Falscher Al-Kaida-Bomber

10. Mai 2012 20:05; Akt: 11.05.2012 10:22 Print

Der Spion, der aus der Wüste kam

von Peter Blunschi - Er wollte angeblich ein Flugzeug sprengen. In Wirklichkeit war der Al-Kaida-Mann im Jemen ein «Maulwurf» des saudischen Geheimdienstes – ein höchst gefährlicher Job.

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Der Al-Kaida-Versuch, zwei US-Frachtflugzeuge im Oktober 2010 mit präparierten Druckerpatronen (Bild) in die Luft zu jagen, war ebenfalls vom saudischen Geheimdienst vereitelt worden. (Bild: Keystone/Dubai Police / Handout)

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«Phänomenal», «brillant», «durchschlagend» – mit solchen Superlativen bedachten Terrorismus-Experten gegenüber CNN die Vereitelung eines von Al Kaida geplanten Anschlags auf ein Passagierflugzeug Richtung USA. Denn es handelte sich nicht um einen Zufallstreffer, sondern eine monatelang vorbereitete, riskante Operation des saudischen Geheimdienstes. Der vermeintliche Attentäter war ein Agent, dem es gelungen war, Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel zu infiltrieren, die gefährlichste «Filiale» des Terrornetzwerks.

Als «verheerenden Schlag für Al Kaida» bezeichnete Juan Zarate, ein ehemaliger Antiterror-Berater von US-Präsident George W. Bush, die Operation, die am Mittwoch durch eine Indiskretion bekannt geworden war. Es handle sich «um eine saudische Erfolgsgeschichte», sagte Bruce Riedel, der 30 Jahre für die CIA gearbeitet hat. Das Königreich bemüht sich seit Jahren, die islamistischen Terroristen im benachbarten, notorisch instabilen Jemen zu unterwandern. Bereits der Versuch, zwei US-Frachtflugzeuge im Oktober 2010 mit Paketbomben zu sprengen, war von Saudi-Arabien vereitelt worden.

Mit westlichen Papieren

Über den konkreten Fall weiss man wenig. Man habe schon vor Monaten erfahren, dass Al Kaida im Jemen neue Anschläge auf die US-Zivilluftfahrt plane, berichtet CNN mit Berufung auf eine Geheimdienstquelle. Die Saudis entsandten den «Maulwurf», der aus Sicht von Al Kaida zwei wichtige Bedingungen erfüllte: Er war bereit, bei einem Selbstmordattentat zu sterben – und er besass die nötigen Papiere, um ein Flugzeug Richtung USA besteigen zu können. Auf Attentäter dieses Kalibers ist das Terrornetzwerk besonders scharf.

In den letzten zwei Jahren seien mehrere Agenten mit westlichen Pässen und ähnlichen Dokumenten in den Jemen geschickt worden, schreibt die «Washington Post» mit Berufung auf Geheimdienstkreise. Ein heikles Spiel, doch im konkreten Fall ging die Rechnung auf. Der «Attentäter» erhielt den Sprengsatz, eine verbesserte und kompaktere Version der «Unterhosenbombe», die beim Anschlag an Weihnachten 2009 verwendet wurde. Er übergab sie seinen Kontaktleuten im Jemen, diese reichten sie den Amerikanern weiter.

Saudische «Spione» hingerichtet

Die Operation sei von Prinz Mohammed Bin Naif, dem saudischen Antiterror-Chef, persönlich beaufsichtigt worden. Er hatte 2009 selber ein Al-Kaida-Attentat überlebt. Für Experten ist klar: Nur die Saudis sind zu solchen Einsätzen fähig. «Sie haben eine spezielle Beziehung zum Jemen. Sie kennen die Kultur und können Agenten einsetzen, der wichtigste und gefährlichste Teil», sagte Mustafa Alani vom Gulf Research Center in Dubai der «New York Times». Ein höchst gefährlicher Teil sogar: Letztes Jahr veröffentlichte Al Kaida mehrere Videos, welche die Hinrichtung von angeblichen saudischen Spionen zeigen.

Die Zusammenarbeit zwischen den USA und Saudi-Arabien in der Terrorbekämpfung verlief nicht immer problemlos – immerhin kamen 15 der 19 Attentäter vom 11. September 2001 aus dem Königreich. In den letzten zwei Jahren hat sie sich laut «New York Times» intensiviert, nicht zuletzt aufgrund des Machtkampfs im Jemen, von dem Al Kaida profitieren konnte. Das Terrornetzwerk hat seine Infrastruktur ausgebaut, bis hin zu Trainingscamps. Umso wichtiger ist das saudische Informanten-Netz, das auch wichtige Hinweise für amerikanische Drohnenangriffe liefert.

Neue Bombenbauer ausgebildet

Diese könnte durch die Indiskretion gefährdet sein, fürchten Experten und Politiker. Die US-Regierung hat eine Untersuchung angekündigt, um das Leck zu finden. Allerdings sind die Al-Kaida-Führer nicht dumm. Sie versuchen, sich abzusichern. So hat es der Maulwurf im konkreten Fall nie geschafft, Ibrahim al Asiri, das «Superhirn» unter den Al-Kaida-Bombenbauern, persönlich zu treffen, so eine Geheimdienstquelle gegenüber CNN.

Dies lässt auf zwei Dinge schliessen: Einmal versucht Al Kaida, seine Strukturen auch gegenüber potenziellen Attentätern zu verschleiern. Und die zweite, verstörendere Erkenntnis: Es gibt neben al Asiri noch andere Bombenbauer. «Selbst wenn er einmal getötet wird, sollten wir nicht feiern, denn er hat viele ausgebildet», meint ein Geheimdienstler. Die gefährliche Arbeit der Saudis wird auch in Zukunft gefragt sein.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • steff walther am 11.05.2012 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    wem Glauben?

    Es zeigt mal wieder wem man Glauben kann und wem nicht! Oder soll man sagen vielleicht, oder etwa doch nicht! Fakt ist, jeder Beschuldigt jeden, nur selber war es dann doch nicht. Die nächste Frage daraus: was war denn nun wirklich? Das was der eine sagt, oder was der andere meint? Wahrscheinlich stimmt von alledem nur ein kleiner Teil, jener Teil den wir zu hören haben - ganz zum Vorteil von dem der meint etwas zu sagen haben.

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  • Xxlbme am 10.05.2012 20:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Msulwurf?????

    Aha ein maulwurf.und wer garantiert das osama kein maulwurf war damit die usa in die ölreichen länder alles platt gemacht haben?

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  • Der Egon am 11.05.2012 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Zurecht

    hat man Schiss vor weiteren Attentaten. Wenn man jetzt Doppelagenten schon selber züchtet. Wieviel braucht es, dass einer auf dieser, statt auf der anderen Seite steht? Ein Spiel mit dem Feuer...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Egon am 11.05.2012 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Zurecht

    hat man Schiss vor weiteren Attentaten. Wenn man jetzt Doppelagenten schon selber züchtet. Wieviel braucht es, dass einer auf dieser, statt auf der anderen Seite steht? Ein Spiel mit dem Feuer...

  • Urs Holzer am 11.05.2012 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Schlim

    Die schlimmsten Terroristen kommen ja gerade aus Saudi-Arabien, oder nicht?

  • Mr. UK am 11.05.2012 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Well done!

    Finde es etwas heikel, dass dies in den Medien öffentlich genannt wird, da dieser Mann wohl jetzt zu oberst auf der Liste der Al-Kaida steht. Muss man denn seine Nationalität unbedingt nennen? Trotzdem, hut ab vor diesem mutigen Mann! Er hat vielen Menschen das leben gerettet und den Terror-Apparat um ein weiteres Stück geschwächt.

  • Marcel am 11.05.2012 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    was nun??

    Jaja zuerst war es ein CIA-Agent, dann war er Saudi-Araber und nun ist er Brite mit Pass. Was kommt morgen?? Ein Geist?? Oder wartet liebe Medien ich hab noch ne bessere Idee. Der Spitzel war ein Ausserirdischer, der am 21.12.2012 von seinen Leuten abgeholt wird. Damit könnte man doch ein ganzes Sommerloch füllen :D

  • steff walther am 11.05.2012 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    wem Glauben?

    Es zeigt mal wieder wem man Glauben kann und wem nicht! Oder soll man sagen vielleicht, oder etwa doch nicht! Fakt ist, jeder Beschuldigt jeden, nur selber war es dann doch nicht. Die nächste Frage daraus: was war denn nun wirklich? Das was der eine sagt, oder was der andere meint? Wahrscheinlich stimmt von alledem nur ein kleiner Teil, jener Teil den wir zu hören haben - ganz zum Vorteil von dem der meint etwas zu sagen haben.

    • R. Asta am 11.05.2012 14:59 Report Diesen Beitrag melden

      nicht glauben, sondern analyiseren

      Steff: glauben ist so oder so nicht optimal. Objektiv anschauen, analysieren, ein ökonomisches Raster über die Sache und man sieht, weshalb was wo geredet und geradebändelt wird.

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