Al-Kaida-007

11. Mai 2012 13:44; Akt: 11.05.2012 15:33 Print

Der saudische Maulwurf war Brite

Der Undercover-Agent, der ein Al-Kaida-Attentat auf ein Flugzeug verhindert hat, besitzt die britische Staatsbürgerschaft. Experten fürchten, dass weitere Anschläge geplant sind.

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Ein britischer Pass mit modernsten Sicherheitsmerkmalen. Inhaber solcher Papiere sind bei Al Kaida äusserst begehrt. (Bild: Keystone/AP/Manuel Balce Ceneta)

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Zum vereitelten Anschlagsplan des Terrornetzwerks Al Kaida im Jemen auf ein Flugzeug mit Ziel USA sind weitere Details bekannt geworden. So steht nun fest, dass der Undercover-Agent, der sich als vermeintlicher Selbstmordattentäter rekrutieren liess, tatsächlich über westliche Papiere verfügt. Es handelt sich um einen britischen Staatsbürger saudischer Herkunft, der vor einem Jahr von Geheimdienst Saudi-Arabiens angeheuert wurde.

Er soll seit Jahren in Grossbritannien leben und einige Zeit mit Anhängern des islamischen Dschihad verkehrt haben, sagte Mustafa Alani vom Gulf Research Center in Dubai, das beste Beziehungen zu saudischen Geheimdienstkreisen pflegt, gegenüber CNN. Damit sei er für die Saudis besonders interessant geworden. Sein Hintergrund habe ihm Glaubwürdigkeit verliehen, um Al Kaida infiltrieren zu können. Und sein Pass habe ihn zusätzlich attraktiv gemacht, denn Briten können ohne Visum in die USA einreisen.

Mit enormem Druck umgehen

Laut Alani wurde der Neu-Agent in den Jemen geschickt, wo er eine arabische Sprachschule besuchte in der Hoffnung, von Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel entdeckt und «gecastet» zu werden. Tatsächlich schluckten die Extremisten den Köder, denn Leute mit einem solchen Profil sind äusserst begehrt. Der «Maulwurf» wurde rekrutiert und musste von da an mit einem «enormen Druck» umgehen, wie Mustafa Alani betonte. Denn Al Kaida pflegt mit «Verrätern» kurzen Prozess zu machen.

Doch das riskante Spiel ging auf: Vor zwei oder drei Monaten habe der Brite von den Plänen erfahren, ein Flugzeug mit einer neuartigen Bombe zu sprengen. Er wurde für die Mission rekrutiert und erhielt eine Ausbildung im Umgang mit der Bombe und «wie man sich auf dem Flughafen benehmen muss, um nicht aufzufallen», so Alani. Offenbar sollte er in einem Golfstaat eine Maschine mit Ziel USA besteigen. Stattdessen übergab er die Bombe seinen saudischen Kontaktleuten. Der Agent und seine Familie sollen sich in Sicherheit befinden.

Bombe mit zwei Zündern

Beim Sprengsatz handelt es sich um eine Weiterentwicklung jener «Unterhosenbombe», die beim missglückten Anschlag über Detroit an Weihnachten 2009 verwendet wurde. Sie verfügt über keine metallischen Teile, enthielt 250 bis 300 Gramm des hoch explosiven Sprengstoffs Nitropenta (PETN) und besass zwei verschiedene Zünder, einen chemischen und einen manuellen. Probleme bei der Zündung hatten dazu geführt, dass der besagte Anschlag des «Unterhosenbombers» gescheitert war.

In Geheimdienstkreisen ist man sehr besorgt über diese Entwicklung. Die USA seien überzeugt, dass Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel «verschiedene Bombentypen» entwickelt, mit denen die Sicherheitskontrollen auf den Flughäfen überlistet werden können, sagte ein Informant mit Verbindungen zu US-Geheimdiensten und Militär gegenüber CNN. Die Terroristen würden sogar an der Möglichkeit arbeiten, Sprengsätze in Tiere zu implantieren. Umso wichtiger seien die Erkenntnisse des britischen Undercover-Mannes.

Heikle Tötungsmission

Für die Briten könnte dessen Einsatz noch zur Knacknuss werden. Ihre Geheimdienste waren laut dem US-Fernsehsender NBC in die Operation «stark involviert». Doch die Gesetze verbieten es Angehörigen von MI5 und MI6, sich an Operationen zu beteiligen, die mit Tötungen verbunden sind, schreibt der «Guardian». Im konkreten Fall betrifft dies den US-Drohenangriff vom Montag, bei dem der führende Al-Kaida-Terrorist Fahd al Quso getötet wurde. Der britische «Maulwurf» soll dazu wichtige Informationen beigetragen haben.

(pbl)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jakob Brunner am 11.05.2012 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Dank den Medien noch gefährlicher

    Dank den Medien kennt nun die ganze Welt sein Foto. Der Mann ist tot. Die Medien haben die Auflagen gehalten oder erhöht.

  • Sergej B. am 11.05.2012 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Saudi Arabien

    Ich danke dem Saudi Arbaischen Gehemdienst für diese grossartige Arbeit. Ich finde es super, dass der Westen auf eine Zusammenarbeit mit dem Königreich zählen kann. Sehr schön zu sehen, dass die Früchte der gefährlichen Arbeit geerntet werden können und man auch auf zukünftige enge Zusammenarbeit mit solchen Ländern hoffen kann.

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  • Urs Holzer am 11.05.2012 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Schlim

    Die schlimmsten Terroristen kommen ja gerade aus Saudi-Arabien, oder nicht?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Egon am 11.05.2012 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Zurecht

    hat man Schiss vor weiteren Attentaten. Wenn man jetzt Doppelagenten schon selber züchtet. Wieviel braucht es, dass einer auf dieser, statt auf der anderen Seite steht? Ein Spiel mit dem Feuer...

  • Urs Holzer am 11.05.2012 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Schlim

    Die schlimmsten Terroristen kommen ja gerade aus Saudi-Arabien, oder nicht?

  • Mr. UK am 11.05.2012 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Well done!

    Finde es etwas heikel, dass dies in den Medien öffentlich genannt wird, da dieser Mann wohl jetzt zu oberst auf der Liste der Al-Kaida steht. Muss man denn seine Nationalität unbedingt nennen? Trotzdem, hut ab vor diesem mutigen Mann! Er hat vielen Menschen das leben gerettet und den Terror-Apparat um ein weiteres Stück geschwächt.

  • Marcel am 11.05.2012 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    was nun??

    Jaja zuerst war es ein CIA-Agent, dann war er Saudi-Araber und nun ist er Brite mit Pass. Was kommt morgen?? Ein Geist?? Oder wartet liebe Medien ich hab noch ne bessere Idee. Der Spitzel war ein Ausserirdischer, der am 21.12.2012 von seinen Leuten abgeholt wird. Damit könnte man doch ein ganzes Sommerloch füllen :D

  • steff walther am 11.05.2012 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    wem Glauben?

    Es zeigt mal wieder wem man Glauben kann und wem nicht! Oder soll man sagen vielleicht, oder etwa doch nicht! Fakt ist, jeder Beschuldigt jeden, nur selber war es dann doch nicht. Die nächste Frage daraus: was war denn nun wirklich? Das was der eine sagt, oder was der andere meint? Wahrscheinlich stimmt von alledem nur ein kleiner Teil, jener Teil den wir zu hören haben - ganz zum Vorteil von dem der meint etwas zu sagen haben.

    • R. Asta am 11.05.2012 14:59 Report Diesen Beitrag melden

      nicht glauben, sondern analyiseren

      Steff: glauben ist so oder so nicht optimal. Objektiv anschauen, analysieren, ein ökonomisches Raster über die Sache und man sieht, weshalb was wo geredet und geradebändelt wird.

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