Frankreich

10. Juli 2014 17:20; Akt: 10.07.2014 17:20 Print

Halal-Metzger wollte Eiffelturm sprengen

Monatelang belauschte der französische Geheimdienst einen Al-Kaida-Sympathisanten. Kurz bevor der Mann zum Terror-Training nach Algerien reisen wollte, klickten die Handschellen.

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Dem französischen Geheimdienst ist ein Coup gelungen. Agenten des Verteidigungsministeriums DGSI hatten bereits im Juni 2013 einen islamischen Halal-Metzger aus Vaucluse im Südwesten Frankreichs verhaftet – einen sogenannten «Einsamen Wolf», ein terroristischer Einzeltäter.

Wie die Zeitung «Le Parisien» schreibt, hatte der 29-jährige Mann algerischer Abstammung zusammen mit einem Al-Kaida-Führer aus dem Maghreb über Monate geplant, in Paris den Eiffelturm und den Louvre in die Luft zu sprengen.

Der Geheimdienst hatte den Austausch des Algeriers mit seinem Kontaktmann im Norden Afrikas auf der Website Shoumouk al-Islam ein Jahr lang verfolgt. Der Metzger Ali M., zweifacher Familienvater, lebt seit fünf Jahren in Frankreich. Er benutzte den Übernamen Abu Naji, sein Kontakt bei der Al-Kaida nannte sich Redouane18.

Keine Ziele, bei denen Muslime in Gefahr wären

Redouane18 fragte den Metzger, welche Ziele er vorschlagen würde, «um eine Dschihad-Aktion durchzuführen». Daraufhin antwortete Ali M., dass die Dschihadisten die beiden grössten touristischen Markenzeichen Frankreichs ins Visier nehmen könnten. Als Alternativen schlug er Atomkraftwerke, Flugzeuge oder grosse Festivals vor.

Die Terroristen sollten Orte angreifen, «an denen sich viele Franzosen der tieferen Sozialklassen treffen. Etwa Bars und Nachtklubs», schrieb Ali M. weiter. «Eine einzige Handgranate könnte viele Menschen verletzten. Eine Sprengfalle wäre noch besser.» Der Algerier warnte Redouane18, Einkaufszentren anzugreifen, «denn dann könnten der Attacke auch Muslime zum Opfer fallen».

Im Gegenzug für seine Unterstützung hatte der Al-Kaida-Mann Ali M. ein zehntägiges Training in Algerien versprochen. So weit kam es nicht: Einen Monat vor der geplanten Reise des potenziellen Terroristen schlug der französische Geheimdienst zu.

Ali M. sitzt jetzt in Untersuchungshaft und wartet auf seinen Prozess. Seine Anwältin Daphné Pugliesi beschreibt ihren Mandaten als «schwachen, jungen Mann», der von der Terrororganisation leicht manipuliert werden konnte. Zu «Le Parisien» sagte sie: «Er war erleichtert, als man ihn festnahm.»

Massnahmen gegen «Einsame Wölfe»

Der Bericht über den geplanten Terrorakt gelang an die Medien, kurz nachdem Frankreich bekannt gegeben hatte, Staatsbürgern mit mutmasslichen Verbindungen zu Dschihadisten die Ausreise zu verbieten. Der Entwurf eines entsprechenden Gesetzes wurde am Mittwoch veröffentlicht. Das Gesetz soll die Strafverfolgung terroristischer Einzeltäter ermöglichen. Eine Verabschiedung ist bis zum Jahresende geplant.

Wie viele andere Länder in Europa befürchtet Frankreich, dass radikalisierte Islamisten aus dem syrischen Bürgerkrieg zurückkehren und dann in der Heimat Terroranschläge verüben könnten. Etwa 600 Franzosen kämpfen laut Angaben des Innenministeriums an der Seite von Islamisten in Syrien oder planen, dorthin zu reisen.

(kle)