Afghanistan

06. Dezember 2011 16:40; Akt: 06.12.2011 20:10 Print

Suizid-Bomber tötet dutzende Schiiten

Am wichtigsten Feiertag der Schiiten sind bei Anschlägen in Afghanistan mindestens 59 Menschen getötet worden. Pakistanische Extremisten bekennen sich zu dem Kabuler Anschlag bekannt.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Bei religiös motivierten Anschlägen sind in Afghanistan mindestens 59 Menschen getötet worden. Ein Selbstmordattentäter zündete am Dienstag, dem Tag des Aschura-Festes, vor einer schiitischen Moschee in der Hauptstadt Kabul einen Sprengsatz und riss 54 Menschen mit in den Tod. Es war der blutigste Anschlag mit religiösem Hintergrund seit dem Sturz der Taliban vor zehn Jahren. Vier weitere schiitische Pilger wurden bei einem Bombenanschlag in der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif getötet.

Der Attentäter in Kabul sprengte sich inmitten einer Menge von Männern, Frauen und Kindern vor dem Abu-Fazl-Schrein nahe des Präsidentenpalastes in die Luft. Das Innenministerium bezifferte die Zahl der Toten mit 55, darunter auch zwei Frauen, vier Kinder und der Attentäter selbst. Mehr als 160 Menschen wurden nach Krankenhausangaben verletzt.

Bei dem Anschlag in Masar-i-Scharif detonierte an einer Strasse eine an einem Fahrrad befestigte Bombe, als eine Gruppe schiitischer Pilger vorbeifuhr. 21 Menschen wurden verletzt, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte. Eine weitere Bombe in der Nähe sei entschärft worden, teilte das Innenministerium mit.

Taliban verurteilen Anschläge

Religiös motivierte Anschläge sind anders als im benachbarten Pakistan in Afghanistan selten, zunächst bekannte sich niemand zu den Attentaten. Das Innenministerium machte die Taliban und «Terroristen» dafür verantwortlich, ohne Details zu nennen. Die Taliban verurteilten ihrerseits in einer Erklärung die Bluttaten und beklagten den Tod von Unschuldigen.

Präsident Hamid Karsai sprach auf einer Pressekonferenz in Berlin von einem beispiellosen Anschlag. Es sei «das erste Mal, dass sich an einem solch wichtigen religiösen Feiertag in Afghanistan ein Terroranschlag von so schrecklicher Art ereignet», sagte Karsai nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

«Verbrechen gegen Muslime»

«Das ist ein Verbrechen gegen Muslime am heiligen Aschura-Tag. Wir Muslime werden diese Anschläge nie vergessen», sagte der höchste schiitische Geistliche Kabuls, Mohammed Bakir Schaikzada. Er erklärte, er könne sich nicht an einen ähnlichen Anschlag in diesem Ausmass erinnern.

Nach der US-Invasion in Afghanistan 2001 war es zuletzt Anfang 2006 zu gewaltsamen Unruhen zwischen Schiiten und Sunniten gekommen. Dabei wurden während des Aschura-Festes in der westlichen Stadt Herat fünf Menschen getötet und mehr als 150 verletzt.

Schiiten machen rund 20 Prozent der 30 Millionen Einwohner Afghanistans aus, die meisten von ihnen ethnische Hasaras. Tausende Hasaras waren in den 1990er Jahren von den Taliban niedergemetzelt worden, die Aufständischen in Afghanistan - fast alle von ihnen sind Sunniten - hatten sich aber in den vergangenen Jahren auf Angriffe auf Truppen der NATO und afghanische Streitkräfte konzentriert.

Pakistanische Extremisten bekennen sich zu Kabuler Anschlag

Eine pakistanische Terrororganisation hat sich zum Bombenanschlag auf schiitische Gläubige in der afghanischen Hauptstadt Kabul bekannt. Bei dem Anschlag waren am Dienstag während des schiitischen Aschura-Festes fast 60 Menschen getötet worden.

Das teilte ein Sprecher der Organisation Lashkar e-Jhangvi al- Alami am Dienstag der Nachrichtenagentur DPA im pakistanischen Peshawar mit.

Der Selbstmordattentäter hatte sich nahe des Präsidentenpalastes in Kabul in die Luft gesprengt.

Die sunnitische Terrorgruppe Lashkar e-Jhangvi al-Alami wurde in der Vergangenheit für Dutzende Anschläge auf Schiiten in Pakistan verantwortlich gemacht. Übergriffe auf das Nachbarland Afghanistan waren bislang nicht bekannt.

Mehr als 20 Verletzte in Masar-i-Scharif

Bei dem Anschlag in Masar-i-Scharif detonierte an einer Strasse eine an einem Fahrrad befestigte Bombe, als eine Gruppe schiitischer Pilger vorbeifuhr. 21 Menschen wurden verletzt, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte.

Nach der US-Invasion in Afghanistan 2001 war es zuletzt Anfang 2006 zu gewaltsamen Unruhen zwischen Schiiten und Sunniten gekommen. Dabei wurden während des Aschura-Festes in der westlichen Stadt Herat fünf Menschen getötet und mehr als 150 verletzt.

Auch im Irak kam es zu einem blutigen Anschlag auf Schiiten während des Aschura-Festes. Mindestens 21 Menschen starben.

(sda/ap)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schiite_ZH am 06.12.2011 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Die Schiiten sind ein friedliches Volk. Die Schiiten habe ja uch nichts gegen die Festtage von den Suniten

Die neusten Leser-Kommentare

  • Schiite_ZH am 06.12.2011 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Die Schiiten sind ein friedliches Volk. Die Schiiten habe ja uch nichts gegen die Festtage von den Suniten