gewinnen. die undergrudnorganisation kann zwar selber auch nicht gewinnen. es ist unmöglich so etawas wie im irak oder afgahnistan zu gewinnen.

  • cherokee am 21.06.2011 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    ausser spesen nix gewesen

    der dritte verlorene krieg in der jüngsten vergangenheit!

    einklappen einklappen
  • Amelie am 22.06.2011 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Aussichtslose Situation

    Primär geht es sicher um die Aufbesserung des Staatbudgets, dieser Einsatz kostet ja eine Unmenge und die Verschuldung ist spektakulär hoch. Sekundär um die eher aussichtslose Situation mit täglichen Angriffen und Sprengfallen, bei denen Soldaten verletzt oder getötet werden. Die Krux: Indem lokale Warlords und deren Mohnfelder geschützt werden durch die Amerikaner, werden im gleichen Zug auch die Taliban unterstützt. Einen Pakt mit dem Teufel kann man nur verlieren, man weiss nämlich nie, auf welche Seite dieser sich schlägt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • rolfl am 23.06.2011 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    keinen sieger

    gegen eine untergrundsorganisation wie die taliban kann man keinen krieg gewinnen. die undergrudnorganisation kann zwar selber auch nicht gewinnen. es ist unmöglich so etawas wie im irak oder afgahnistan zu gewinnen.

  • Amelie am 22.06.2011 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Aussichtslose Situation

    Primär geht es sicher um die Aufbesserung des Staatbudgets, dieser Einsatz kostet ja eine Unmenge und die Verschuldung ist spektakulär hoch. Sekundär um die eher aussichtslose Situation mit täglichen Angriffen und Sprengfallen, bei denen Soldaten verletzt oder getötet werden. Die Krux: Indem lokale Warlords und deren Mohnfelder geschützt werden durch die Amerikaner, werden im gleichen Zug auch die Taliban unterstützt. Einen Pakt mit dem Teufel kann man nur verlieren, man weiss nämlich nie, auf welche Seite dieser sich schlägt.

  • David am 22.06.2011 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    pleite

    Die bisherigen Kosten für den Krieg in Afghanistan belaufen sich auf 400 Milliarden Dollar. Amerika ist pleite und kann sich dieses sinnlose Abenteuer nicht mehr leisten. Und laut neuesten Umfragen sind 73% der Anhänger der Demokraten (Obamas Partei) für einen sofortigen Abzug aus Afghanistan und bei den Republikanern sind es 37% oder 52% der gesamten Bevölkerung.

  • Michael am 21.06.2011 23:25 Report Diesen Beitrag melden

    Der Kriegsgrund war die Terrorgefahr ?

    Es ging um die Terroristen, richtig? Das war der Grund, weshalb die Amerikaner zuerst im Irak und dann in Afghanistan einmarschiert sind. Zuerst war da diese wichtige Ölpipeline, welche durch Afghanistan gebaut wurde. Dann kamen störende Bilder von US Truppen, die Opium Felder bewachten. Alles im Namen gegen den Terror, richtig. Da hilft es auch nicht, wenn Umfragen aufzeigen, dass 80% der Afghanischen Bevölkerung noch nie etwas vom 11. September 2001 gehört hat.

    • oliver am 22.06.2011 09:15 Report Diesen Beitrag melden

      unwissen

      die usa wurde zuerst angegriffen und nicht umgekehrt. die regierung in afganistan (taliban) haben bin laden unterstützt. was das jetzt mit der umfrage von 80% zu tun hat weiss ich nicht? vielleicht dass die medien von der regierung kontrolliert werden? oder dass über 80% nichts mit dem terrorakt direkt zu tun hatte? kann ich beidem zustimmen, es schiessen auch deutlich weniger als 20% amis in afghanistan herum..

    • 4peter am 22.06.2011 12:20 Report Diesen Beitrag melden

      zuerst Afghanistan

      Michael, du hast keine ahnung.. zu erst Afghanistan, dann der Irak.. aber das ist ja nur so neben bei...

    • Markus Boll am 22.06.2011 14:36 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht ganz

      Nein, beim Irak 2 waren es Massenvernichtungswaffen.

    • Thomas Gruber am 22.06.2011 20:38 Report Diesen Beitrag melden

      Jaja, Öl, klar...

      Der Krieg in beiden Ländern kostet dermassen viel dass es einfach nur blöde ist einen Bezug zum Öl herstellen zu wollen. Selbst wenn sie die Ölfelder ausbeuten könnten und den Gewinn behalten - was sie nicht tun/können - würde das Geld nicht ausreichen um die Kriegskosten zu decken. Soviel mal dazu.

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  • Timon am 21.06.2011 21:47 Report Diesen Beitrag melden

    Kompletter Abzug = Niederlage

    Es wird schwer werden für die afghanische Regierung sich zu behaupten, wenn sämtliche ISAF-Truppen abziehen. Ihre Autorität reichte bisher kaum über die Grenzen Kabuls hinaus. Lässt man nun die vor den Taliban befreiten Dörfer im Stich, wird es zu unschönen Rückfällen kommen. Solange aus in Afghanistan keine souveräne Regierung die Vollmacht hat, ist ein kompletter Abzug sinnlos und wird es daher nicht geben.