«Kill Team» in Afghanistan

24. März 2011 11:06; Akt: 24.03.2011 20:02 Print

«Der Plan war, Leute zu töten»

Aus purer Mordlust sollen fünf US-Soldaten drei unschuldige Afghanen getötet und verstümmelt haben. Jetzt wurde ein erster Angeklagter zu 24 Jahren Haft verurteilt.

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Der US-Infanterist Jeremy Morlock bekannte sich des Mordes schuldig. Foto: ap

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«Der Plan war, Leute zu töten», gab Jeremy Morlock vor einem Militärgericht in Seattle den gezielten Mord an drei Zivilisten in Afghanistan zu. Der 22-Jährige gehörte zu einer Gruppe von fünf Infanteristen, die sich selbst als «Kill Team» bezeichneten. Sie sollen die Zivilisten zwischen Januar und Mai 2010 aus purer Mordlust mit Gewehren und Granaten getötet haben, obwohl sie keinerlei Bedrohung darstellten.

Laut Anklage nahmen sie ausserdem Körperteile als Trophäen mit, und zwei der Männer – darunter Morlock – liessen sich mit einem toten Opfer ablichten, einem jungen Bauernsohn. Neben den fünf Soldaten sind sieben weitere wegen weniger schwerwiegenden Delikten angeklagt, unter anderem wegen Behinderung der Ermittlungen. Das Militärverfahren gegen Morlock auf dem Stützpunkt Fort Lewis-McChord ist das erste in diesen Mordfällen.

Milde Strafe dank Vergleich

Anstatt eines Prozesses hatten sich Anklage und Verteidigung auf einen Vergleich mit einem Strafmass von 24 Jahren Haft geeinigt. Bei einem Schuldspruch in einem Prozess hätte Morlock lebenslange Haft gedroht. Bei guter Führung könnte er nun sogar nach acht Jahren wieder freikommen. Im Gegenzug für die kürzere Haftzeit erklärte sich Morlock bereit, als Hauptzeuge gegen die anderen vier Mitangeklagten auszusagen, darunter Calvin Gibbs, der nach seinen Angaben der Rädelsführer bei den Morden war.

Gibbs hat die Verbrechen bisher nicht zugegeben, sondern ausgesagt, die drei Afghanen seien im Zuge «legitimer Gefechtshandlungen» ums Leben gekommen. Morlock sagte dagegen am Mittwoch, es habe sich um geplanten kaltblütigen Mord gehandelt. Die drei Afghanen seien nicht «aus dem Augenblick heraus» getötet worden.

Ein afghanisches Abu Ghraib

Militärrichter Kwasi Hawks erklärte, eigentlich habe er den Angeklagten zu lebenslanger Haft verurteilen wollen, er sei aber wegen der Vereinbarung an eine Höchststrafe von 24 Jahren gebunden gewesen. Neben den drei Morden hat sich der Soldat auch zu Verschwörung, Behinderung der Justiz und illegalem Drogenkonsum bekannt. Er wird nun unehrenhaft aus den Streitkräften entlassen.

Das deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» hat diese Woche drei Fotos von den mutmasslichen Verbrechen der US-Soldaten veröffentlicht. Sie zeigen die Soldaten, wie sie grinsend neben getöteten Afghanen in der Südprovinz Kandahar posieren. Der bekannte Enthüllungsreporter Seymour Hersh hat die Aufnahmen mit den Folterbildern aus dem Gefängnis Abu Ghraib in Bagdad verglichen. Die US-Armee hat sich dafür entschuldigt.

(pbl/sda)